Greenpeace-Bewertung von Friend of the Sea (FOTS)

Friend of the Sea (FOTS) wurde 2006 von Dr. Paolo Bray ins Leben gerufen. 2008 wurden die Standards von FOTS überarbeitet und gehen nun auch auf die Greenpeace-Kriterien für nicht-nachhaltige Fischereien (red-grade criteria for unsustainable fisheries) stärker ein. Auch die FOTS-Standards für Aquakultur wurden wenig später überarbeitet. Die Einführung dieser neuen verbesserten Standards erfolgte im Mai 2009 durch die Veröffentlichung auf der FOTS-Internetseite.

Greenpeace sieht folgende Stärken und Schwächen von FOTS:

Stärken:

  • Ein schnelles und kostengünstiges Gütesiegel, dass auch kleineren und Traditionsfischereien zugänglich ist
  • Eine Zertifizierung von Wild-Fischereien, aber auch Aquakulturen - eine Leistung, die der MSC nicht bietet
  • Die Vergabe des Siegels erfolgt erst, wenn notwendige Änderungen durchgeführt und die Standards erreicht sind
  • Die Umsetzung der Standards wird regelmäßig vor Ort überprüft
  • Es sind klare Richtlinien, was nicht zertifiziert werden kann, vorhanden, z.B. Fischereien mit mehr als acht Prozent Ausschussrate
  • Die überarbeiteten Standards beinhalten eine Berücksichtigung:
  • des Bestandszustands
  • des Schutzes des marinen Lebensraumes, mit der Einführung von Meeresschutzgebieten
  • schonender Fischereimethoden
  • der Vermeidung von illegaler, unregulierter und undokumentierter Fischerei (IUU)
  • des Ökosystem-Ansatzes, der sich nach dem Ökosystem richtet und es vorsorglich verwaltet
  • sozialer Verantwortung und Abfallverminderung

Schwächen:

  • Prinzipiell sind die neuen FOTS-Standards (z.B. in Bezug auf sozio-ökonomische Aspekte, Rückverfolgbarkeit oder IUU) ein guter Ansatz für eine nachhaltige Fischerei. Jedoch muss in ähnlicher Weise eine substanielle Verbesserung der Qualität der Evaluierungen erfolgen. Nur dann können sich die Standards auch auf die Fischereien auswirken. Bislang erhielten einige Fischereien das FOTS-Siegel, die aus der Sicht von Greenpeace nicht nachhaltig sind. Zum Beispiel:
  • Es ist unklar, wann die überarbeiteten Standards in Kraft treten, und ob sie auch rückwirkend Gültigkeit haben
  • Das Zertifizierungsverfahren ist nicht transparent, der Prüfungsablauf und die Prüfungsberichte sind dürftig und nicht einheitlich. Weiterhin mangelt es an der Bereitstellung der Prüfungsberichte, so dass die Vergabe des Siegels schwer bis gar nicht nachvollziehbar ist
  • Es gibt zur Zeit keine unabhängige Kontrollinstanz, die die Evaluierung und Prüfung der Fischereien auf Richtigkeit hin untersucht
  • Die Einbindung und Mitsprache der verschiedenen betroffenen Interessengruppen, z.B. der einheimischen Fischer, ist gering
  • Das Beschwerdeverfahren ist unklar und teuer (2.000 – 62.000 Euro); seine Ergebnisse nicht öffentlich zugänglich
  • Die Formulierung einiger Richtlinien ist unklar
  • Es gibt keine Anleitung, die den Zertifizierungsunternehmen erklärt, wie die Checkliste angewandt werden soll. Technische Begriffe sind z.B. nicht definiert, so dass es zu Fehlinterpretationen kommen kann
  • Die Standards für nachhaltige Aquakulturen weisen, im Gegensatz zu den deutlich verbesserten Richtlinien für Wildfang, massive Mängel auf, zum Beispiel:
  • Die Anwendung des Vorsorgeansatzes wird nicht verlangt
  • Es gibt keine Berücksichtigung von negativen Auswirkungen auf heimische Arten
  • Es gibt keine Vorgabe, den Boden zu schützen, z.B. vor Versalzung
  • Es wird keine Verpflichtung zur Verwendung nachhaltiger Futtermittel, lediglich Empfehlungen, für diese ausgesprochen
  • Eine lückenlose Rückverfolgbarkeit wird nicht vorgegeben
  • Türkische Fischereien, die im Schwarzen Meer Muscheln mit hydraulischen Baggern fördern, obwohl diese Methode den Meeresboden zerstört
  • Eine Gruppe von niederländischen Fischereien, die Stellnetze zum Fangen von Seezungen in der Nordsee einsetzen. Die Anzahl dieser Fische ist laut jüngster Bestandsaufnahmen unter den kritischen Wert gefallen.

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