Auslistungen von Fischprodukten und Kaufverzicht: ein Mittel gegen Überfischung

Die Umsetzung einer nachhaltigen Einkaufspolitik für Fisch und Meeresfrüchte hat in den vergangenen Jahren immer wieder zu Auslistungen von Fischprodukten im Lebensmitteleinzelhandel geführt und gleichzeitig Veränderungen bei einigen Fischereien in Richtungen Nachhaltigkeit initiiert. Dazu gehören zum Beispiel Veränderungen in der Thunfisch-, Schollen- oder Krabbenfischerei.
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Bedenklich ist, dass das bundeseigene Institut des Ministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz, das nicht nur das Ministerium, sondern auch den Bundesverband der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels e.V. und zahlreiche deutsche Lebensmittelunternehmen berät, in einem aktuellen Beitrag der Süddeutschen Zeitung vom 21. Juli 2011 das Auslisten von Fischarten und den Konsumverzicht nicht als Mittel gegen Überfischung sieht.

Wie - wenn nicht durch das Auslisten von nicht-nachhaltigen Fischprodukten - soll der Lebensmitteleinzelhandel seine Fisch-Einkaufspolitik konsequent umsetzen? Der deutsche Handel hat in den vergangenen vier Jahren viel erreicht. Alle elf von Greenpeace bewerten Unternehmen haben mittlerweile eine Einkaufspolitik für Fisch und Meeresfrüchte und mit ihrer Umsetzung begonnen. Diese spiegelt sich in einer Veränderung des Sortimentes, in der Kennzeichnung der Produkte und auch in der Transparenz der Unternehmen zu ihrem Fischeinkauf wieder. Es sind richtige und notwendige Schritte, wenn wir langfristig Fisch in den Supermarktregalen und -kühltheken haben möchten.

Veränderungen in Deutschland haben nicht 1:1 einen sofortigen Effekt auf dem Weltmarkt, aber der Rote Thunfisch, der vom deutschen Markt verschwunden ist, ist ein richtiger Schritt, denn er gehört nicht in ein nachhaltiges Fischsortiment - unabhängig davon, ob die Auslistung einen sofortigen Durchschlag auf dem Weltmarkt hat. Und schaut man sich den Weltmarkt genau an, zeigen sich ähnliche Veränderungen in anderen großen Fischkonsumländern wie England, Holland, Frankreich oder den USA und Kanada.

Der Fischmarkt ist ein internationaler Markt. Rund 80 Prozent der Fischprodukte bei uns auf dem deutschen Markt werden mittlerweile importiert. Deshalb arbeitet Greenpeace international in über zehn Ländern mit dem Lebensmittelhandel und der Fischindustrie und setzt sich in Regionalen Fischereimanagement Organisationen oder der Europäischen Union für eine nachhaltige Fischerei ein. Den wachsenden Einfluss der asiatischen Länder im Blick hat Greenpeace im letzten Jahr in Japan eine Kampagne zum Fischkonsum gestartet, in Taiwan ein Büro eröffnet und wird in Kürze die Arbeit in China und Süd Korea aufnehmen.

Nicht zuletzt geht um mehr als um die Überfischung der Bestände: es geht um eine nachhaltige Fischerei, in der die Auswirkungen der Fischerei auf das gesamte Ökosystem ebenso wie auf den Fischbestand mit einbezogen wird.

Die Situation der weltweiten Fischbestände erlaubt uns ein Denken und Handeln nach dem Motto wir handeln nicht so lange der andere auch nicht handelt, wir alleine können ja nichts verändern längst nicht mehr, auch wenn diese Einstellung und Argumentation in Politik und Industrie beliebt ist. Wo wäre die Umweltbewegung oder so manche Revolution und politische Veränderungen stecken geblieben, wenn dieses Denken und Nicht-Handeln dominieren würde und es keine Vorreiter des Guten gäbe?

Wir können den deutschen Lebensmitteleinzelhandel daher nur weiter ermutigen, ihre erstellten Einkaufspolitiken für Fisch und Meeresfrüchte stetig zu verbessern und konsequent umzusetzen.

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