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Bordtagebuch Ostsee Teil 1: Unterwegs mit der Arctic Sunrise

Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise kreuzt im September auf der Ostsee. Die Crew befindet sich im Einsatz gegen Piratenfischer. Doch schon die reguläre Fischerei führt derzeit zum Zusammenbruch der Doschbestände. Ulrike Beck berichtet für uns von Bord.

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Sonntag, 17. September 2006: Wie schön! Heute hatte ich meinen freien Tag, da ich gestern schon beim Open Boat eingeteilt war. Ich habe mir den Hafen angeschaut, die Sonne genossen und gelesen. Und in einem Internet Café meine vielen, vielen Mails gecheckt die sich in den letzten 1 1/2 Wochen auf meinem Account angesammelt haben. Auch das ist an Bord etwas anders als im normalen Leben. Wir haben hier nicht die Möglichkeit aufs normale Internet zuzugreifen, sondern haben nur speziell eingerichtete Zugänge, worüber wir Mails empfangen und senden können. Das hat mich die ersten Tage ziemlich viiiiele Nerven gekostet! Das ganze System ist nämlich seeeeehr sensibel....

Wehe die Mails enthalten auch nur die Spur eines Anhanges (viele Anbieter machen das ja automatisch, dass sie die eigentliche Mail noch mal als Anhang mit senden, ohne dass man darauf achtet) oder eines Links... Keine Chance! Diese Mails kommen weder bei mir noch beim Empfänger an. Sie verschwinden einfach in irgendwelchen mir unergründlichen Tiefen...GRRRRRR!

Es hat tatsächlich mehrere Anlaufe und viele Mails mit genauen Instruktionen gebraucht, bis ich nun halbwegs regelmässig Kontakt mit Familie und Freunden halten kann. Auf der Arctic Sunrise war auch heute am zweiten Tag des Open Boat jede Menge los. Die Leute sind unglaublich neugierig darauf, was Greenpeace so macht bzw. freuen sich die Chance zu haben ein Schiff von innen zu sehen.

Gegen 18 Uhr haben wir abgelegt und sind nun wieder auf dem Weg in die Bornholmer Gegend. Es ist schon eine besondere Atmosphäre, wenn ein Schiff ablegt und man an der Reling steht, sieht wie die letzten Seile von den Tampen entfernt werden und sich das Schiff langsam vom Kai entfernt. Und einem die vielen Menschen, die da stehen, zum Teil sicher auch sehnsüchtig, nachschauen und zuwinken. Man selbst ist traurig und neugierig/aufgeregt zugleich. Traurig, weil man auf der einen Seite lieb gewonnene und nette Menschen zurücklässt (ein Teil der Mannschaft hat hier gewechselt und natürlich mussten unsre polnischen Freunde dableiben), aber neugierig und gespannt auf der anderen Seite auf das was an Neuem und Unbekanntem auf einen zukommt. Und natürlich ist es einfach schön, wieder auf See zu sein! Ich glaube die Sehnsucht nach dem Meer wird auch mich nach so kurzer Zeit nie wieder ganz loslassen.

Beste Grüße, Ulrike

Samstag, 16. September 2006: Früh am Morgen wurde die Arctic sowohl innen als auch außen auf Hochglanz gebracht - soweit das bei einem Schiff möglich ist. Das Deck, das grauweiß ist, sieht irgendwie immer aus, als wäre es schon ewig nicht mehr abgeschrubbt worden... Ich habe mit Creag unserem Bootsmann darüber gewitzelt, dass es eigentlich nicht schlecht wäre, es einfach schwarz oder dunkel zu streichen, damit man den Dreck nicht so sieht. Da hat er mir erzaehlrt, dass das früher mal grün gestrichen wurde, es aber dadurch unter Deck unerträglich heiß wurde, weil nicht mehr so viel Wärme abgestrahlt wurde - also wurde es wieder grauweiß gestrichen...

Ihr wundert euch vielleicht, dass ich des Öfteren schon übers Putzen geschrieben habe und es sicher auch in Zukunft immer wieder mal tun werde. Aber es macht ganz einfach einen beträchtlichen Teil der üblichen Schiffsarbeit aus. Wir sind viele Leute auf begrenztem Raum, es ensteht einfach ständig irgendwo Schmutz durch eine selbst, die Maschinen oder durch irgendwelche Wartungsarbeiten.

Um 11 Uhr wurde dann endlich die Gangway für unsere Besucher geöffnet, nachdem unsere Ankunft am Freitag Abend schon für Aufsehen gesorgt hat! Der Andrang war unglaublich groß! In den 4 Stunden in denen wir "Open Boat" hatten waren bestimmt an die 700 Leute an Bord. Wir mussten die Leute in kleine Gruppen von 20 Personen einteilen, um alles halbwegs managen zu können Die Gruppen, von denen gleichzeitig meistens vier an verschiedenen Stellen im Schiff unterwegs waren, konnten einen Blick in die Brücke werfen sowie in den Rumpf, wo ein kurzer Film über die Arbeit von Greenpeace gezeigt wurde und schließlich an Deck eine Ausstellung über unsere aktuelle Kampagne zum Schutz der Meere anschauen.

Dabei wurden sie von unseren polnischen Aktivisten begleitet, die über die Arbeit von Greenpeace erzählten und die vielen, vielen Fragen beantworteten. Eine bessere Möglichkeit sich hautnah zu zeigen gibt es nicht als mit den Leuten direkt in Kontakt zu treten und mit ihnen zu reden. Zu zeigen warum wir hier sind, dass wir ganz normale Menschen sind und nicht von einem anderen Stern und einen handfesten Grund haben, warum wir hier sind.

Liebe Grüße, Ulrike

Freitag, 15. September 2006: Heute Morgen sind wir nun in Polen, im Hafen von Gdynia angelandet. Hier werden wir die nächsten zwei Tage verbringen. Am Samstag und Sonntag ist Open Boat - damit soll der Bevölkerung die Möglichkeit gegeben werden, zum einen die Arctic Sunrise hautnah zu erleben, aber natürlich auch zu erfahren, warum wir gerade in der Ostsee unterwegs sind - warum wir Schutzgebiete für die Ostsee fordern. Das wird bestimmt spannend. Greenpeace ist hier noch nicht so bekannt wie in Deutschland. Das Büro besteht erst seit rund zweieinhalb Jahren.

Abends haben wir auf der Arctic eine kleine Geburtstagsparty veranstaltet. Greenpeace ist heute 35 Jahre alt geworden! Das ist auf jeden Fall ein Grund zum Feiern! Wir haben uns alle gegenseitig ein kleines, möglichst selbst gebasteltes Geschenk gemacht. Wow! Manche Leute waren da echt sehr kreativ! Da wurden Banner gemalt und Musik-CDs geschnitten, Musikinstrumente gebastelt... Ich selbst habe eine Flasche spanischen Wein bekommen, versehen mit Schiffsknoten und Seil um irgendwann meinem eigenen kleinen Schiffchen seine Taufe geben zu können! Es war jedenfalls sehr lustig. Später sind noch mehrere polnische Aktivisten dazu gekommen, und so habe ich auch wieder Leute getroffen, die ich von früheren Aktionen kenne und gleichzeitig wieder neue kennengelernt.

Das ist, was Greenpeace ausmacht ! Was ich so sehr an Greenpeace mag, und was mich immer wieder beeindruckt! Es sind die Menschen, die so unterschiedlich sie auch sein mögen und so verschieden auch ihr Herkunftsland ist, sich für ein und dasselbe Ziel - unsere Umwelt zu schützen und zu erhalten - einsetzen und dafür kämpfen.

Donnerstag, 14. September 2006: Was für ein Tag! Wir sind am Vormittag auf ein riesiges illegal ausgelegtes Stellnetz für den Dorschfang gestoßen - illegal, weil in diesem Gebiet ein Verbot für solche Dorsch-Netze vom 14. Juni bis zum 15. September gilt. Es war an die zwei Kilometer lang! Unglaublich!!! Bisher konnte ich mir, wenn ich davon gelesen habe, eine solche Netzgröße nie so richtig vorstellen. Nachdem wir es an Bord gezogen hatten, ist das nun anders.

Stellnetze werden am Anfang und am Ende durch Anker am Meeresboden befestigt. Mit Hilfe von Bojen, die an der Oberfläche treiben und an denen Flaggen hängen und Nummern stehen, erkennt der Fischer sein Netz wieder. Normalerweise werden sie drei bis vier Tage im Wasser gelassen und dann wieder herausgeholt. In diesem Netz fanden wir nur ein paar wenige Fische - was zum einen daran lag, dass es erst vor kurzem ausgelegt worden war, aber auch dass es tatsächlich kaum noch Dorsch in der Ostsee gibt. Fast die ganze Mannschaft (rund 20 Personen) war ungefähr zweieinhalb bis drei Stunden damit beschäftigt, das Netz an Bord zu bekommen. Da wir keine Winde wie die Fischtrawler haben, haben wir es wie früher die Fischer per Hand aus dem Wasser gezogen - eine echte Knochenarbeit! Ich glaube jeder von uns wird noch ein oder zwei Tage seinen Rücken und seine Arme intensiv spüren!

Abgesehen davon, dass es ein ziemliches Unding ist, dass dieses Netz ausgelegt wurde - das gemeinsame Herausziehen des Netzes war ein echtes Erlebnis. .. Mitten in der Reihe der ganzen Leute zu stehen, die sich fast die ganze Längsseite der Arctic Sunrise entlang erstreckte und im Rhythmus mit aller Kraft zu pullen ... Als ich es mir später, als es fein säuberlich zusammengefaltet an Deck lag, so betrachtete, wurde mir schnell klar, warum diese Netze auch Wände des Todes genannt werden. Alle Fische die nicht durch die Maschen schlüpfen können haben keine Chance zu entkommen, auch Säugetiere oder Seevögel, die sich darin verheddern ertrinken jämmerlich.. Vermutlich haben wir uns damit, dass wir es herausgezogen haben, nicht gerade Freunde unter den Fischern gemacht. Aber wo Unrecht geschieht, muss auch dagegen vorgegangen werden.

13. September 2006 Das wunderschöne Wetter hält an ... aber heute habe ich, zusammen mit den anderen Deckhands, eine sehr typische Arbeit an Bord eines Schiffes erledigt: Rost klopfen.

So banal es sich anhört, so wichtig ist es. Wichtig ist vor allem es, es regelmässig zu tun! Auch wenn es einem komisch erscheint, dass man mit einem speziellen Hammber Rost wegklopft. Es ist wichtig!

Der Grund ist einfach: Durch das Salzwasser fängt es recht schnell an zu rosten. Vor allem an Deck, wo das Salzwasser ständig auf die Metallteile - Rohre, Gestänge, Drahtseile ... - einwirkt. Und bevor sich der Rost durch das Material frisst und es brüchig oder undicht wird, muss er sauber abeklopft werden. Anschließend wird die Stelle mit einer Drahtbürste bearbeitet und wenn alles schön sauber und glatt ist, neu gestrichten.

Diese Arbeit geht eigentlich nie aus! Ganz nach dem Motto: Ist man am Ende angelangt, kann man wieder von vorne anfangen. Die Seefahrer von früher hatten im Prinzip dasselbe Problem mit ihren Holzschiffen. Sie mussten ständig die durchgefaulten oder angegriffenen Stellen ausbessern. Salzwasser frisst sich auf Dauer durch fast jedes Material.

Bei Sonnenschein und frischer Seeluft ist es eine wirklich schöne Arbeit - sie hat nur einen Nachteil. Sie ist sehr laut und ohne Ohrenschützer nicht auszuhalten. Unter Deck, hätte man glauben können, wir versuchen das Schiff in seine Einzelteile zu zerlegen.

Das gemeinsame Arbeiten und das Kennenlernen der üblichen Schiffsarbeit macht mir unglaublich viel Spaß. Es ist eine ganz andere Welt, die sich völlig von meinem Alltag unterscheidet. Das Leben an Bord hat seinen eigenen Rhythmus. Die andere Welt da draussen, mit ihrer Hektik und den vielen Informaionen durch Fernsehen, Zeitungen und was sonst so auf einen einstürmt, ist weit weg. Schon eine Umstellung, wenn man gewoht ist täglich Zeitung zu lesen oder Nachrichten zu hören. Hier gibt es auch keinen Internetzugang, sondern nur die Möglichkeit Mails zu verschicken und zu empfangen. Ich bin nicht böse darüber. Es ist nur gewöhnungsbedürftig - und nach ein paar Tagen nur noch angenehm.

Aber noch ein paar Sätze darüber, wie der Alltag hier aussieht: Morgens um halb acht wird geweckt, dann gibt es Frühstück. Bis acht muss das jeder selbst geregelt haben. Von acht bis neun Uhr ist Putzen angesagt: Toiletten, Duschen, die Messe (Essensraum), Aufenthaltsraum, Flure. Alles wird gründlich geputzt. Wenn so viele Leute - wir sind 28 - auf so engem Raum leben, ist es extrem wichtig auf Sauberkeit zu achten. Schließlich sollen sich keine Keime und Krankheiten ausbreiten. Bis zehn ist Zeit für andere anfallende Arbeiten.

Um zehn Uhr und um 15 Uhr ist Kaffeepause. Die halten wir entweder in der Messe oder - wie jetzt bei dem schönen Wetter - an Deck abhalten. Von zwölf bis 13 Uhr und von sechs bis sieben Uhr gibt es Mittag bzw. Abendessen - beides Mal warm.

Unser Koch Ronni und sein Assisstent Lauritz sind übrigens unbezahlbar. Sie zaubern die leckersten Gerichte auf den Tisch. Dabei sorgen sie sowohl für die Vegetarier wie auch für die Fleischesser.

So, das wars für heute, liebe Grüße, Ulrike

10. September: Da heute Sonntag ist, gab es kein Wecken um halb acht, wie es während der Woche üblich ist. Der Sonntag ist auch an Bord für alle ein arbeitsfreier Tag. Naja, für fast alle. Die Leute, die auf Wache oder sonst für das Schiff verantwortlich sind, müsen natürlich auch heute ihren Job machen.

Wegen des freien Tags ist ein Großteil der Mannschaft nach Bornholm gefahren, um dort den Tag zu verbringen. Ich hab mich entschieden, lieber an Bord zu bleiben und die Ruhe zu genießen. Was gibt es Schöneres, als einen Sommertag auf dem Meer an Deck eines Schiffes zu verbringen. Die ruhige See glitzert und funkelt im Sonnenlich, es weht eine leichte Brise und der Blick schweift über den Horizont.

Ich glaube dem Zauber des Meeres können sich nur wenige Menschen entziehen - egal von welcher Seite es sich einem zeigt. Ich lasse mich jedenfalls meist schon von er ersten Sekunde an davon gefangen nehmen. An ruhigen Tagen kann ich stundenlang den Wellenbewegungen zuschauen, die Möwen beobachten oder einfach meine Gedanken auf Wanderschaft gehen lassen. An stürmischen Tagen stehe ich staunend vor der geballten Kraft und der Unbezähmarbeit, die in ihm steckt. Das Rauschen der Wellen, wenn sie auf den Strand treffen oder wie hier an Bord auf den Bug des Schiffes, lässt mich sofort innerlich ruhig werden und ich denke nur wie schön das alles ist.

Kurz nach dem Abendessen, haben wir den Anker gelichtet und Bornholm verlassen. Wir fahren nun ein Stück weiter südostlich. Vorsorglich habe eine Tablette gegen Seekrankheit genommen. Hoffentlich wirkt sie auch! Morgen wir sich zeigen, was weiter passieren wird. Ich bin jedenfalls sehr gespannt.

Beste Grüße an euch, Ulrike

8. September 2006: Gestern bot sich im Laderaum der Arctic Sunrise ein interessantes Bild: Mehrere Seile hingen von der Decke und Karin, Tinny und Lauritz gaben ein spontanes Klettertraining. Beteiligen konnten sich alle die Lust und Laune hatten - und das mitten auf der Ostsee!

In der Nacht hat die See merklich aufgefrischt. Ich merkte es daran, dass ich in meinem Bett von einer Seite zur anderen Seite rollte und das Gefuhl hatte auf einem Wasserbett zu liegen. Na ja, stimmt ja auch in gewisser Weise ... Der Wellengang war nicht extrem stark, hatte aber so zugenommen, dass den ganzen Tag über viele Leute mit Seekrankheit zu kämpfen hatten. Mir ging es dabei nicht anders! Es ist schon seltsam, solange man an Deck bleibt und den Horizont im Auge behält, ist es kein Problem. Aber wehe du gehst nur für eine Minute unter Deck ... Brrr!

Die erfahrenen Seemänner an Bord haben uns gesagt, dass es meistens nur ein paar Tage dauert, bis sich der Körper daran gewöhnt hat. Das Gehirn muss die unterschiedlichen Informationen, die es vom Gleichgewichtssinn und vom Sehzentrum bekommt, unter einen Hut bringen. Danach können einem auch die höchsten Wellen nichts anhaben - heißt es.

Interessanterweise ist es wichtig, ständig etwas im Magen zu haben, auch auf die Gefahr hin, dass es nicht lange drin bleibt. Zur Erleichterung aller haben wir gegen 17 Uhr südlich vor Bornholm geankert. So blieb das Abendessen wenigstens da wo es hingehört. Hier werden wir auch die Nacht verbringen.

Heute hatten wir wieder Kontakt mit einem polnischen Fischer, der seiner Aussage nach nur auf Heringfang ist. Aber wir haben die Vermutung, dass er auch auf Dorsch aus sein könnte. Gesagt hat er es uns nicht. Trotzdem, der illegale Fischfang ist hier ein großes Problem. Insbesondere Fänge zu den Schonzeiten, die dazu erlassen wurden, damit sich die Fischbestände erholen können.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Erholungsphasen nicht wirklich effektiv sind. Sie gelten nur einige Monate und sind meist nur auf eine spezielle Fischart beschränkt. Damit sich ein Fischbestand erholen kann, braucht es sehr viel mehr Zeit. Und auch wenn eine Art nicht Zielfisch, landet sie oft trotzdem als Beifang im Netz. Deshalb fordern wir Schutzgebiete, Gebiete in denen jeglicher Fischfang verboten ist oder nur insoweit stattfindet, dass der Bestand sich erholen kann und auch für die Zukunft stabil bleibt.

So, dass wars erstmal für heute, beste Grüße, Ulrike

7. September 2006: Gestern um Punkt 13 Uhr ist die Arctic Sunrise aus Malmö, Schweden ausgelaufen. Es war ein tolles Gefühl, wie sie sich langsam aus dem Hafen schob. Nicht nur weil es ein beeindruckendes Schiff ist, sondern auch weil es für einige an Bord (auch für mich!) die erste Schiffs-Tour auf einem Greenpeace-Schiff ist.

Die Arctic Sunrise wird die nächsten vier Wochen in der Ostsee unterwegs sein und nach illegalen Fischerei-Tätigkeiten Ausschau halten. Die Überfischung besonders von Dorsch bzw. Kabeljau, wie er außerhalb der Ostsee heißt, ist eine große Bedrohung für das sensilbe Oekosystem der Ostsee. Deshalb ist Greenpeace vor Ort - um zu dokumentieren und die Verursacher anzugehen.

Nachdem gestern alles noch sehr ruhig war, wurde es heute früh hektisch und blieb es auch den ganzen Tag über. Gut eine Stunde vor der üblichen Weckzeit, die hier an Bord um 7 Uhr 30 ist, war ein Teil der Mannschaft schon dabei ein Schlauchboot abzusetzen - wir sind auf einen polnischen Fischtrawler gestossen! Es kam zu einem sehr freundlichen Gespräch und es stellte sich schnell heraus dass er auf Heringsfang ist.

Am späten Nachmittag fanden wir auf eines der riesigen Stellnetze die in der Ostsee leider noch erlaubt, aber in vielen anderen Meeresgebieten schon verboten sind, da der Beifang (sehr gross ist. Beifang ist der Begrif für alles was im Netz landet, aber letztendlich nicht verwertet wird, sondern tot oder verletzt wieder über Bord geht - zu kleine Fische, andere Fischarten die gar nicht das Ziel des Fischers sind, aber auch Delfine oser Seevögel. Momentan gibt es zumindest eine bestimmte Maschengrösse und Netzgrösse - um die Menge und die Art des Beifang geringer zu halten - an die sich die Fischer halten müssen und die auch von diesem Fischer der dieses Netz ausgelegt hatte, eingehalten wurde.

Soweit für heute erst mal, liebe Grüße an euch, Ulrike

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