Einsatz für Meeresschutzgebiete vor der Küste Finnlands

Vom 9. bis zum 25. Juni 2005 war das Greenpeace-Schiff Esperanza entlang der Küste Finnlands unterwegs, um auf die akuten Bedrohungen der Meere aufmerksam zu machen. Die Tour begann in Helsinki im Süden Finnlands und ging über Turku weiter Richtung Norden nach Pori bis Marienhamn. In Zusammenarbeit mit den Fischern vor Ort zeigte Greenpeace, wie eine nachhaltige Küstenfischerei innerhalb der von Greenpeace geforderten Schutzgebiete funktionieren kann.
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Die Ostsee ist eines der am stärksten durch Verschmutzung und Überfischung betroffenen Meere weltweit. Das marine Ökosystem entlang der finnischen Küste leidet insbesondere durch Überdüngung, Sand- und Kiesabbau und die Verklappung von toxischen Sedimenten.

Der Grad an Eutrophierung in einigen Gebieten führte in der Vergangenheit bereits zur Zerstörung wichtiger Fisch-Laichgründe. Dennoch erteilen die Umweltbehörden in Finnland weiterhin die Erlaubnis für neue Fischfarmen, die an der Küste lokal bis zu 70% der Überdüngung durch Nährstoffe bewirken können.

Ein anderes Problem liegt in der Verklappung von Sedimenten, die beim Ausbau der Häfen anfallen. Diese Sedimente sind stark durch TBT (Tributylzinn) belastet. In der Vergangenheit gelangte die jetzt verbotene Chemikalie als Bestandteil von Schiffsanstrichen in grossen Mengen ins Meer. Selbstverständlich werden offiziell lediglich saubere Sedimente verklappt. Tatsächlich wurden die Grenzwerte nach einem Vorschlag des finnischen Umweltministers auf ein solches Maß festgelegt, die das Zehnfache der von Wissenschaftlern als harmlos betrachteten Konzentration beträgt. Die Reinigung der Sedimente ist sehr kostenaufwändig - und unterliegt offensichtlich den wirtschaftlichen Interessen, die beim Ausbau der Häfen im Vordergrund zu stehen scheinen.

Die Ostsee - eine Spitzenposition in Verschmutzung und Überfischung

Weltweit sind die Meere durch Verschmutzung und Überfischung in einem alarmierenden Zustand, gravierend für Menschen und Tiere. Die Ostsee nimmt dabei eine traurige Spitzenposition ein. Mit einem Gesamtgebiet von 370.000 Quadratkilometern ist sie eines der grössten Schelfmeere der Welt. Durch verschiedene geophysikalische und chemische Besonderheiten erfolgt der Wasseraustausch sehr langsam, was zur Folge hat, dass sämtliche eingetragenen Stoffe lange im System verbleiben. Der Schadstoffeintrag über die Atmosphäre und die einfliessenden Flüsse ist hoch. Ein Beispiel für eingetragene chemische Substanzen sind Dioxine, die zur Gruppe der POP’s (Persistent Organic Pollutants) gehören. Sie entstehen in vielen industriellen Prozessen - und sammeln sich im Fettgewebe der Fische an. Durch den Verzehr gelangen sie schliesslich auch in den menschlichen Körper.

Ein weiteres Problem stellt die Eutrophierung (Überdüngung) des Gewässers dar, hauptsächlich verursacht durch industrielle Landwirtschaft. Betrachtet man kleinere Küstenabschnitte, so produzieren Fischfarmen lokal bis zu 70 % des Eintrags. Das Überangebot an Nährstoffen führt zu einem verstärkten Algenwachstum. Nach dem Absterben der Algen wird beim anschliessenden Abbau der organischen Substanz der Algen der Sauerstoff in einem solchen Maße verbraucht, dass dieser im Wasser kaum mehr vorhanden ist.

Berichte von Bord der Esperanza

Nagu, Finnland, 11.06.05

Am Freitag haben Greenpeace-Aktivisten gegen die Errichtung einer Fischfarm protestiert, die zur Überdüngung der Meeresumwelt in Nagu (Südwest-Finnland) beiträgt. Die Aktivisten markierten das Gebiet der Anlage, das Teil eines von Greenpeace geforderten Meeresschutzgebietes ist. Die Erlaubnis zur Errichtung der Fischfarm wurde von den örtlichen Umweltbehörden erteilt, obwohl die negativen Folgen der Eutrophierung der Ostsee seit langem bekannt sind. Finnland muss marine Schutzgebiete ausweisen, um die Artenvielfalt zu erhalten. Die Unterwasserbilder, die von unseren Tauchern gestern aufgenommen wurden, bestätigen, dass das gesamte Ökosystem durch das Überangebot an Nährstoffen stark beschädigt ist, sagt Sari Tolvanen, Meeresexpertin von Greenpeace-Finnland.

Turku, Finnland, 13.06.05

Gestern haben Greenpeace-Aktivisten vom Dach der örtlichen Umweltbehörde in Turku (Finnland) ein Banner mit der Aufschrift: Stoppt die Verklappung von Giftmüll - herzliche Grüsse, die Ostsee. entrollt. Der Protest von Greenpeace richtet sich an den finnischen Umweltminister Jan-Erik Enestam. Auf seinen Vorschlag hin wurden die Grenzwerte für TBT, die bei der Verklappung von Sedimenten erlaubt sind, auf das Zehnfache der von Wissenschaftlern empfohlenen Menge angehoben. TBT wurde früher als Bestandteil von Schiffsfarbe verwendet und ist deshalb in hoher Konzentration in Meeresböden von Hafengebieten vorhanden. Seine Verwendung ist heute verboten.

Obwohl die Gefahren von TBT (Tributylzinn) seit langem bekannt sind, hat die örtliche Umweltbehörde erneut die Erlaubnis zur Verklappung des Giftmülls in der Nähe der Insel Airisto in Finnland gegeben. Airisto ist wichtiger Laichgrund und Aufzuchtgebiet für viele Fischarten. Es ist völlig inakzeptabel, dass die Umweltbehörden solch ein Glücksspiel betreiben und weiterhin Genehmigungen erteilen, sagt Sari Tolvanen, Meeresexpertin von Greenpeace Finnland. Greenpeace fordert das sofortige Ende der Verklappung und die umgehende Errichtung mariner Schutzgebiete in der Ostsee.

Greenpeace-Taucher haben den Meeresboden vor der Insel Airisto untersucht und Sediment-Proben aus dem Verklappungsgebiet genommen. Seit den 90er Jahren wurden dort bereits hunderttausende Kubikmeter Schlamm ins Meer gekippt.

Untersuchungen des Finnischen Umweltinstitutes von Anfang diesen Jahres zeigen, das Fisch in dieser Region 20 mal stärker mit TBT belastet ist, als für den Verzehr maximal empfohlen wird.

Reposaari, Finnland, 16.6.05

Heute liegt die Esperanza vor der Insel Reposaari in der Nähe von Pori vor Anker. Greenpeace arbeitet mit der örtlichen Fischervereingung Selkaemeren Ammatikalastajat zusammen. Greenpeace setzt sich für die Errichtung von Meeresschutzgebieten ein, die eine nachhaltige Nutzung des Fischbestandes möglich machen. Hier in Finnland dokumentiert Greenpeace Beispiele für eine nachhaltige Küstenfischerei, von der einerseits die Fischer profitieren, die ihren Fang lokal vermarkten können, durch die aber auch das marine Ökosystem geschont wird durch die nachhaltigen Fangmethoden. Greenpeace-Taucher haben die letzten drei Tage die außergewöhnliche Unterwasserwelt in Pori und Merikarvia dokumentiert. Greenpeace ist besorgt über den geplanten Sand- und Kiesabbau in der Region, der die nächsten Jahrzehnte stattfinden soll. Der Sand- und Kiessabbau hätte schwere Auswirkungen für die marine Artenvielfalt, das Ökosystem und die örtlichen Fischer, sagt die Greenpeace-Meeresbiologin Sari Tolvanen.

Das vorgeschlagene Gebiet für den Abbau stellt gleichzeitig einen wichtigen Laichgrund für den Heringsbestand im Bottnischen Meerbusen dar. Greenpeace fordert, alle Pläne auf Eis zu legen und das Gebiet zunächst ausreichenden wissenschaftlichen Untersuchungen zu unterziehen, bevor der Abbau genehmigt wird. Dies ist von entscheidender Bedeutung, um die ökologisch bedeutsamen Gebiete und das Überleben der Küstenfischerei zu gewährleisten, sagt Sari Tolvanen.

Vaasa, 20.6.05

Greenpeace-Taucher und Fotografen haben fortwährende Bauarbeiten vor der finnischen Küste in Isolahti, Suvilahti, Södra, Vallgrundet und Börkjöby dokumentiert. Obwohl diese Aktivitäten einzeln betrachtet allesamt kleiner Natur sind, haben sie zusammen dennoch einen großen Einfluss entlang der Küste Finnlands. Jedes Jahr werden Tausende Kubikmeter des Meeresgrundes ausgebaggert. Die Arbeiten wirken sich sehr negativ auf die Wasserqualität aus, zerstören die Unterwasserflora und wichtige Laichgründe für Fische. Durch die besondere chemische Zusammensetzung der Sedimente in diesem Gebiet hat ein Wiedereinbringen des Aushubs einen rapiden Fall des ph-Wertes zu Folge, was zu einer Übersäuerung der Gewässer führt. Dies führte in der Vergangenheit zur Zerstörung wichtiger Lebensräume für Fische und andere Meerestiere, erklärt Sari Tolvanen, Meereskampaignerin von Greenpeace Finnland. Die flachen Küstengebiete spielen eine wichtige Rolle als Filtergebiete für die durch Überdüngung eingetragenen Nährstoffe. Ohne sie wäre der Grad an Eutrophierung in der Ostsee noch höher. Was kleinere Bauarbeiten dieser Art angeht, ist die gesetzliche Lage mehr als schwammig. Den Schutz bestehender Laich- und Aufzuchtgebiete betreffend existieren eklatante Lücken. Der finnische Umweltminister Jan Erik Enestam unternimmt nichts, um diese Gesetzeslücken zu schließen. In solch wertvollen Ökosystemen ist die Errichtung mariner Schutzgebiete, wie Greenpeace sie fordert, umso wichtiger.

Alles geht einmal zu Ende

Am 25. Juni endete die Tour der Esperanza entlang der finnischen Küste in Mariehamn vor den Aland Inseln. Greenpeace machte hier insbesondere auf die Auswirkungen von Fischfarmen aufmerkam, die für die nachlassende Wasserqualität in diesem Gebiet verantwortlich sind.

Die Ostsee ist bereits hoch mit Nitraten und Phosphaten aus landwirtschaftlichen Einträgen belastet. Zusätzlich verursachen Fischfarmen lokal bis zu 60 Prozent der Gewässerbelastung durch überschüssige Nährstoffe, die von den Farmen nicht aufgenommen werden können.

Am Freitagabend wurde von Greenpeace eine Ausstellung im Museumsschiff in Pommern eröffnet, die bis Ende Juli besucht werden kann. Nachdem Greenpeace in Finnland erfolgreich auf die Probleme vor der finnischen Küste aufmerksam gemacht hat, nimmt die Esperanza Kurs auf Schweden. Auch dort wird sich Greenpeace für den Schutz der Ostsee einzusetzen, um dem Ziel der weltweiten Errichtung von Schutzgebieten näher zu kommen.

(Alle Berichte stammen von Corinna, Aktivistin an Bord der Experanza.)

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