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Erfolg: Senegal zieht Konsequenzen aus der Fischereikrise

Gut ein Jahr ist das Greenpeace-Büro im Senegal alt und hat schon einen großartigen Erfolg zu verzeichnen: Der senegalesische Fischereiminister hat etliche Lizenzen für ausländische Industrietrawler zurückgezogen - eine Maßnahme, die seinen europäischen Kollegen zu denken geben sollte.

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Greenpeace fordert die Rücknahme seit eineinhalb Jahren. Diese Lizenzen sind eine unmittelbare Gefahr für Einkommen und Ernährung von Millionen Senegalesen, die seit Jahrhunderten von der Fischerei abhängen, sagt der Greenpeace-Meeresexperte Raoul Monsembula.

Mit ihm freut sich nun besonders die Greenpeace-Meeresbiologin Iris Menn. Im Februar 2011 war sie zum ersten Mal vor Ort, um in der Hauptstadt Dakar beim Aufbau des Greenpeace-Büros zu helfen. Die Fischerei-Kampagne ist die erste Kampagne der jungen Greenpeace-Niederlassung.

Die Entscheidung des vor wenigen Wochen neu gewählten Präsidenten Macky Sall ist ein Anfang. Weitere Schritte müssen folgen: die Lizenzen müssen gänzlich ausgesetzt, ein nachhaltiges Fischereimanagement eingeführt werden.

Traditionelle Fischerei ohne Chance

Westafrikas fischreiche Küstengewässer sind traditionell eine der wichtigsten Nahrungsquellen für die Menschen dieser Region. Doch seit Jahren fangen die einheimischen Fischer immer weniger Fisch. Große ausländische Industrietrawler fischen ab, was das Meer hergibt.

Hightech-Fischereischiffe aus Russland, Asien und Europa fangen und verarbeiten an einem einzigen Tag bis zu 250 Tonnen Fisch. Dafür müssen 56 traditionelle westafrikanische Fischerboote ein Jahr lang hinausfahren. Die Bestände sind durch die fremden Flotten mittlerweile drastisch überfischt.

Vor der senegalesischen Küste sind es vor allem Schiffe aus Russland und Litauen, die den Einheimischen den Fisch wegfangen. Zum Teil illegal, zum Teil aber auch legal - die westafrikanischen Regierungen vergeben Lizenzen, um ihre Staatseinnahmen zu erhöhen.

Die Verantwortlichen sitzen auch in der EU

Doch auch europäische Industrieschiffe sind regelmäßig vor Westafrika unterwegs, vor allem in mauretanischen Gewässern. Europas Länder haben ihre eigenen Meere längst ausgebeutet, jetzt holen sie aus fremden Gewässern heraus, was nur irgend abzufischen ist. Greenpeace war im Frühjahr 2012 mit der Arctic Sunrise vor Ort, um die Schiffe zu beobachten und ihr Treiben zu dokumentieren. Greenpeace-Aktivisten protestierten wiederholt gegen die Mega-Trawler.

Die Europäische Union arbeitet derzeit an einer Reform ihrer Gemeinsamen Fischereipolitik. Am 27. April trafen sich die Fischereiminister in Luxemburg, konnten sich aber nicht zu einer Reduzierung der überdimensionierten Fangflotten durchringen. In derselben Woche war die EU gezwungen, ihre Trawler vorzeitig aus den mauretanischen Gewässern wegzubeordern: Die Fischereigiganten hatten schon Monate vor dem Ende der Saison ihre Quote ausgeschöpft.

Weil Fabrikschiffe unter fremder Flagge den Afrikanern den Fisch vom Teller wegfischen, hat Senegal jetzt die Notbremse gezogen, sagt Iris Menn. Ilse Aigner hingegen verschläft dieses Problem immer noch. Es wird höchste Zeit, dass Aigner aufwacht und sich in Brüssel für eine deutliche Reduktion der europäischen Fangflotte einsetzt.

Zum Weiterlesen:

Bojen am Netz unterbrechen Trawler-Beutezug

Sieben plündernde Trawler gebrandmarkt

Protest gegen deutschen Trawler vor Mauretanien

Greenpeace gegen Überfischung unterwegs im Senegal

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