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Fisch im Ausverkauf

Den ersten Schritt in Sachen Nachhaltigkeit im Fischsortiment haben deutsche Supermärkte und Discounter bereits getan. Jetzt geht es darum, die guten Vorsätze zu verwirklichen - so das Ergebnis einer aktuellen bundesweiten Recherche. Elf Unternehmen nahm Greenpeace unter die Lupe - und entdeckte bei allen elf kritische Fischprodukte in den Regalen. Auch sind die Produkte oft noch unzureichend gekennzeichnet: die Angabe des genauen Fanggebietes oder der Fangmethode fehlt. So hat der Kunde oft nicht die Chance auf die richtige Wahl!

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Seit vier Jahren prüft Greenpeace den Fischeinkauf des deutschen Lebensmittelhandels. Die Forderungen sind klar: In einer nachhaltigen Fischeinkaufspolitik sollen die Unternehmen unter anderem Grundsätze für Einkauf, Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung festschreiben, sowie Ziele und Zeitpläne definieren.

Wir haben in den letzten vier Jahren ohne Zweifel viel erreicht, aber der Zustand der weltweiten Fischbestände erfordert weitere und vor allem konsequentere Maßnahmen, sagt Dr. Iris Menn von Greenpeace. Mit dem Erstellen einer Einkaufspolitik haben die Unternehmen den ersten wichtigen Schritt getan. Den Fischbeständen draußen in den Meeren hilft es jedoch nur, wenn diese auch konsequent umgesetzt und stetig verbessert wird.

Selbst aktiv sein!

Dazu sucht Greenepace regelmäßig das Gespräch mit Unternehmen. Und veröffentlichte im Dezember 2007 erstmals ein Ranking. Bewertet werden darin die einzelnen Unternehmen in Bezug auf ihren Fischeinkauf. Das nächste Ranking wird es Ende dieses Jahres geben. Für Konsumenten veröffentlicht Greenpeace seit 2008 den Ratgeber Fisch - beliebt, aber bedroht.

Denn auch jeder einzelne kann sich aktiv für den Schutz der Fischbestände einsetzen. Und zwar durch bewussteren Konsum: Lieber seltener und dafür zu unkritischen Produkten greifen. So kann der Kunde dem Lebensmittelhandel ganz klar zeigen, dass er nachhaltige Fischprodukte mit einer vollständigen Kennzeichnung in den Regalen wünscht.

Überlegtes Einkaufen ist also dringend nötig! Aufgrund der Überfischung der Meere sind heute 17 Mal mehr Energie und Ressourcen nötig sind, um einen Fisch zu fangen, als noch im 19. Jahrhundert. Für Heilbutt ist der Aufwand sogar 500 Mal höher, für Schellfisch 100 Mal und für Scholle, Languste, Seehecht und Leng 20 Mal. Die Fischer fuhren damals noch mit Segelbooten hinaus und machten trotzdem einen größeren Fang, als die heutigen hoch-technologisierten Fangflotten.

Als nachhaltige Fischerei gilt für Greenpeace grundsätzlich: Sie hält den Bestand der Zielart auf einem gesunden Niveau, ohne andere Arten des Ökosystems negativ zu beeinflussen. Andere Arten werden weder getötet noch wird ihre Nahrungsquelle oder ihr Lebensraum zerstört.

 

Zum Weiterlesen:

Keine Hoffung für den Blauflossen-Thunfisch?
Supermarktranking Fisch 2009: Weitere Fortschritte

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