Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Fischfiete schreit für Schutzgebiete

Wer weiß besser, wie es um den Fisch in Nord- und Ostsee steht, als ein Hamburger Marktschreier? Deshalb ist seit Dienstag Fischfiete für Greenpeace durch ganz Deutschland unterwegs. Von seinem fahrbaren Verkaufsstand aus wird er in über 50 verschiedenen Städten mit viel Hamburger Elan und frechen Sprüchen das Überfischen und Verschmutzen der Meere anprangern.

Den Auftakt der Deutschland-Städtetour hat am Dienstag das friesische Jever gemacht. Kumma, kumma maal heer! Mit seiner markanten Stimme und unterstützt von einer Marktschreierglocke lockt Fiete die Passanten an. Seine Mitteilung an die Menschen: Schutzgebiete. Ich sach: Schudsgebiede

Bis zum Oktober werden noch viele Städte folgen, darunter auch Baden-Baden, Bayreuth, Bochum, Cottbus, Lindau, Oberhausen, Weimar, Wismar und Worms, um nur ein paar zu nennen. Während der Marktschreier auf die schlimme Situation in den Meeren vor den deutschen Küsten aufmerksam macht, können die Passanten sich aktiv für den Meeresschutz einsetzen.

Am Verkaufsstand halten Fietes Assistenten Hein und Jan Unterschriftenlisten von Greenpeace parat, die im Anschluss an die bundesweite Tour an Bundeskanzler Schröder übergeben werden sollen. Die Forderung, die es zu unterschreiben gilt: 40 Prozent von Nord- und Ostsee müssen geschützt werden!

Nord- und Ostsee sind zu Industriegebieten verkommen, sagt Greenpeace-Sprecher Jürgen Knirsch in Jever. Den Meeren vor unserer Haustür können nur noch großflächige Schutzgebiete helfen.

Gnadenlose Fangmethoden

In Nord- und Ostsee stehen viele Fischbestände vor dem Aus. Die Bestände der klassischen Speisefischarten sind überfischt. Kabeljau, Scholle und Co. brauchen dringend eine Pause.

Während in den 50er Jahren noch Tunfische von bis zu drei Metern Länge in der Nordsee gefangen werden konnten und die Kabeljau-Netze nach kurzer Zeit zum Bersten gefüllt waren, sind heute drei Viertel der Speisefischarten überfischt oder stehen kurz davor.

Die Folge sind immer gnadenlosere Fangmethoden: Damit auch die letzten Fische in die Netze gehen, werden große Grundschleppnetze über den Meeresboden gezogen. An vielen Schleppnetzen hängen schwere Eisenketten, die die Fische aufscheuchen sollen. Aber die Ketten scheuchen nicht nur die Fische auf, sie zerstören auch den Lebensraum der Tiere.

Erholung im Schutzgebiet

In den von Greenpeace vorgeschlagenen Schutzgebieten müssen künftig alle zerstörerischen Aktivitäten, wie Grundschleppnetzfischerei oder Ölförderung verboten sein. Nur so können sich die Fischbestände und die verwüsteten Lebensräume wieder erholen.

Die durch ganz Deutschland führende Marktschreier-Tour ist Teil der aktuellen Meereskampagne zum Schutz von Nord- und Ostsee, zu der Greenpeace in Großbritannien, Holland, Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland arbeitet. Außerdem ist das Greenpeace-Flaggschiff Esperanza in Nord- und Ostsee unterwegs, um deren Zustand zu dokumentieren.

Sie wollen nicht warten bis Fischfiete auch in Ihre Stadt kommt? Dann holen Sie sich die Unterschriftenliste aus dem Internet. Sie finden sie auf unserer Schutzgebiete-Seite unter: Dort finden Sie auch weitere Informationen rund um die von uns geforderten Schutzgebiete für Nord- und Ostsee.  (mir)

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Weit weg, nah am Herzen

Mehr als 380.000 Menschen unterstützen die Greenpeace-Forderung nach einem Schutzgebiet im Südpolarmeer. Ihre Unterschriften haben Antarktisschützer heute in Berlin übergeben.

Zurück – oder in die Zukunft

Die Internationale Walfangkommission steht vor einem Paradigmenwechsel: Will sie weiter nur den kommerziellen Walfang regulieren – oder aktiv zum Schutz der Wale beitragen?

Nah am Wasser gebaut

Das Ozeaneum in Stralsund feiert Geburtstag. Seit 2008 macht sich das Museum für den Meeresschutz stark – und war von Anfang an ein großartiger Kooperationspartner für Greenpeace.