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Erwischt: EU-Tunfischfänger ignorieren gesetzliche Vorgaben

Aktivisten an Bord der Rainbow Warrior im Mittelmeer haben am Donnerstag mehrere Schiffe beim illegalen Fischen beobachtet. Seit Mittwoch ist eine Neuregelung des Internationalen Abkommens für den Erhalt des atlantischen Tunfisches (ICCAT) in Kraft, die am Montag ins EU-Recht aufgenommen worden ist. Doch dieser Aspekt schien die Fischer bei ihrem verbotenen Treiben wenig zu interessieren.

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Die Greenpeacer dokumentierten drei italienische Schiffe, die mit der umstrittenen Ringwaden-Fangmethode arbeiteten: die Ligny Primo, die Maria Antonietta und die Luca Maria. Das letztgenannte Schiff hat noch nicht einmal eine Lizenz der ICCAT zum Fang von Blauflossen-Tunfisch. Im ICCAT-Register taucht sein Name nicht auf.

Diese kleine italienische Flotte wurde von vier Aufklärungsflugzeugen begleitet. Sie wurden als drei US-amerikanische und ein italienisches identifiziert. Erst als die Schiffe nach Stunden ihre Fangtätigkeit einstellten, drehten die Flugzeuge ab und verschwanden. Das Aufspüren von Fischschwärmen aus der Luft ist laut ICCAT-Neuregelung strengstens verboten.

Seit wir vor einem Monat in dieser Region unsere Beobachtungen begannen, haben wir hier regelmäßig diese Aufklärungsflugzeuge gesichtet, sagt Sebastián Losada, Meeresexperte von Greenpeace Spanien an Bord der Rainbow Warrior. Schiffe aus der EU sind die Hauptakteure, wenn es um den illegalen Fang von Blauflossentunfisch im Mittelmeer geht. Wenn die europäischen Länder nicht in der Lage sind, diese Schiffe zu überwachen, sollten sie sie sofort in die Häfen zurück beordern.

Wissenschaftlich empfohlene Fangquote wurde ignoriert

Der Fang von Blauflossen-Tunfisch gilt weltweit als die Fischerei mit dem höchsten Anteil an illegalem Treiben. So wurden in den vergangenen Jahren rund 50.000 Tonnen des Tunfisches jedes Jahr aus dem Meer gezogen. Obwohl die offizielle Fangquote dafür bis letztes Jahr nur 32.000 Tonnen vorsah.

Auch der Einsatz von sogenannten Fisch-Wäschern ist in der Region gang und gäbe. Es handelt sich dabei um Transportschiffe, die den illegalen Fang übernehmen und an Land bringen. So lässt sich die eigentliche Herkunft verschleiern und die Rückverfolgbarkeit erheblich erschweren. Ein Überschreiten der Fangquoten ist so kaum nachzuweisen.

Der am Mittwoch in Kraft getretene Erholungsplan des ICCAT für den Blauflossen-Tunfisch sieht für dieses Jahr eine Quote von 29.500 Tonnen vor. Eine fragwürdige Festlegung, wenn man berücksichtigt, dass die Wissenschaftler des ICCAT eine maximale Quote von 15.000 Tonnen notwendig erachteten, damit sich die Bestände erholen können. Doch sie fanden kein Gehör bei den ICCAT-Mitgliedsstaaten.

Der ICCAT-Plan verdient einfach nicht den Namen Erholungsplan, sagt Losada. Die von den Wissenschaftlern gerade noch akzeptierte Menge von 15.000 Tonnen dürfte jetzt schon erreicht sein. Bis zum Ende des Jahres dürfte demnach kein einziger Blauflossen-Tunfisch mehr gefangen werden.

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