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Japans Walfangmaschinerie läuft wie geschmiert

Walfang ist in Japan ein heißes Eisen, nur wissen das die wenigsten Japaner. Zwei, die es wissen und den Mut hatten, das Eisen anzupacken, sind die Greenpeacer Junichi Sato und Toru Suzuki. Sie stehen dafür vor Gericht. Die Anklage lautet auf Diebstahl und Hausfriedensbruch. Das angebliche Diebesgut gehört zu den Beweismitteln für einen Skandal, der offensichtlich nicht publik werden soll.

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Junichi und Toru haben der Staatsanwaltschaft im Mai 2008 einen Karton mit Walfleisch übergeben. Er gehörte einem Besatzungsmitglied der Walfangflotte, war von Bord geschmuggelt worden und lagerte nun im Depot eines Lieferservices. Von einem Insider hatten die beiden Greenpeacer zuvor den Hinweis erhalten, dass Crewmitglieder seit Jahren beim Schlachten der Wale illegal Fleisch abzweigen, an Land schmuggeln und gewinnbringend verkaufen.

Wale zu töten ist seit 1986 verboten. Damals trat das Walfangmoratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Kraft. Auch der Handel mit dem Fleisch ist konsequenterweise verboten. Doch die IWC hat den Nationen ein Schlupfloch gelassen: den wissenschaftlichen Walfang. Die Quote bestimmen die Länder selber. Die Kommission hat keine Grenze gesetzt. Das Fleisch, das nach den Untersuchungen übrig bleibt, darf von staatlichen Läden ganz legal verkauft werden.

Japan nutzt diese Lücke. Jedes Jahr sterben im antarktischen Walschutzgebiet rund tausend Wale durch die Harpunen der japanischen Jäger. Im Nordpazifik sind es etwa 250 Tiere. Das Fleisch wandert in die Lagerhäuser und von dort in die staatlichen Läden, die über das ganze Land verteilt sind. Ein Rest geht an die Besatzung der Walfangflotte - als kleine Entschädigung für die harten, entbehrungsreichen Monate auf See.

So weit die offizielle Lesart der Geschichte. Sie wirft viele Fragen auf. Zum Beispiel diese: Wenn es überall in Japan ganz legal Walfleisch zu kaufen gibt, wie konnte sich dann ein lukrativer Schwarzmarkt für eben dieses Walfleisch entwickeln?

Was in den staatlichen Läden verkauft wird, ist tiefgefrorenes Muskelfleisch oder Walfleisch in Dosen, erklärt Meeresbiologe Thilo Maack. Die überwiegende Mehrheit der Japaner isst dieses Fleisch nicht, der Staat bleibt darauf sitzen. Die japanische Regierung behauptet, der Verzehr von Walfleisch gehöre zur Kultur des Landes. Doch die Lager sind voll mit tausenden Tonnen Fleisch, das keiner will.

Die eigentliche Delikatesse, sagt der Greenpeace-Biologe, komme nie in die Kühlhäuser und Geschäfte: der begehrte Walschinken. Dieses Fleisch mit einem hohen Fettanteil, der aus den Kehlfurchen der Wale besteht, ist für eine betuchte Minderheit gedacht. Es wird sofort nach dem Schlachten des Wals eingesalzen und verpackt, landet dann bei den Crewmitgliedern und später auf dem schwarzen Markt. Nicht weil der Matrose, der Smutje, der Koch, der Harpunier ihre Firma betrügen wollen, sondern weil die Firma es so will. Es ist ein Deal und alle Beteiligten profitieren.

Die Maschinerie des angeblich wissenschaftlichen Walfangs wird am Laufen gehalten, damit eine kleine einflussreiche Oberschicht ihren kulinarischen Gelüsten frönen kann. Für ein paar unverbesserliche Walschinkenesser finanzieren die japanischen Steuerzahler ein Verlustgeschäft; schlachten die Jäger die Wale ab; riskiert Japan sein Gesicht vor der Welt. Darum auch forschen die Japaner überwiegend im antarktischen Schutzgebiet. Dort ist das Fleisch weit weniger mit Chemikalien und Schwermetallen verseucht als im Nordpazifik. Wer gut zahlt, will Qualität.

Diesen Skandal haben Junichi und Toru aufgedeckt und den Beweis gleich mitgeliefert. Mit dem Verfahren gegen die beiden Greenpeacer verstößt Japan nun auch noch gegen die Menschenrechte. Den beiden Walschützern drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis, während die anfänglichen Ermittlungen gegen die Schmuggler längst eingestellt sind.

Zum Weiterlesen:

Walfänger sagt vor Gericht für Greenpeacer aus
Prozessauftakt in Japan
Druck auf Japans Regierung wächst

 

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