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Die Tiefsee braucht dringend eine Siesta!

Greenpeace-Aktivisten haben am Montagmorgen vor der spanischen Botschaft gegen die Haltung des Landes bei der Frage der Grundschleppnetzfischerei protestiert. Das iberische Land blockiert bei UN-Verhandlungen ein Sofortverbot der zerstörerischen Fischerei auf der Hohen See. Ab morgen wird sich die UN-Generalversammlung in New York erneut mit dem Thema beschäftigen.

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Auch vor anderen spanischen Botschaften protestieren am Montag Greenpeacer: so in Paris, Stockholm, Santiago/Chile sowie Washington D.C. und New York. In Berlin haben die Aktivisten ein Grundschleppnetz vor der spanischen Botschaft aufgespannt. Zwei Kletterer entrollten in luftiger Höhe ein Banner mit der Aufschrift: Spanien: Tiefsee-Zerstörer! Iris Menn überreichte einem Botschaftsmitarbeiter eine Mappe mit Informationen und einem Protestbrief an den Botschafter.

Die Tiefsee ist eines der ältesten und facettenreichsten Ökosysteme dieses Planeten, sagt Menn. Angesichts des Ausmaßes der Zerstörung, die durch diese Art der Fischerei dort angerichtet wird, ist es mir unbegreiflich, wie Spanien bei der Ablehnung bleiben kann. Und wir reden von 64 Prozent unserer Ozeane, über deren Schutz oder Vernichtung in New York verhandelt wird. Die Tiefsee braucht dringend eine Siesta.

Kahlschlag am Meeresgrund

Die sogenannten Grundschleppnetze sind bis zu 200 Meter lang. Sie werden durch tonnenschwere Scherrbretter offen gehalten und mit Eisenkugeln von einem halben Meter Durchmesser an der Vorderseite bestückt. Damit durchpflügen sie den Meeresboden, nicht das kleinste Lebewesen kann ihnen entkommen.

Weltweit verwandelt sich jedes Jahr ein Gebiet dreißig Mal größer als Spanien auf diese Art und Weise in eine komplette Einöde. Nahezu alles Leben ist vernichtet. Es gleicht der Abholzung eines Urwaldes. Derzeit sind es noch elf Staaten, darunter Spanien, die diese zerstörerische Fischerei mit einer eigenen Flotte von Grundschleppnetz-Fischern betreiben.

Während andere EU-Staaten wie Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Schweden, Österreich, Belgien, die Niederlande, Dänemark und Ungarn auf ein Moratorium für die Grundschleppnetz-Fischerei zusteuern, hat sich Spanien offenbar geschworen, das Abkommen zu vereiteln. Doch auch die pazifischen Inselstaaten, Neuseeland, Australien, Norwegen, die USA, Indien, Brasilien und Südafrika haben sich für ein befristetes Verbot ausgesprochen.

Eine Pause für das unbekannte Leben in der Tiefsee

Die Hohe See, der Meeresbereich jenseits der 200 Seemeilen vor den Küsten und außerhalb der Wirtschaftszonen der Länder, ist Allgemeingut. Jedoch gibt es für drei Viertel der Hohen See bisher keinerlei Regeln.

Wir reden über ein zeitweilig befristetes Verbot, sagt Menn. Dieses Verbot soll der Grundschleppnetz-Fischerei auf der Hohen See solange Einhalt gebieten, bis die Wissenschaft die sensiblen und wertvollen Gebiete identifiziert hat. Und die Fischerei soll so lange gestoppt werden, bis die Regierungen Regelungen zu Schutz und Nutzung erarbeitet haben. Nur ein effektives Fischereimanagement sichert auch langfristig die Arbeitsplätze in der Fischerei.

Mitmachaktion: Schreiben Sie an den spanischen Botschafter und fordern Sie ein Moratorium

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