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Greenpeace veröffentlicht Testergebnisse

Kennzeichnung von Fischprodukten: Weiterhin Nachholbedarf

Umweltbewusste Verbraucher benötigen Einkaufshilfen - auch beim Fischkauf. Ein wesentliches Hilfsmittel ist die Kennzeichnung. Greenpeace hat sich die Kennzeichnungen auf über 700 bundesweit angebotenen Fischprodukten angesehen. Heute veröffentlichen wir die Ergebnisse. Vorweg: Es reicht noch nicht.

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Wer wurde besucht?

Insgesamt besuchte Greenpeace im Juni und Juli dieses Jahres 105 Filialen von 15 Lebensmittel-Einzelhandelsunternehmen: Aldi Nord, Aldi Süd, Bünting, Edeka, Kaiser’s Tengelmann, Kaufland, Lidl, Metro, Netto, Netto Markendiscount, Norma, Penny, Real, Rewe. Untersucht wurde die Kennzeichnung auf Marken- ebenso wie Eigenmarkenprodukten. Dosen, Tiefkühlprodukte und Produkte aus der Kühltheke wurden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und die Kennzeichnung fotografiert. In die Auswertung flossen rund 700 Produkte ein.

Was haben wir untersucht?

Greenpeace fordert vom Lebensmitteleinzelhandel und von der Fischindustrie schon seit langem, ihre Produkte vollständig zu kennzeichnen. Verbraucher müssen den Inhalt, die Herkunft und die Fangmethode ebenso wie den Weg eines Produkts genau nachverfolgen können. Nur dann können sie aktiv eine Kaufentscheidung treffen. Auf der Verpackung müssen dafür folgende Angaben zu finden sein:

  • Deutscher und lateinischer Name der Fischart
  • FAO-Fanggebiet bzw. Land der Aquakultur
  • Sub-Fanggebiet bzw. Name der Farm/genaue Ortsangabe
  • Fangmethode bzw. Methode der Aquakultur
  • Code zur vollständigen und transparenten Rückverfolgbarkeit (inkl. Fangtag)

Die komplette Rückverfolgbarkeit ist eine längst fällige Transparenz für den Kunden. Durch den Code kann unter anderem illegale Fischerei sicherer ausgeschlossen werden. Auch der Rückruf der Ware im Falle einer Belastung mit Umweltgiften wird vereinfacht.

Nach der freiwilligen Kennzeichnungsinitiative der Mitglieder des Bundesverbandes der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels e.V. sollten eigentlich die in Deutschland vermarkteten Erzeugnisse der Seefischerei bis spätestens Ende des Jahres 2010 vollständig gekennzeichnet sein.

Vollständige Kennzeichnung orientiert sich diesem Fall an den gesetzlichen Vorgaben der europäischen Verordnung (EG) Nr. 2065/2001, enthält aber zusätzlich die genauere, freiwillige Kennzeichnung des Sub-Fanggebietes. Die Angabe der Fangmethode ist nicht Teil dieser Initiative. Die Initiative umfasst gegenüber der Fischetikettierungsverordnung auch Fischereierzeugnisse, die in irgendeiner Weise verarbeitet wurden, zum Beispiel als Fischkonserven, Marinaden und Tiefkühlerzeugnisse gekennzeichnet werden.

Festzustellen ist: Auch ein gutes halbes Jahr später hat diese freiwillige Regelung ihr Ziel bei weitem noch nicht erreicht.

Zusammenfassung der Testergebnisse

  • Fast 40 Prozent der untersuchten Produkte sind schlecht gekennzeichnet, das heißt bei diesen Produkten fehlen zwei bis drei essentielle Informationen, zum Beispiel das Fanggebiet, Sub-Fanggebiet oder die Fangmethode.
  • Noch immer sind bei fast zehn Prozent der Produkte nur der deutsche und lateinische Name oder nur lateinischer bzw. deutscher Name vorhanden - ohne jede weitere Information.
  • Nur rund 30 Prozent der untersuchten Produkte zeigen eine gute Kennzeichnung, d.h. folgende Angaben waren auf der Verpackung zu finden: Deutscher und lateinische Name, FAO-Fanggebiet bzw. Land der Farm, Sub-Fanggebiet bzw. Name der Farm/genauere Ortsangabe und Fangmethode bzw. Methode der Aquakultur.
  • Nur rund 5 Prozent der Produkte haben einen transparenten Rückverfolgbarkeitscode, der es dem Kunden möglich macht, die genaue Lieferkette nachzuvollziehen und damit eine sehr gute, also vollständige Kennzeichnung.
  • Eigenmarkenprodukte der Unternehmen sind überwiegend besser gekennzeichnet als Markenprodukte. Die Auswertung der einzelnen Lebensmittel-Einzelhandelsunternehmen zeigt jedoch, dass dies nicht für alle Unternehmen zutrifft. So sind zum Beispiel bei Edeka und Real die Eigenmarken schlechter gekennzeichnet als die Markenprodukte.
  • Produkte aus Wildfang sind überwiegend besser gekennzeichnet als Produkte aus Aquakultur. Bei Letzteren fehlen meistens die Angaben zur Methode der Aquakultur und der Name/Ort der Aquakultur-Farm.
  • Zwischen Dosen-, Tiefkühl- und Kühlthekenprodukten lassen sich keine deutlichen Unterschiede bezüglich der Kennzeichnung finden.

Fazit

Dieser Test zeigt klar die Notwendigkeit eines konsequenten Engagements seitens des Lebensmitteleinzelhandels, aber vor allem auch der Fischindustrie, den Markenherstellern, sagt Iris Menn, Meeresexpertin von Greenpeace. Die Anzahl der schlecht gekennzeichneten Produkte ist viel zu hoch. Es ist unfassbar, dass noch immer Produkte in den Regalen sind, die keinen lateinischen Namen auf der Verpackung tragen oder auf denen das Fanggebiet fehlt. Dies sollte fünf Jahre nach unserem ersten Supermarktranking nicht mehr der Fall sein.

In unserer Bildergalerie zeigen wir positive und negative Beispiele aus unserem Test.

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