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Aus Müll im Meer wird Meer im Müll

Jedes Jahr verenden über eine Million Seevögel qualvoll durch den Müll, der in unseren Meeren treibt. Aber auch Schildkröten und über 100.000 Meeressäuger kommen jährlich durch unseren Dreck ums Leben. Die Tiere ersticken in Sechserpackträgern, strangulieren sich mit treibenden Netzresten oder verhungern, weil ihre Mägen mit Plastikteilen verstopft sind.

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Hauptverursacher des Mülls ist die internationale Schifffahrt. Denn anstatt für die Müllentsorgung in den Häfen zu bezahlen, entleeren die Umweltsünder den Müll oft einfach in die Meere. Häufig handelt es sich dabei um Müll, den die Fischer selbst mit ihren Fangnetzen aus dem Meer gezogen haben. Hinzu kommen Haus- und Industrieabfälle, die über die Flüsse in die Ozeane gelangen.

Somit ist Müll im Meer längst mehr als eine Ausnahmeerscheinung. Vielmehr muss inzwischen von einem globalen Problem gesporchen werden. Auf einen einzigen Quadratkilometer Ozean kommen 18.000 Plastikteile, wie eine Studie des Umweltprogramms der Vereinten Nationen ermittelte. Und die Zersetzung der heute üblichen Kunststoffe dauert bis zu 450 Jahre.

Das Greenpeace-Schiff Esperanza wird während seiner SOS Weltmeer-Tour auf ein besonderes Phänomen zwischen den Inseln Hawaiis und dem amerikanischen Festland aufmerksam machen. Hier erzeugt ein Hochdruckgebiet einen gigantischen Meeresstrudel von der Größe Mitteleuropas. In diesem bleibt angetriebener Müll häufig über viele Jahre gefangen, so dass inzwischen ein Müllstrudel von unfassbarem Ausmaß entstanden ist.

Mittlerweile sterben zwei von fünf hawaiianischen Layson-Albatross-Küken innerhalb der ersten sechs Lebensmonate durch Müll, den die Vogeleltern als Futter zum Nest bringen. Aber auch vor unserer Haustür sieht es nicht besser aus. Nach einer Studie von Meereswissenschaftlern der Nordseeanrainerstaaten gelangen jedes Jahr 20.000 Tonnen Müll in die Nordsee.

In der Nordsee sind vor allem Hochseevögel wie Eissturmvogel und Basstölpel betroffen. Rund 97 Prozent der Nordsee-Eissturmvögel tragen rund 0,31 Gramm Plastikmüll im Magen. Hochgerechnet auf den Menschen ist das die Menge einer Brotdose - voll mit scharfkantigen Plastikresten.

Das Schicksal der Seevögel, die auf dem offenen Meer tödliche Mengen an Plastikmüll fressen, steht für den respektlosen Umgang mit dem in großen Teilen noch unbekannten Lebensraum Ozean, sagt Stefanie Werner, Meeresexpertin von Greenpeace. Die Vermüllung ist eines der vielen Probleme, die dringend gelöst werden müssen. Inzwischen gibt es Chancen, den Schutz der Meere voran zu bringen. Die deutsche Bundesregierung kann dabei eine wesentliche Rolle spielen.

Derzeit entsteht in der Europäischen Union eine Richtlinie für eine Meeresstrategie, die einen erheblichen Fortschritt bedeuten würde. Da Deutschland im ersten Halbjahr 2007 die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt, muss die Bundesregierung die Chance nutzen und sich für einen starken Meeresschutz einsetzen.

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