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Engagement gegen das Thunfisch-Massaker

Seit Tagen versuchen Greenpeace-Aktivisten von Bord der Arctic Sunrise aus den bedrohten Blauflossenthunfisch im Mittelmeer zu schützen. Dort werden die bedrohten Fische gefangen und anschließend in riesigen Transportkäfigen gemästet. Für die Fischindustrie ein Millionengeschäft - für den Thunfisch das baldige Aus im Mittelmeer. Bei ihren Aktionen sind die Greenpeace-Aktivisten zunehmend gewalttätigen Reaktionen der Fischer ausgesetzt. Mit an Bord ist Tom Knappe aus Deutschland. Als Schlauchbootfahrer und Taucher setzt er sich für den Schutz der Meere ein und berichtet im Interview von der Aktion.

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Greenpeace-Online: Tom, du bist seit Sonntag auf dem Schiff, zwei Tage, nachdem die erste Meeresschutzaktion aufgrund der gewalttätigen Reaktion der Fischer abgebrochen werden musste. Wie ist euer zweiter Versuch am 7. Juni verlaufen?

Tom Knappe: Am Montag haben wir mit mehreren Schlauchbooten eine zweite Aktion vor Malta gestartet, um Thunfische aus einem Transportkäfig zu befreien. Seit der ersten Aktion ist uns allerdings klar, dass die Fischer äußerst aggressiv sind. Man merkt, dass sie nichts zu verlieren haben und es um sehr viel Geld geht. Es wäre am Montag zu gefährlich gewesen, ein Banner zu hissen. Die Fischer sind mit dem Boot auf uns zugerast. Wären wir nicht ausgewichen, hätte es gekracht.

Greenpeace-Online: Wie schützen sich die Greenpeace-Aktivisten auf dem offenen Meer?

Tom Knappe: Wir versuchen die Gratwanderung zwischen einer erfolgreichen Aktion und der Sicherheitsgarantie für die Aktivisten. Die Fischer hantieren teilweise mit Messern. Für sie geht es um den Fangertrag einer ganzen Saison.

Greenpeace-Online: Die Fischer handeln im Zeitraum der offiziellen Fangsaison ja nicht illegal. Ähnlich war es in den 1980er Jahren bei der Greenpeace-Aktion in der Nordsee gegen die gesetzlich genehmigte Dünnsäureverkappung. Kannst du die Wut der Fischer verstehen?

Tom Knappe: Ich kann das persönlich nachvollziehen, aus Sicht der Fischer bedrohen unsere Aktionen ihre Existenz. Was wir hier befreien, ist ein Käfig voller Thunfisch, dessen Wert zwischen zwei und drei Millionen Dollar liegt. Das Jobargument wird immer gebracht, aber wir erwarten von den Fischern ein ganzheitliches Denken. Es ist etwas anderes, wenn man zuschaut, wie eine ganze Art mit offizieller Erlaubnis der EU ausgerottet wird. Das wird beim Blauflossenthun in sehr absehbarer Zeit der Fall sein. Schuld haben hier die Politiker in Rom, Paris, Madrid und Brüssel. Man hat von Seiten der Politik, speziell der EU, nicht frühzeitig reagiert, um die Ressource Thunfisch schlauer einzuteilen.

Greenpeace-Online: Viele Leute denken, der Thunfisch sei gezüchtet und es sei deshalb gegen den Verzehr nichts einzuwenden.

Tom Knappe: Nein, der Thunfisch wird freilebend mit gigantischen Netzen gefangen, die dann zusammengezogen werden, um die Fische in einen Transportkäfig zu überführen. Die Schlepper fangen junge Thunfische, die noch nicht verkaufsfähig sind, und mästen sie dann mit anderem Fisch. Aus sechs Kilo Futterfisch wird so ein Kilo Thunfisch. Die Ökobilanz ist verheerend, weil extrem viel Fisch gefangen wird, damit aus dem kleinen ein großer Fisch wird.

Greenpeace-Online: Was fordert ihr?

Tom Knappe: Wir fordern von der EU ganz klar ein sofortiges Fangverbot. Im letzten Sommer stand die EU ja kurz vor einer Entscheidung, die unter anderem am Widerstand Frankreichs gescheitert ist. Die Europäische Politik muss endlich sagen: Hier ist der Punkt erreicht, wo wir dringend ein Handelsverbot aussprechen müssen, damit sich die Fischbestände wieder entwickeln können.

Das Interview führte Björn Jettka

 

Zum Weiterlesen:

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