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Reform der EU-Fischerei - letzte Chance für die Meere

Die europäische Fischerei ist eine der verheerendsten der Welt. Das wissen auch die politisch Verantwortlichen in Brüssel. Bis 2013 wollen sie die Fischereipolitik der EU grundlegend reformieren - eine riesige Chance. Doch die Vorschläge der Kommission, die jetzt als Grünbuch offiziell vorgestellt wurden, reichen nicht aus.

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Hemmungslose Überfischung, zerstörerische Methoden und steigender Konsum bedrohen nicht nur das Leben im Meer. Besonders an den Küsten Afrikas ist auch die Ernährung vieler Menschen gefährdet. Fisch ist ihre Hauptproteinquelle. Die großen Industriefangschiffe der EU überfischen die afrikanischen Gewässer und zerstören die Lebensgrundlage der Menschen.

In ihrem Grünbuch schlägt die EU-Kommission mehrere Maßnahmen vor, um die Missstände zu beseitigen: Kleinere Fischereiflotten, gesunde Meeresökosysteme, klare, verbindliche Regeln und Ziele, mehr Verantwortung für nationale und regionale Behörden. Auch die Fischer sollen stärker in die Pflicht genommen werden: Wer sich an die Regeln hält und schädliche Folgen der eigenen Fischerei vermeidet, soll belohnt werden.

Nach Ansicht von Greenpeace muss jedoch die Erholung der Meere im Zentrum der Reform stehen. Nur so kann die Artenvielfalt im Meer gerettet werden. Nur so können die Meere den Folgen des Klimawandels standhalten. Und nur durch konsequenten Meeresschutz lässt sich auf längere Sicht auch die Versorgung mit Fisch sichern.

Das bedeutet: Die EU darf keine höheren Fangquoten festsetzen als wissenschaftlich empfohlen. Flottengröße und Fangzeitraum müssen sich an den vorhandenen Fischbeständen orientieren. Dafür sind die besten verfügbaren Informationen heranzuziehen. In besonders schützenswerten Gebieten muss die Fischerei verboten sein. Dazu gehören unter anderem Laich- und Fütterungsgebiete.

Generell sollte nur kommerziell fischen dürfen, wer die Umwelt nicht schädigt. Eine entsprechende Prüfung muss der Genehmigung vorangehen. Und nicht zuletzt: Jegliche Fischerei, die Herkunft aller Fischprodukte, alle Entscheidungen müssen transparent und rückverfolgbar sein.

Thilo Maack, Greenpeace-Meeresexperte, sieht in der Reform die letzte Chance für die Meere. Die Fischereiminister und die Kommission haben die europäische Fischerei zu einer der schädlichsten und unprofitabelsten der Welt gemacht. Eine wirklich 'seetüchtige' Fischereipolitik würde die Fangquoten drastisch beschneiden und ein Netzwerk großer Schutzgebiete schaffen.

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