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Roter Thun: Frankreich handelt, wo bleibt Deutschland?

Überraschung: Der französische Staatspräsident Nikolas Sarkozy hat sich am Donnerstag für ein internationales Handelsverbot von Rotem Thunfisch ausgesprochen. Und das obwohl das Land die größte offizielle Fangflotte unterhält. Jetzt kommt es darauf an, dass weitere Nationen nachziehen. Der Bestand des Roten Thun steht kurz vor dem Kollaps. Wenn nicht gehandelt wird, ist es im Jahr 2012 soweit.

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Um eine solche Katastrophe zu verhindern, müsste vom Washingtoner Artenschutzabkommen CITES (Convention on International Trade of Endangered Species of wild fauna and flora) ein Handelsverbot beschlossen werden. Die Zeit drängt. Innerhalb der letzten fünf Jahre hat sich die Situation des Roten Thuns (Thunnus thynnus) dramatisch verschärft. Zur Rettung der Art muss beim nächsten Treffen der CITES im März 2010 ein Handelsverbot beschlossen werden. Das heißt, dass die entsprechenden Anträge bis Oktober dieses Jahres beim CITES-Sekretariat vorliegen müssen.

Dafür müsste auch die deutsche Politik handeln. Vor Frankreich hatten sich bisher Monaco und Großbritannien für den Schutz von Rotem Thunfisch ausgesprochen. Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack fordert: Auch der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel sollte sich schnellstens mit seiner Ministerkollegin im für Fischerei verantwortlichen Ministerium in Verbindung setzen und die deutsche Unterstützung für das Handelsverbot deutlich machen. Die Mittelmeerfischerei auf Roten Thunfisch gehört zu dem größten Desaster der europäischen Fischereipolitik.

Dass gerade Sarkozy sich für ein Handelverbot ausgesprochen hat, ist auf Grund der Größe der französischen Fangflotte verblüffend. Das Land verfügt über die meisten Schiffe, die offiziell Jagd auf den im Mittelmeer vorkommenden Roten Thunfisch (Thunnus thynnus) machen.

Insgesamt wird die diesjährige Fangquote auf 60.000 Tonnen geschätzt. Das ist viel zu viel. Um genau zu sein, ist es die vierfache Menge dessen, was Wissenschaftler empfehlen. Problemtisch ist, dass ein Großteil davon aus illegalen Fängen stammt. Auch ist ein Streit mit den japanischen Abnehmern vorprogrammiert. Fast einhundert Prozent des im Mittelmeer gefangenen Roten Thuns landet auf dem Tsukiji-Fischmarkt in Tokio. Dort ist der Fisch viel wert. Einzelne Tiere werden für bis zu 100.000 US Dollar gehandelt.

Schutzgebiete bitter nötig

Greenpeace und andere Umweltschutzorganisationen warnen seit Jahren vor dem Zusammenbruch der Mittelmeerbestände. Um ein solches Desaster zu vehindern, müssen großflächige Schutzgebiete eingerichtet werden, in denen keinerlei Fischfang stattfinden darf. Innerhalb der Schutzgebiete könnten sich dann die Fischbestände und die zerstörten Meereslebensräume erholen.

Laichplätze für gefährdete Arten wie den Roten Thun müssten bei der Auswahl solcher Schutzgebiete eine besondere Rolle spielen. Dessen Zeit läuft. Bleibt zu hoffen, dass sich neben Großbritannien, Monaco und Frankreich weitere Staaten für die Rettung der Fischart einsetzen.

 

Zum Weiterlesen:

Nachhaltige Fischerei - Was versteht Greenpeace darunter?
 

 

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