Berge voller Leben: Greenpeace unterwegs in der Tasmanischen See

Die Erforschung des Kaltwasserkorallenriffs Mingulay vor Schottland im Mai 2005 durch Greenpeace in Zusammenarbeit mit Forschern der Scottish Association for Marine Science (SAMS) zeigte einmal mehr, wie reich das Leben in der Tiefe der Meere ist. Diese als Riffe bezeichneten Strukturen weisen eine ähnliche Artenfülle auf wie beispielsweise das subtropische Great Barrier Riff vor Australien.
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Daneben stellen so genannte Seeberge (Seamounts) die anderen Oasen der Tiefsee dar. Es existieren nach Schätzungen um die 100 000 solcher Seeberge rund um den Globus, oft mehrere tausend Meter hoch, die die Wasseroberfläche nicht durchstoßen. Ihre Artenvielfalt ist enorm. In einem Gebiet halb so groß wie ein Tennisplatz wurden etwa 900 Arten entdeckt. An den Hängen befinden sich Laich- und Aufzuchtsgebiete vieler Fischarten. Andere suchen nur Rast oder verbergen sich vor Feinden.

Im Anschluss an die Tour vor Schottland fuhr Greenpeace mit seinem Flaggschiff Rainbow Warrior II in die Tasmanische See. Dort sollte die Zerstörung der fragilen und hoch produktiven Seeberge dokumentiert und der Forderung nach einem Sofortverbot (Moratorium) für die Grundschleppnetzfischerei auf der hohen See vehement Ausdruck verliehen werden.

In der Tasmanischen See operieren vor allem australische und neuseeländische Fischer mit Grundschleppnetzen. Diese Fischereimethode ist weltweit eine der zerstörerischsten: Die Menge an so genanntem Beifang ist enorm hoch und jeder einzelne Fang fügt der Meeresumwelt irreversiblen Schaden zu.

Allein im ersten Jahr des Fischfangs auf Granatbarsch vor Neuseeland wurde der Beifang von 1,6 Tonnen Korallen pro Stunde dokumentiert. Dies sind hoch gerechnet über 10 000 Tonnen in einem Jahr! Circa 85 Prozent der Seeberge in neuseeländischen Gewässern sind inzwischen befischt worden. Über dem Challenger Plateau östlich von Taranaki ist der Korallenbestand einiger Berge bereits um 97 Prozent reduziert worden. Und nur noch drei Prozent des ursprünglichen Granatbarschbestandes ist übrig geblieben.

Bereits im Sommer des Jahres zuvor hatte Greenpeace die Behauptung der Fischindustrie Grundschleppnetze würden den Meeresboden nicht berühren widerlegt. Seltene Korallen und Bodenfischarten konnten als Beifang der Trawler dokumentiert werden.

Die diesjährige Tour begann an demselben Tag von dem Hafen in Auckland, in dem vor 20 Jahren die Rainbow Warrior I vom französischen Geheimdienst gesprengt wurde. Doch Greenpeace ist weiter als Anwalt der Natur unterwegs. Während der Tour wurden Grundschleppnetzfischer wie die neuseeländische Ocean Reward oder Tasman Viking dazu gebracht, ihre Netze ohne Beute wieder einzuholen. Greenpeace Aktivisten verschlossen mit Kabeln die Luken für die Netze am Heck und brachten Transparente mit der Aufschrift Stoppt die Tiefseezerstörung (End Deep Sea Destruction) an. Mit Schlauchbooten manövrierten sie hinter das Heck, so dass die Netze nicht ausgebracht werden konnten. Die Fischer reagierten ganz und gar nicht erfreut. Kartoffeln wurden in Hochdruckschläuche gestopft und auf die Aktivisten abgefeuert. Verletzt wurde niemand.

An einigen Tagen hatte Greenpeace ein kleines Flugzeug zur Verfügung, mit dem es gelang die Fischerboote zu orten und zu identifizieren. Während die Rainbow Warrior II sich auf See für den Schutz der Tiefsee einsetzte wurde in New York beim Treffen der United Nations Informal Consultative Process on Oceans and the Law of the Sea (UNICPOLOS) das Thema politisch diskutiert. Greenpeace konnte mit aktuellen Bildern, die direkt vor Ort des Geschehens entstanden, die Wichtigkeit dieser Angelegenheit den einzelnen Nationen ins Bewusstsein rufen. Ein trauriger Höhepunkt im Sinne der Beweisführung der Zerstörung war die Dokumentation einer baumgroßen uralten roten Koralle als Beifang im Netz des neuseeländischen Trawlers Waipori.

Als das Schiff am 17. Juni in Nelson die Ausfahrt beendete, erwartete die Crew ein gemischter Empfang. Von vielen Einheimischen wurde sie mit Umarmungen begrüßt. Die Besatzung der Tasman Viking, einer der Fischerboote die Greenpeace zuvor auf See getroffen hatte und die in Nelson vor Anker lag, begrüßte die Crew der Rainbow Warrior II mit blanken Gesäßen.

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