Thunfischmast in Käfigen gefährdet Fischbestand und Umwelt

Gestopfter Thunfisch aus dem Mittelmeer

Mit bis zu zwei Metern Länge und 700 Kilogramm Gewicht ist der Blauflossenthunfisch (Thunnus thynnus) unter Wasser so schnell wie ein Pferd an Land. Er legt auf seinen Wanderungen durch die Weltozeane jährlich Tausende von Seemeilen zurück - ein wahrer König der Meere, der in wenigen Wochen die Strecke Europa - Amerika bewältigt. Doch auch dieser blitzschnelle Jäger kann der gnadenlosen und einzig am Profit orientierten Fischereiindustrie nicht entkommen.
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Der Fang und die Vermarktung von Blauflossenthunfisch sind seit jeher wichtige Wirtschaftsfaktoren in der Mittelmeerregion. Im Alten Rom gehörte die Vermarktung eingesalzener Thunfische zu den stabilsten Einkommensquellen. Heutzutage landet nahezu jeder im Mittelmeer gefangene Atlantische Thunfisch auf dem japanischen Markt und die Bestände sind alles andere als stabil.

Gewaltige Profite wischen auch die allerletzten Bedenken der Industrie beiseite. Sie macht nun Jagd auf die letzten Thunfische, deren Bestände inzwischen nahezu zusammengebrochen sind. Damit wird die Zukunft hunderter Fischer aufs Spiel gesetzt, vor allem aber das Überleben einer ganzen Art.

Das Mittelmeer spielt für das Überleben des Blauflossenthunfisches eine Schlüsselrolle. Es ist eines von zwei bekannten Aufzuchtsgebieten. Die Gewässer um die Baleareninseln gehören zu den überlebenswichtigen Laichgebieten weltweit. Jedes Jahr kommen die Thunfische, um sich in den warmen Gewässern des Mittelmeeres fortzupflanzen und jedes Jahr kommen auch die Fischereiflotten, um die Thunfische zu fangen - ganze Schwärme werden eingekreist und mit als Ringwaden bezeichneten Netzen umzingelt. Gerade die Laichzeit ist jedoch besonders wichtig für das Überleben der Art.

Junge Thunfische gefangen - Fangquoten überschritten

Als ob der Fang der Thunfische in dieser Zeit nicht schon widersinnig genug ist, werden außerdem die Fangquoten maßlos überschritten. Viele der gefangenen Fische sind zu jung und hatten noch keine Chance sich zu vermehren, da der atlantische Thunfisch erst im Altern von fünf bis acht Jahren geschlechtsreif wird. Und noch eine weitere Bedrohung gefährdet die atlantischen Thunfische: die so genannte Thunfischmast. Diese Art der Ausschlachtung mariner Resourcen verbindet die zerstörerischen Auswirkungen der Aquakultur mit schlechtem Fischereimanagement zur Bewirtschaftung von Beständen. Dazu gehört der Fang von Jungfischen, wodurch die natürlichen Beständen weiter ausgedünnt werden. Die Thunfische werden in riesige Käfige gesetzt und gemästet - mit Fisch. Im Verhältnis eins zu 20 werden kleinere Fische für die Thunfischmast gefangen und verfüttert. Der Hunger der Thunfischmastbetriebe ist so groß, dass er nicht mit dem im Mittelmeer gefangenen Fisch gestillt werden kann und von außerhalb herangeschafft werden muss. Die Hinterlassenschaften der Thunfischfarmen - Kot und Futterreste - verschmutzen die betriebsnahen Gewässer zudem in erheblichem Maß.

Fischereibehörden schließen die Augen

Die Thunfischbestände des Mittelmeer und Atlantik werden offziell von der international anerkannten Organisation ICCAT (International Commission for the Conservation of Atlantic Tunas) mit Repräsentanten aus 41 Ländern und der europäischen Gemeinschaft überwacht.

Die letzte wissenschaftliche Bestandsabschätzung für atlantische Thunfische datiert aus dem Jahr 2002, aber auch damals wurde die Datenlage als so vage und unzuverlässig angesehen, dass keine akurate Beurteilung vorgenommen werden konnte. Man einigte sich auf wenig aussagekräftige Formulierungen. Das Wissenschaftskomittee nahm Bezug auf große Mengen untermaßig gefangener Fische, die nicht dokumentiert wurden und anwachsende Fehldokumentationen in den vergangenen Jahren, besonders seit 1998. Die Wissenschaftler des Komittees machten deutlich, dass die momentanen Fangzahlen nicht nachhaltig seien.

Doch trotz der ernsthaften Bedenken des eigenen Wissenschaftskomittees konnte sich die Organisation ICCAT auf keinen dringend notwendigen Aktionsplan zur Rettung der Blauflossenthunfische einigen. Im Gegenteil: Die Quote wurde für den östlichen Bestand - inklusive des Mittelmeeres - bei 32.000 Tonnen belassen. Das sind mehr als 20 Prozent über der möglichen Maximalquote ohne den Rückgang der Bestände zu riskieren. Die notwendige Quote, die das Anwachsen der Bestände garantieren würde, wird damit sogar noch weiter überschritten.

Thunfisch braucht Schutzgebiete

Das Jahr 2006 ist das Schicksalsjahr für den Niedergang oder den Fortbestand der Blauflossenthunfisch-Bestände im Mittelmeer. Die Organisation ICCAT muss ernsthafte Schritte zum Schutz des Thunfischs unternehmen. Die Bestände können sich nur in großflächigen Schutzgebieten in den Aufzuchtsregionen, zum Beispiel bei den Balearen, erholen. Eine Studie im Wissenschaftsjournal Nature belegte den Rückgang der weltweiten Großfischbestände - dazu gehören auch die Blauflossenthunfische - um 90 Prozent in den letzten 50 Jahren.

Ein globales Netzwerk von Schutzgebieten, die 40 Prozent der Meere umfassen, würde den Erholungsprozess erst möglich machen. Es ist offensichtlich, dass eine Eigenkontrolle der Thunfischfänger nicht stattfindet und die Fangmengen und -zahlen wissentlich falsch dokumentiert werden.

Deshalb fordert Greenpeace:

  • Unabhängige Beobachter an Bord der Thunfischfänger, die den Fang dokumentieren und an Behörden weitergeben.
  • Die Beobachter müssen sicherstellen, dass kein untermaßiger Thunfisch gefangen wird.
  • Keine Ausweitung der Thunfischfarmen bis sich die Bestände erholt haben und die Fischerei verantwortungsvoll kontrolliert wird.

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