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Fischerei mit weniger Nebenwirkungen

Weil sie ungewollte Beifänge nicht anlanden dürfen, werfen Europas Fischer einen Großteil des Fangs tot oder sterbend zurück ins Meer. Wie das Greenpeace Magazin in seiner neuesten Ausgabe berichtet, will nun die EU-Kommission gegensteuern - doch ihre Pläne sind zu mutlos.

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Maria Damanaki ist eine kämpferische Frau. Im Griechenland der 70er-Jahre protestierte sie gegen die Militärdiktatur, wurde verhaftet und gefoltert. Inzwischen ist sie EU-Fischereikommissarin und hat sich zum Ziel gesetzt, den Kollaps in Europas Meeren abzuwenden. Mit dramatischen Appellen wirbt sie für die anstehende Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik.

75 Prozent der EU-Fischbestände sind überfischt, ein Drittel ist in besorgniserregendem Zustand, erklärte sie bei der Präsentation ihrer Pläne. Wenn wir unsere Art zu Wirtschaften nicht grundsätzlich ändern, verlieren wir einen Bestand nach dem anderen. Ich will diesen Teufelskreis durchbrechen.

Bisher handeln die Fischereiminister der Mitgliedsstaaten Jahr für Jahr neue Fangmengen aus. Traditionell verfolgen sie dabei, mit den Lobbys im Nacken, kurzfristige und eigennützige Ziele - und einigen sich auf Quoten, die zu weiterer Überfischung führen. Damanakis Plan sieht nun vor, diesen Basar durch fachlich fundierte Managementpläne zu ersetzen. Bis 2015 sollen alle Bestände so befischt werden, dass sie den maximalen nachhaltigen Ertrag abwerfen.

Zudem plant die Kommissarin neue Regeln für den Umgang mit Beifängen. Denn bisher müssen EU- Fischer zu kleine Exemplare und Fische der falschen Art als Discard (Ausschuss) über Bord schaufeln, was kaum ein Tier überlebt. Die umstrittene Praxis soll nun um 180 Grad gedreht werden: Künftig müssen die Fischer den ganzen Fang anlanden, auch der Beifang wird auf ihre Quote angerechnet. In Ländern wie Norwegen, wo ein solches Anlandegebot längst gilt, ist die Beifangmenge stark gesunken. Der Grund: Ein Fischer, der möglichst viel von der eigentlichen Zielart anlanden will, tut alles dafür, Beifänge zu minimieren - mit selektiveren Netzen, größeren Maschenweiten oder einer besseren Wahl des Fanggebiets.

Ob Damanaki Erfolg hat, ist aber fraglich. Ihr Plan, der wohl noch verwässert wird, enthält bereits weitreichende Zugeständnisse. Greenpeace kritisiert etwa, dass keine verpflichtenden Schritte zur Verkleinerung der Fangflotten vorgesehen sind und beim Discardverbot großzügige Übergangsfristen gelten sollen. Unklar ist zudem, was mit dem angelandeten Beifang passiert. Einen Erfolg haben die Umweltschützer gerade im Kampf gegen eine zerstörerische Thunfisch-Fangmethode im Pazifik errungen. Bisher werden dort oft sogenannte Fischsammler eingesetzt, künstliche Plattformen, von denen sich die Thunfische instinktiv angezogen fühlen. Doch auch Haie, Schildkröten und andere Meerestiere werden angelockt, und wenn die Fischer ihre ringförmigen Netze zuziehen, kommt auf neun Kilo Thun im Schnitt ein Kilo Beifang. Nun haben in England, einem der Hauptabnehmer, die großen Thunfischfirmen und Supermärkte beschlossen, so gefangenen Fisch zu verbannen. Daran muss sich der deutsche Markt ein Beispiel nehmen, fordert Greenpeace-Fischereiexpertin Iris Menn.

Alternativen gibt es: Beim Thunfischfang mit Ruten und Leinen (Bildergalerie) fällt wenig Beifang an. Und wenn doch mal der falsche Fisch anbeißt, hat er gute Chancen, sein Missgeschick zu überleben.

Quelle: Greeenpeace Magazin, Autor: Wolfgang Hassenstein

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