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Prozessauftakt in Japan

Der erste Tag des Prozesses gegen Junichi und Suzuki ist vorüber. Schon jetzt muss die Staatsanwaltschaft ihre eigenen Argumente überprüfen. In vielen Punkten ist sie gezwungen, mit der Verteidigung übereinzustimmen. Der Prozess erregt weltweit großes Interesse.

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Die Firma Kyodo Senpaku unterhält im Auftrag der japanischen Regierung die Walfangflotte. Im Kreuzverhör gestand der Geschäftsführer der Firma nun, dass Crewmitglieder Walfleisch als Souvenir erhalten hatten. Dies wurde nicht in der Buchhaltung festgehalten, obwohl der Walfang ein von der Regierung finanziertes Projekt ist.

Er bestritt zudem seine öffentlichen Aussagen, in denen er behauptet, dass es nicht üblich sei Walfleisch als Souvenir auszugeben. Heute versprach er, dass Souvenirs aus dem Walfang nicht länger an Mitarbeiter vergeben werden. Diesen Vorwurf brachte Greenpeace 2008 gegen den staatlichen Walfang vor.

Junichis und Torus Beweis für die Veruntreuung öffentlicher Gelder ist derselbe wie vor 18 Monaten. Die Geschichte der Staatsanwaltschaft hält nicht einen Tag lang genauerer Prüfung stand, sagte Sarah Burton, stellvertretende Kampagnen-Direktorin und Anwältin von Greenpeace International. Es ist eindeutig, dass der offiziellen Version der Geschichte nicht zu glauben ist. Die Untersuchung des Falls muss wieder aufgenommen werden. Diese hat mit dem Fund von Junichi and Toru begonnen.

Die Staatsanwaltschaft befragte auch den Manager der Zustellfirma Seino Transport. Das Unternehmen transportierte im April 2008 eine Kiste mit gestohlenem Walfleisch durch Japan. In seiner Aussage gab er zu, dem Besitzer der Kiste umgerechnet 300 US-Dollar aus eigener Tasche bezahlt und diese Zahlung nicht ordnungsgemäß verbucht zu haben. Er gestand auch, dass er wusste, was sich in der Kiste befand: nämlich Nahrungsmittel und nicht wie angegeben Pappe. Dies hatte ihm der Besitzer der Box zuvor gesagt.

Der Prozess zog im In- und Ausland großes mediales Interesse auf sich. Menschenrechtsorganisationen, Anwälte, Politiker und tausende Unterstützer fordern das Ende des Prozesses. Die Vereinten Nationen veröffentlichten dazu kürzlich ihr Statement: Die japanische Regierung hat mit der Behandlung der Aktivisten Sato und Suzuki gegen die Menschenrechte verstoßen. Die Vereinten Nationen sprechen damit zum ersten Mal ein solches Urteil gegenüber Japan aus.

In diesem Prozess geht es nicht einfach um eine Kiste Walfleisch. Hier geht es um Respekt gegenüber den Menschenrechten, um das Einhalten internationaler Rechte und um die Freiheit, Untersuchungen zu veröffentlichen, die im Interesse der Öffentlichkeit liegen, sagt Kumi Naidoo, Geschäftsführer von Greenpeace International. Entscheidend ist, dass der japanische Premierminister Hatoyama der Welt zeigt, dass seine Regierung stark genug ist, nach demokratischen Grundsätzen zu handeln.

Die Anhörungen im Prozess werden am achten März fortgesetzt. Dann werden Zeugen der Verteidigung befragt. Unter ihnen befinden sich Crewmitglieder der Walfangflotte und Professor Dirk Voorhoof, Experte für internationales Recht. Die Abschlussanhörungen finden voraussichtlich am vierzehnten Mai statt. Das endgültige Gerichtsurteil wird im Juni bekannt gegeben.

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