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Erfolge für die Meere: Expedition SOS Weltmeer

Es war ein aufregendes Jahr für Greenpeace, sagt Meeresexpertin Stefanie Werner. Wir sind um die ganze Welt gefahren, haben Walfänger in der Antarktis, Piratenfischer vor Westafrika und im Pazifik oder auch illegale Treibnetzfischer im Mittelmeer konfrontiert. Wir haben den Menschen gezeigt, was gedankenloser Fischkonsum für unsere Meere bedeutet.

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Im November 2005 startet die aufwendigsten Meeres-Expedition in der Geschichte von Greenpeace. Seit über einem Jahr ist die Esperanza unterwegs und warnt vor den zahlreichen Umweltgefahren für die Weltmeere. Der erste Teil der Reise führt in das Südpolarmeer. Zusammen mit der Mannschaft der Arctic Sunrise setzen sich die Aktivisten gegen die japanischen Walfänger ein. Infolge der massiven Proteste zehntausender Menschen stiegen im April wichtige japanische Firmen aus dem Geschäft mit dem Walfang aus.

Vor Westafrika spürt Greenpeace gemeinsam mit Fischerei-Inspektoren des Staates Guinea und der Umweltrechtsstiftung Environmental Justice Foundation rund 70 illegale Fischfangschiffe auf. Die Schiffe, die aus Italien, China, Korea, Liberia oder Belize kommen, fischen oft ohne Erlaubnis innerhalb der Zwölf-Meilen-Zone vor der Küste. Doch das ist ein Gebiet, das für die Versorgung der lokalen Bevölkerung in einem der ärmsten Länder der Erde von zentraler Bedeutung ist.

Der gestohlene Fisch wird auf See auf Kühlschiffe umgeladen, falsch deklariert und unter anderem über den Hafen Las Palmas auf den Kanaren auf den europäischen Markt gebracht. Greenpeace verfolgt eines dieser Kühlschiffe und stellt es vor Gran Canaria. Aktivisten protestieren sechs Tage auf der Binar 4 gegen die illegalen Praktiken. Dann beschlagnahmen spanische Behörden den verbotenen Fang.

Im Juni wird Greenpeace auch im Mittelmeer aktiv. Mit der Rainbow Warrior finden Aktivisten einen illegalen italienischen Treibnetzfischer und beschlagnahmten mehrere hundert Meter seines Netzes. Seit 1992 ist die Treibnetzfischerei in der EU verboten. Dennoch gehören heute, 14 Jahre später, mehr als 400 Fischerboote zur illegalen Treibnetzflotte im Mittelmeer.

Die nächste Station der Esperanza sind die Philippinen. Nach dem größten Ölunfall in der Geschichte des Landes eilen die Greenpeace-Aktivisten und Aktivistinnen der Bevölkerung mit dringend benötigtem Material zu Hilfe. Gemeinsam bekämpfen sie die klebrige Ölschicht am Strand der philippinischen Insel Guimaras.

Auf der philippinischen Insel Rapu Rapu sucht die australische Firma Lafayette nach Gold, Silber, Kupfer und Zinn. Der Betrieb der Mine startete im April 2005 - und kaum ein halbes Jahr später schwemmte giftiges Zyanid ins Meer. Die Folgen sind ein großes Fischsterben und Hautreizungen bei den Fischern. Gegen die Verseuchung des Meeres protestieren Greenpeace und die Bevölkerung gemeinsam.

Von dort ging es über den Pazifik zu einem gigantischen Müllteppich vor Hawai. Die Crew untersuchte und dokumentierte den Müllstrudel, der mittlerweile die Größe Zentraleuropas erreicht haben soll. Eine einzigartige Ringströmung in dieser Region hat den Müll im Meer über die Jahre konzentriert.

Anschließend besuchten die Greenpeacer den mexikanischen Golf von Kalifornien, der zu zu den artenreichsten Gewässern der Welt gehört. Nun ist die Esperanza auf dem Weg nach Neuseeland. Dort wird sie für ihre letzte SOS-Weltmeer-Etappe ausgerüstet. Mitte Januar schließt sich der Kreis und die Crew macht sich erneut auf den Weg ins Südpolarmeer - gegen die japanischen Walfänger. Wieder mit dabei ist die deutsche Aktivistin und Schlauchbootfahrerin Regine Frerichs.

Obwohl in diesem Jahr Vieles geleistet wurde, fängt die eigentliche Arbeit erst an. Denn das Jahresende hat auch Enttäuschungen gebracht. Island hat das längst überfällige Grundschleppnetzmotarorium auf der Tagung der Vereinten Nationen vereitelt, sagt Werner. So wird die Tiefsee Jahr für Jahr weiter umgepflügt und uralte Kaltwasserkorallenriffe komplett vernichtet. Außerdem hat es die EU versäumt, die Tunfischquoten für das Mittelmeer radikal zu senken. Viele Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass der begehrte Rote Tun spätestens in vier Jahren ausgestorben sein wird.

Die Meere brauchen Schutzgebiete. Deshalb fordert Greenpeace auch ein globales Netzwerk von Schutzgebieten, das mindestens 40 Prozent der Ozeane abdeckt. Wir müssen jetzt handeln, fordert Werner. Wir müssen schauen, woher unser Fisch kommt und wir müssen bei der Politik Verantwortungsbewusstsein einklagen. Das ist ein Appell und eine Bitte, die von Herzen kommt.

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