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Sitzt, passt und schlägt Alarm:

Riesenbanner an Fischtrawler

In Bremerhaven ist der Fischtrawler Jan Maria eingelaufen. An der Bordwand der schwimmenden Fischfangfabrik hängt ein rund 30 Meter langes Protestbanner gegen Steuergelder für Meereszerstörung. Kein Warnruf einer umweltbesorgten Fischereiindustrie, sondern eine Protestaktion von Greenpeace-Meeresschützern.

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Die Jan Maria gehört zur Fangflotte der Europäischen Union. Sie ist 117 Meter lang und hat rund 5.000 Tonnen Ladekapazität. Über 23 Millionen Euro direkte und indirekte EU-Fördergelder sind seit 1999 in ihren Ausbau und in den Kauf ihrer Fanglizenzen geflossen.

Hochgerüstete Schiffe zerstören die Meere

Seit den Sechzigerjahren sind Fischereischiffe immer mehr aufgerüstet worden. Aus den früheren Kuttern wurden Hochseetrawler, die bis zu sechs Wochen auf See bleiben können. Die heutigen Schiffe sind schwimmende Fischfabriken. Sie können täglich 300 Tonnen Fisch gleich an Bord verarbeiten und einfrieren.

Für die EU sind 84.000 Schiffe unterwegs auf der Jagd nach Fisch. 84.000-mal riesige Netze und dies seit Jahrzehnten. 84.000-mal nicht nur Raub an den Speisefischbeständen, sondern am Meeresleben insgesamt: Immenser Beifang und zerstörter Meeresboden durch Grundschleppnetze gehören zu den Folgen.

Dass die Fischbestände in den europäischen Gewässern drastisch abgenommen haben, ist unter diesen Umständen kaum verwunderlich. Die Netze der Fischer dringen in immer größere Meerestiefen vor, die höheren Schichten sind leergefischt.

Weniger Fisch = mehr Geld für den Fischfang

Überfischte Bestände bedeuten weniger Fang und weniger Einnahmen. Die Fischerei rentiert sich nicht mehr. Logische Konsequenz wäre, Schutzgebiete zu schaffen und die Fangquoten zu reduzieren, damit die Fischbestände sich erholen können. Die EU macht seit Jahrzehnten das Gegenteil: Sie subventioniert das Verlustgeschäft, rüstet ihre Flotte mit Steuergeldern weiter auf und vergibt Fangquoten, die logisch nicht zu erklären sind.

Da aber auch Geld nichts nützt, wenn kein Fisch mehr da ist, weichen die Fischfabriken in fremde Gewässer aus. Ein Viertel der Fänge holt die EU-Flotte inzwischen aus Meeren außerhalb Europas. Ein Beispiel dafür ist die EU-Fischerei vor der afrikanischen Küste - ... eine perverse Politik, die den Raubbau der Meere und die Ausbeutung der Ressourcen ärmerer Länder mit unseren Steuergeldern finanziert, so Meeresbiologin Iris Menn von Greenpeace.

Protest auch in den Niederlanden

Auch im holländischen IJmuiden protestierten Greenpeace-Aktivisten gegen den subventionierten Raubbau an den Meeren. Sie nahmen sich zwei der größten EU-Trawler vor. An deren Bordwand steht nun in großen Lettern, wie viele Millionen Euro die Schiffe erhalten haben. So hat die Annelies Ilena, ein 144 Meter langer Trawler, in den letzten fünf Jahren 28 Millionen Euro indirekte Fördergelder bekommen.

EU-Kommission gesteht Scheitern ein

Die EU-Kommission hat sich und ihrer Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) ein Versagen auf ganzer Linie bescheinigt. In ihrem Grünbuch aus dem Jahr 2008 heißt es, 88 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände in EU-Gewässern seien überfischt. Dies sei ein Resultat der riesigen Überkapazität der EU-Flotte und ihrer zerstörerischen Fangmethoden.

Derzeit wird an einer Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik gearbeitet. Dabei stehen Fangquoten, die Fangflotte und Fangmethoden auf dem Prüfstand. Bei den EU-Fischereiministern scheint davon noch nichts angekommen zu sein. Gerade erst haben sie alle Warnungen in den Wind geschlagen und erneut zu hohe Fangquoten vergeben.

Greenpeace fordert, dass sich die Bundesregierung im Reformprozess für den Abbau der Flotten-Überkapazitäten einsetzt. Nur so kann eine nachhaltige Fischerei in Europa erreicht werden, durch die dann auch die deutschen Fischer wieder mehr Fisch in ihren Netzen hätten. Ohne den Fokus auf den Abbau der Überkapazitäten vernachlässigt die Bundesregierung die Interessen ihrer eigenen Fischer, sagt Iris Menn.

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