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Walfänger sagt vor Gericht für Greenpeacer aus

Der Prozess gegen die Walschützer von Greenpeace, Junichi Sato und Toru Suzuki, geht weiter. Als einer der wichtigsten Zeugen hat in dieser Woche ein ehemaliger Walfänger ausgesagt.

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Der Greenpeace-Informant war vierzig Jahre lang Besatzungsmitglied der Walfangflotte. Seine Aussage stützt die Beweise der Greenpeacer und legitimiert damit ihr Handeln. Sie wurden angeklagt, weil sie eine Kiste mit Walfleisch als Beweis für den kommerziellen Vertrieb in Beschlag genommen hatten.

Walfleisch für Parlamentarier

Der Zeuge bestätigt, dass die Wale nicht nur zu wissenschaftlichen Zwecken gefangen werden. Kommerzielle Gründe hätten im Vordergrund gestanden. Er habe mit eigenen Augen gesehen, wie große Mengen Walfleisch auf dem Fabrikschiff Nisshin Maru unterschlagen wurden. Auch habe er mitbekommen, wie Walfleisch an japanische Parlamentarier und Mitglieder des Fischereiministeriums (FAJ) geschickt wurden. Mitglieder des Walforschungsinstituts an Bord hätten große Mengen vom Fleisch der Schwanzflossen abgezweigt. Es gilt als besonders schmackhaft.

Als der Zeuge in den 1990ern erstmals Verantwortlichen des Flotteninhabers Kyodo Senpaku seine Bedenken mitteilte, wurde er auf dem Schiff einer anderen Arbeit zugeteilt. Weiterhin berichtet er, dass er vor Prozessbeginn von Polizeibeamten unter Druck gesetzt wurde, nicht vor Gericht ausszusagen. Doch der Zeuge ließ sich nicht einschüchtern. Um ihn vor Vergeltungsanschlägen zu schützen, sorgt das Gericht dafür, dass sein Name und Gesicht für die Öffentlichkeit unbekannt bleiben.

Junichi Sato und Toru Suzuki genießen einen solchen Schutz durch die Justiz nicht. Sie bezahlen ihr Engagement für die sanften Riesen womöglich mit der Freiheit. Noch immer drohen ihnen zehn Jahre Haft. Junichi ging in seiner Aussage am Dienstag in erster Linie auf seine Beweggründe für die Aktion gegen den Walfleischverkauf ein. Es sei die Pflicht jedes japanischen Staatsbürgers, Missstände aufzuklären, erklärte er vor Gericht.

Der Weg zum Beweis

Junichi berichtete davon, wie ein ehemaliger Walfänger auf ihn zugekommen sei und ihm Details über den profitablen Walfleischverkauf anvertraute. Dieses Besatzungsmitglied der Walfangflotte sei der Anstoß dafür gewesen, der Tokioter Staatsanwaltschaft Beweise für die Unterschlagungen von Walfleisch und dessen Verkauf vorzulegen. Der Bericht des ersten Informanten sei durch den jetzigen Zeugen bekräftigt worden. Sato bedauerte, dass Schlüsselbeweise nicht im Gericht vorgetragen wurden und Aussagen zur Verteidigung der beiden Greenpeacer zensiert wurden.

Weltweit ist das Entsetzen groß über die unglaubliche Situation, in der sich die Greenpeace-Walschützer befinden. Über eine Viertelmillion Menschen zeigten ihnen mit ihrer Unterschrift, dass sie hinter ihnen stehen. In Deutschland unterschrieben bereits über 29.000 Menschen eine Petition an den japanischen Botschafter in Berlin.*

(Autorin: Talassa Bremer)

*Anmerkung der Redaktion: Die Mitmachaktion wurde erfolgreich beendet. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

 

Zum Weiterlesen:

Prozess gegen Walschützer: 2. Akt, 1. Szene
Prozessauftakt in Japan

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