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Supermarktranking 2010: Fisch richtig einkaufen - aber wo?

Wenn schon Fisch, dann aus schonendem Fang und gesunden Beständen, so lautet die Devise. Doch welcher Supermarkt engagiert sich für den Schutz der Fischbestände? Wo wird der Verbraucher fündig?

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Greenpeace hat erneut elf Supermarktketten und Discounter untersucht - und angesichts der desolaten Lage in den Meeren die Bewertung verschärft. Ergebnis: Kein einziges Unternehmen befindet sich im grünen Bereich. Acht von elf erhalten immerhin Orange, allen voran Kaufland, gefolgt von Bünting, Norma und der REWE Group.

Seit vier Jahren untersucht und bewertet Greenpeace die Einkaufspolitik der Handelsketten. Meeresbiologin Iris Menn bescheinigt ihnen, mittlerweile zwar die Grundlagen für einen nachhaltigen Fischeinkauf gelegt zu haben: mit Richtlinien für ihre Einkaufspraxis. Dabei aber darf es nicht bleiben.

Unsere diesjährige Bewertung, bei der wir die Latte höher gelegt haben, zeigt ganz deutlich, wo die offenen Baustellen sind: Speziell die Verbesserung der Rückverfolgbarkeit und Kennzeichung der Produkte, aber auch nach wie vor die nachhaltige Sortimentsgestaltung oder das Einhalten von Sozialstandards müssen überarbeitet werden, sagt Menn.

Die Politik versagt

Wo Politik und Fischereiindustrie versagen, können Einzelhandel und Verbraucher das Blatt wenden. Ihr Verhalten trägt entscheidend dazu bei, ob es in Zukunft noch Speisefisch geben wird. Verweigern sie sich dem Raubbau in unseren Meeren, dann lohnt sich auch der Fang nicht mehr.

Wie wichtig dieses Engagement ist, zeigt die jüngste Entwicklung. Am Montag haben die EU-Fischereiminister die Fangquoten für die kommende Saison festgelegt. Und wieder haben sie den Rat der Wissenschaftler teilweise ignoriert und zu hohe Quoten vergeben. Zum Beispiel für den Hering in der Nordsee.

Eine langfristige Erholung der Fischbestände ist auf diese Weise nicht möglich. Laut Welternährungsorganisation (FAO) ist weltweit mehr als die Hälfte aller Speisefischbestände bis an die Grenze genutzt. 19 Prozent sind bereits überfischt, 8 Prozent nicht mehr zu retten. In den europäischen Meeren sind 88 Prozent der Bestände überfischt.

Entwicklung im Einzelhandel

In den vergangenen Jahren hat sich im Einzelhandel einiges bewegt. Beim ersten Ranking 2007 gab es kein einziges Unternehmen, das zumindest in Teilbereichen grün bewertet werden konnte. 2008 hatte sich das Feld aufgefächert. Einige Handelsketten konnten deutliche Verbesserungen aufweisen, zum Beispiel bei der Kennzeichnung des Fischs.

Die Bewertung 2009 ergab gute Ansätze beispielsweise in der Einkaufspolitik und der Transparenz für den Kunden. Es haperte jedoch immer noch bei den Kriterien für Nachhaltigkeit und Rückverfolgbarkeit der Produkte vom Schiff zum Supermarktregal.

Eine Einkaufspolitik haben 2010 fast alle untersuchten Unternehmen. Ausnahme: die Metro Group mit den Ketten Real und Metro Cash&Carry. Sie hat bisher nur für Real Vertriebslinien erarbeitet, die noch dazu schwach sind, und bildet nun das Schlusslicht. Doch auch die Nummer 1 - Kaufland - weist noch einige Baustellen auf, derer sie sich 2011 annehmen sollte. Die genauen Ergebnisse des diesjährigen Rankings sind in unserem Hintergrundbericht nachzulesen.

Klar ist: Noch werden die Handelsketten der Realität auf und in den Meeren nicht gerecht. Auch 2010 befinden sich Fischprodukte in den Regalen, die dort nichts mehr zu suchen haben.

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