WISSENSCHAFT: Nordsee-Kabeljau vor dem Kollaps

In ihrem Grünbuch bescheinigte sich die EU-Kommission selber 2008 das Scheitern ihrer Gemeinsamen Fischereipolitik. Einer der Gründe für dieses Scheitern ist die jährliche Vergabe von zu hohen Fangquoten durch die Fischereiminister. Diese folgen nicht den wissenschaftlichen Empfehlungen, sondern sind durch kurzfristigen wirtschaftlichen Profit getrieben. Allein während der letzten fünf Jahre haben die Minister die Quoten um 40 Prozent höher gesetzt als die wissenschaftlichen Empfehlungen.
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Eine aktuelle Studie der Wissenschaftler Froese und Qaas zeigt am konkreten Beispiel des Nordsee-Kabeljaus die Folgen dieses verantwortungslosen Handelns. Der Bestand des Nordsee-Kabeljaus ist außerhalb sicherer biologischer Grenzen, das heißt es wird mehr gefischt als nachwachsen kann. Genauer gesagt: Es wird mehr als dreimal so viel gefischt wie eigentlich optimal und nachhaltig wäre. Seit 2003 empfehlen die Wissenschaftler einen Fangstopp. Beschlossen wurde er nie. Die Folge: die Sub-Population in der südlichen Nordsee ist eventuell kollabiert. Neben der Natur zahlen Industrie, Handel und Verbraucher die Kosten, die durch die Verantwortungslosigkeit der Minister entstehen.

Und die Studie zeigt, dass eine Schließung der Fischerei für beispielsweise drei Jahre zu einer Erholung der Bestände und anschließend zu einem langfristigen wirtschaftlichen Gewinn der Fischindustrie führen würde. Ein Gewinn, der sogar um ein Mehrfaches höher ist als der aktuelle Profit und der Verlust, der sich aus der Schließung der Kabeljau-Fischerei ergeben würde.

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