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Fang frei in der Tiefsee!

Die EU Fischerei-Minister haben sich am Dienstag darauf geeinigt, dass die neuen Mitgliedsstaaten Fische in der Tiefsee fangen dürfen. Exotische - aber gefährdete - Arten werden damit für die Fischer zu einer Alternative zu Kabeljau und Seehecht. Die Probleme in der Fischerei werden verschoben aber nicht gelöst.

Da sie ihre Fischgründe leergefischt haben, werfen die Fischer aus Polen, Estland, Lettland und Litauen zukünftig ihre Netze in 400 Metern Tiefe aus. Dabei warnen Wissenschaftler schon lange, dass immer mehr Fischbestände vom Aussterben bedroht sind und einige vor dem Zusammenbruch stehen. Besonders kritisch ist die Situation in den europäischen Gewässern. Im nord-östlichen Atlantik sind bereits zwei Drittel der wichtigsten Speisefischbestände akut bedroht.

Mit der Entscheidung wird die Plünderung der Meere fortgesetzt, sagt Svenja Koch, Sprecherin von Greenpeace. Gerade Tiefseefische sind durch Überfischung gefährdet, weil sie langsamer wachsen und später geschlechtsreif werden. Die Einrichtung von Schutzgebieten, wie sie Greenpeace fordert, wird immer drängender. Gerade in einer wachsenden EU.

Eine große Gefahr besteht auch für die Lebewesen die den Fischern unabsichtlich als Beifang ins Netz gehen. Als Beifang werden die Meeresbewohner bezeichnet, die sich zusammen mit der eigentlich befischten Art im Netz verfangen und mit an Bord gezogen werden. Da die Fischer nichts mit ihnen anfangen können oder dürfen, werfen sie die toten oder sterbenden Tiere einfach wieder über Bord.

Wir brauchen eine ökologische Fischerei

Unzählige Meerestiere sind durch die Fischerei bedroht und das Zusammenspiel der Arten im Meer wird geschwächt. Zwar können sich überfischte Bestände erholen, aber die Zeit drängt: Nur schnelle und drastische Reformen - auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene - können eine bleibende Schädigung der Meere verhindern und die Fischerei aus der Krise führen.

Die Greenpeace-Prinzipien für eine ökologische Fischerei weisen einen Weg aus der weltweiten Fischereikrise. Sie basieren auf dem Vorsorgeansatz: Es geht darum, Meeresbelastungen zu vermeiden und Schäden nicht einfach nur notdürftig zu reparieren. Die Meere sollen auch in Zukunft als Nahrungsquelle für den Menschen dienen und als artenreicher Lebensraum fortbestehen.

Teil der Lösung: Meeres-Schutzgebiete

Um die Ozeane und seine Bewohner auf unserem Planeten zu bewahren, sind Meeres-Schutzgebiete notwendig. Sie sind eine Möglichkeit die Vielfalt zu bewahren und die Pflanzen- und Tierbestände zu regenerieren. Um den Ozeanen eine Chance zu geben, ist ihre ökologisch nachhaltige und sozial verantwortliche Nutzung unerlässlich. Das hilft auch den Fischern. (ang/bes)

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