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Auf dem Weg zu den Piratenfischern, 2

Die Esperanza ist auf ihrer zweiten Etappe der SOS-Weltmeer-Tour vor Westafrika unterwegs. - gegen Piratenfischer, die die Gewässer vor der Westküste Afrikas ausplündern. Mit an Bord ist der Hamburger Aktivist und Schlauchbootfahrer Timo Liebe. In seinem Tagebuch erzählt er von der Tour.

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19.04.2006 - Die spanischen Behörden haben den illegal gefangenen Fisch, den die Binar 4 von Guinea nach Gran Canaria transportierte, beschlagnahmt! Gestern Abend kamen die letzten beiden Aktivisten von Bord des Kühlschiffes, auf dem wir insgesamt sechs Tage ausgeharrt hatten, um das Entladen des Fisches zu verhindern.

Als die beiden letzten Greenpeacer die Binar 4 verließen war die gesamte Besatzung der Esperanza da. Sie beglückwünschten sie und zollten ihren Respekt für diese Leistung!

Ich war ja auch 33 Stunden auf dem Mast der Binar 4 und in dieser Zeit habe ich gemerkt wie wichtig es ist, sich nicht allein zu fühlen. Deshalb waren während der ganzen Zeit, Tag und Nacht, immer Leute von der Esperanza vor Ort - so nah es eben möglich war, um zu winken und einfach da zu sein!

Für mich geht nun eine große Reise zu Ende! Eine Reise, auf der ich viel gesehen und erlebt habe. Vor rund zwei Monaten sind wir in Kapstadt aufgebrochen. Seitdem haben wir rund 8000 Seemeilen zurückgelegt. Das sind fast 15.000 Kilometer! Wir haben den südlichen Atlantik durchquert, um die Machenschaften der Piratenfischer in den Gewässern Westafrikas, hauptsächlich Guineas, zu dokumentieren. Wir haben mit Fischerei-Inspektoren aus Guinea zusammen Trawler überwacht und die Lian Run No 14 wurde wegen illegaler Fischerei in Guinea an die Kette gelegt.

Ich habe die Zustände an Bord der chinesischen und koreanischen Trawler sehen können, in was für katastrohalen Bedingungen die Menschen an Bord dieser Schiffe leben und arbeiten. Ebenso habe wir ausrangierte Trawler gesehen, die auf hoher See vor Anker liegen und dahinrotten. Besetzt von ein paar armen Menschen aus China, die hier vergessen wurden und in Unkenntnis ihrer Zukunft auf diesen Wracks dahinvegetieren müssen.

Ich habe gesehen, mit was für riesigen Netzen die Fischereiflotten die Meere leerräumen. Ich habe daneben die einheimischen Fischer in ihren kleinen Kanus gesehen, die immer weiter hinausfahren müssen, um überhaupt noch etwas in ihren Netzen zu finden. Ich habe gesehen, wie die Fische, die eigentlich der Bevölkerung Guineas gehören, auf hoher See direkt auf Kühlschiffe umgeschlagen werden. Und ich habe gesehen, wohin diese Fische dann gebracht werden, nämlich nach Europa!

Es war daher für mich eine absolute Herzensangelegenheit, mich aktiv gegen das Entladen der Binar 4 einzusetzen. Und es freut mich ungemein, dass die spanischen Behörden reagiert haben und den Fang beschlagnahmten. In diesem Fall haben wir den Piratenfischern nicht nur in die Suppe gespuckt, sondern wir haben ihnen das Handwerk gelegt!

Morgen früh verlasse ich die Esperanza, um wieder nach Hause zu fahren. Ich freue mich richtig auf zu Hause, auf meine Familie, meine Freunde und Kollegen und Kolleginnen! Aber ganz so leicht fällt mir der Abschied von der Esperanza nicht. Wir waren auf dieser Reise 33 Menschen aus 14 Nationen, die hier an Bord in doch engen Verhältnissen rund zwei Monate zusammen gelebt und gearbeitet, gestritten und gelacht haben. Wir haben zusammen viel gesehen und erlebt. Ich habe hier viele tolle Menschen kennengelernt, und ich werde die Leute und das Bordleben sicher vermissen.

Bleibt mir nur noch, mich bei allen Leserinnen und Lesern dieses Tagebuchs für ihr Interesse zu bedanken!

Ein letztes Mal viele Grüße an dieser Stelle, Timo

18.04.2006 - Zwei Menschen, 33 Stunden auf anderthalb Quadratmetern oder wie es mir auf der Binar 4 erging: 33 Stunden verbrachte ich auf dem Mast des Kühlschiffes Binar 4, um mich gegen die Piratenfischerei vor Westafrika und den Export dieses illegal gefangenen Fisches nach Europa einzusetzen. 33 Stunden auf einer anderthalb Quadratmeter großen Plattform, zehn Meter über Deck, zusammen mit einer Aktivistin aus Australien. Es war aufregend und spannend, bis wir die Plattform erreichten.

Immerhin mussten wir erst an einer vom Schlauchboot aus an der Reling eingehakten Leiter die drei Meter Bordwand überwinden, um überhaupt auf das Deck der fahrenden Binar 4 zu gelangen. Und natürlich wussten wir nicht, was uns dort an Deck erwarten würde. Wie würde die koreanische Besatzung auf uns reagieren?

Als ich an Deck kam, blieb die Situation erstmal ruhig. Gut so, also weiter zum Mast. Dort gab es eine Leiter - also hoch zur Plattform. Ich merkte das Gewicht des Rucksacks mit der Ausrüstung überhaupt nicht, es ging alles so schnell. Als ich auf der Leiter unterhalb der Plattform angekommen war, also schon rund acht Meter über Deck war, atmete ich zum erstenmal richtig durch. Nun musste ich zuerst den Rucksack durch die kleine Öffung im Boden der Plattform bugsieren, bevor ich selbst hindurchsteigen konnte. Dann war es geschafft, ich war auf der Plattform angekommen.

Ich atmete nochmal richtig durch und sah mich dann richtig um: An Deck war immer noch alles ruhig, zwei unserer Schlauchboote begleiteten die Binar 4, wie sie in den Hafen von Las Palmas auf Gran Canaria einlief. Die australische Aktivistin hatte die Plattform mittlerweile ebenfalls erreicht und auf dem Kran an Deck sah ich zwei weitere Aktivisten. Die Plattform allerdings hatte ich mir schon etwas grösser vorgestellt!

Die Plattform, die uns beherbergen sollte, war etwa ein Meter mal 1,5 Meter klein und verrostet. Ich befestigte einige Gurtbänder, an denen wir unsere Sicherheitsgurte einhängen konnten. Dann holte ich die mitgebrachte Flagge aus dem Rucksack und setzte sie an die Mastspitze. Eine blaue Flagge mit den europäischen Sternen im Kreis, in der Mitte prangt ein weisser Totenkopf und darunter gekreuzte Fischgräten. Eine richtige Piratenflagge also, für diesen von Piraten gefangenen Fisch, der nach Europa gebracht werden sollte.

Mittlerweile hatte die Binar 4 im Hafen festgemacht. Unsere Schlauchboote wurden von den Hafenbehörden des Hafens verwiesen, da sie angeblich den Schiffsverkehr stören würden. Im Hafenbecken war zwar überhaupt kein Schiffsverkehr und die Boote waren dicht bei der Binar 4, aber na gut! Als die Schlauchboote weg waren, überfiel mich kurz ein Gefühl des Alleingelassenseins. Auf dem Mast eines fremden Schiffes in einem fremden Hafen. Aber dann erblickte ich spanische Aktivisten und Aktivistinnen auf dem Kai - und das Gefühl des Alleinseins war verflogen!

Nun harrten wir der Dinge die da kommen sollten: Und so verbrachten wir die erste Nacht auf der Plattform - immer mit dem

Sicherheitsgurt gesichtert. An Schlaf war da nicht zu denken. Wir waren schon froh wenn wir mal eine Stunde am Stück wegdösen konnten. Immer schön abwechselnd, so dass immer einer wach ist, um auf rechtzeitig reagieren zu können. Der sehr begrenzte Platz auf der Stahlplattform wurde durch die verschiedensten Kabel und andere Unebenheiten nicht unbedingt komfortabler. Aber wir sind ja nicht hier heraufgeklettert, um irgendwelchen Komfort zu geniessen!

Der Fisch, den die Binar 4 befördert, konnte erstmal nicht entladen werden. Deshalb sind wir hier heraufgeklettert! Am nächsten Tag begannen die spanischen Behörden, die von Greenpeace vorgelegten Beweise über die illegale Herkunft des Fisches zu prüfen. Da das natürlich gründlich erfolgen muss, kann so etwas ein bisschen dauern ... Aber wir waren guter Dinge dort oben, wir waren mit unseren Anzügen gut gegen die Kälte und den ersten Regen seit Wochen (!) geschützt und hatten genug zu Essen und Trinken mitgebracht.

Nach ungefähr 22 Stunden dort oben durfte die Esperanza in den Hafen einlaufen. Wir sahen sie schon von weitem kommen und mich ergriff ein tiefes Gefühl der Freude. Es war einfach toll, das Schiff wiederzusehen, auf dem ich die letzten sieben Wochen verbracht habe. Als die Esperanza näher kam, konnte ich auch die einzelnen Menschen an Bord erkennen. Menschen, mit denen ich von Kapstadt bis hierher gefahren bin, Menschen die ich in dieser Zeit kennen und schätzen gelernt habe! Wir winkten und natürlich winkten alle auf der Esperanza. Wir konnten uns sogar Grüße zurufen. Es war ein einfach tolles Gefühl, obwohl da eine Menge Wasser zwischen der Esperanza und der Binar 4 war! Aber die Esperanza und ihre Besatzung in der Nähe zu wissen, allein das gab uns schon Kraft!

Nach 33 Stunden an Bord der Binar 4 wurden wir abgelöst. Und noch immer - nach sechs Tagen - harren Aktivisten und Aktivistinnen auf dem Kran und der Plattform aus! Der Protest gegen die illegalen Machenschaften der Piratenfischer geht weiter...

Viele Grüße, Timo

12.04.2006 - Kurs Nord: Mittlerweile haben wir die Gewässer von Guinea verlassen. Vor ein paar Tagen haben wir Fischtrawler beim Umladen von Fisch auf ein Tiefkühlschiff, einen so genannten Reefer beobachtet. So wird oft verschleiert, dass es sich um illegal gefangenen Fisch handelt.

Die Trawler der Piratenfischer fangen den Fisch mit ihren riesigen Netzen und laden den Fisch noch auf See um. Auf diese Weise wird kaum mehr nachvollziehbar, woher der Fisch kommt. Zumal die Piratenfischer meist Kisten mit den Namen anderer, zugelassener Schiffe verwenden. Das haben wir an Bord des Trawlers Lian Run No 14, dem festgesetzten Piratenfischer, mit eigenen Augen gesehen.

Wir folgen nun dem beobachteten Kühlschiff Binar 4 und dokumentieren, was weiter mit dem Fisch aus Guinea passiert. Derzeit fahren wir Kurs Nord. Das lässt vermuten, dass die Binar 4 den Hafen von Las Palmas auf Gran Canaria anlaufen wird.

So machen es übrigens viele Kühlschiffe, die den Fisch aus Guinea wegschaffen. Gewinnbringend versteht sich. Doch von den Gewinnen der Piratenfischer bleibt für das Land und die Menschen natürlich nichts übrig!

Wenn die Binar 4 nach Las Palmas fährt, dann wäre dieser Fall in Europa angekommen.

Wir werden sehen ...

07.04.2006 - Heute morgen zeigt der Radarschirm eine ganze Ansammlung von Echos an, so um die zehn Stück, recht nahe beisammen. Wir sind ziemlich weit von der Küste entfernt, so etwa 150 Kilometer. Als wir näher heran gekommen sind, sehen wir, dass sich hinter diesen Radarechos Trawler verbergen. Das Seltsame ist allerdings, dass diese Trawler sich nicht bewegen! Sie liegen hier vor Anker, so weit von der Küste entfernt. Ich betrachte mir diese Trawler etwas genauer: Sie sind furchtbar verrottet und verrostet, ich wundere mich, dass diese Dinger überhaupt noch schwimmen. Sie liegen hier in Reih und Glied vor Anker, und sie liegen nicht erst seit gestern hier... Am Heck weht die chinesische Flagge, oder was davon übrig ist.

Ich habe davon gehört, dass nicht mehr benötigte Trawler hier, vor der westafrikanischen Küste, einfach irgendwo verankert werden. Diese stillgelegten, verrottenden Boote fischen zumeist seit Monaten nicht mehr. Es liegt eine unheimliche Stille über der ganzen Szenerie, ich fühle mich unweigerlich an einen Friedhof erinnert, bei all den toten Schiffen um mich herum.

Da sehe ich Menschen auf einem dieser schwimmenden Wracks. Ich traue meinen Augen kaum, doch ich erblicke auch auf anderen Trawlern Menschen. Wir kranen ein Schlauchboot ins Wasser und ein paar meiner Kollegen setzen zu einem dieser Schiffe über. Unter ihnen ist unsere chinesische Übersetzerin. Das, was sie an Bord dieses Trawlers zu sehen und zu hören kriegen, entspricht dem Eindruck, den man von außen bekommen muss - katastrophale Zustände! Die drei Leute sind seit Monaten an Bord und sie wissen nicht, wie es mit ihrem Schiff und ihnen weitergeht: Ob eine neue Mannschaft kommt, ob es wieder zum Fischen geht, oder etwa wann. Sie wissen nichts. Wir erfahren, dass ihnen Dienst auf einem neuen Fischtrawler versprochen wurde - sie haben einen 2-Jahresvertrag unterschrieben. Und nun sitzen sie hier auf diesem Wrack, das alles andere als seetüchtig ist: Es gibt keine Rettungsmittel mehr, keine Radaranlage, der Motor funktioniert nur manchmal, meistens nicht und der Rumpf ist verrostet und verbeult. Im Deck befinden sich schon große Löcher! Ich möchte mir nicht ausmalen, wie der Rumpf sich verhält, wenn die Wellen mal etwas höher werden...

Nun sitzen die drei Menschen hier, etwa 150 Kilometer von der Küste, tausende Kilometer von ihrer Heimat (China) und ihren Familien, ihren Frauen und Kindern entfernt. Sie sehen jeden Tag das gleiche: Wasser!

Und die anderen Trawler um sie herum, zu denen sie aber keinen Kontakt aufnehmen können. Zum Rufen ist es zu weit, ein funktionierendes Funkgerät gibt es nicht an Bord. Sie wissen im Prinzip nichts und harren der Dinge, die da kommen mögen. Und warten auf den Tag, an dem ihr 2-Jahres-Vertrag um ist und sie wieder nach Hause können... Es schnürt mir schon den Hals zu, als ich den Berichten meiner KollegInnen über die Verhältnisse der Menschen an Bord dieser Wracks lausche! Ich kann mir das gar nicht vorstellen. Tage, Wochen, gar Monate immer das gleiche, hinauszusehen auf das offene Meer und zu hoffen, dass vielleicht ein Schiff Ablösung bringt, oder wenigstens frischen Proviant...

Wenn ich mir ansehe, in welch katastrophalen Zuständen die Menschen hier ausharren müssen, wird mir klar, dass die Herren, die dies zu verantworten haben, keine Skrupel kennen. Sie sitzen wahrscheinlich irgendwo in klimatisierten Büros und errechnen Gewinne - Gewinne, die sie aus den illegalen Fängen ihrer Piratenflotten erwirtschaften. Das sind die skrupellosen Piraten, nicht die armen Menschen, die hier draußen vergessen wurden...

Bevor wir weiterfahren, bringen wir den Menschen an Bord dieser Geistertrawler noch eine zusammengestellte Kiste von unserem Proviant an Bord - um ihnen wenigstens für die nächsten Tage etwas Abwechslung anbieten zu können. Mehr können wir leider im Moment nicht tun...

Nachdenkliche Grüsse, Timo

05.04.2006 - Heute abend - gerade eben - habe ich den ersten Wal auf dieser Reise gesehen! Stellt euch vor: Es ist gerade Feierabend auf der Esperanza. Es war ein überaus durchschnittlicher Tag. Wir kreuzen durch die Gewässer Guineas, auf der Suche nach Piratenfischern. Den ganze Tag haben wir keinen einzigen Fischtrawler zu sehen bekommen, weil wir auch sehr weit draußen sind, weit ab von der Küste. Alltägliche Routine - Frühstück, Reinschiff und Arbeiten - für mich bedeutete das Farbarbeiten. Nach dem Mittagessen geht es für mich so weiter bis zum Feierabend.

Und dann sitze ich auf einer Bank an Deck, genieße die tieferstehende Sonne und frage mich in Gedanken: Was kannst du denn heute fürs Internet schreiben? Ich blicke gedankenverloren auf die unendlich erscheinende Weite der See und der zündende Gedanke will mir nicht kommen.

Da sehe ich auf einmal etwas ungewöhnliches auf der weiten Wasserfläche: nicht weit von mir, nur etwa 50 Meter entfernt. Eine Rückenfinne, wie von einem Delfin. Delfine sehen wir ja des öfteren hier draußen. Trotzdem ist das jedesmal ein Ereignis für mich. Aber Delfine bewegen sich doch eigentlich viel schneller und sind kleiner ... Was sich da vor meinen Augen an der Oberfläche zeigte ist kein Delfin. Und dann höre ich deutlich ein Blasgeräusch, direkt gefolgt von dem etwas leiseren Geräusch von eingesogener Luft. Das, was ich in diesem Augenblick sehe, ist ein Wal!

Er bewegt sich mit solch majestätischer Würde durch das Meer, durch sein Element... Er scheint keine Notiz von der Esperanza zu nehmen. Ich sehe ja nur den Rücken des Tieres, wie er sich stromlinienförmig aus dem Wasser hebt, um das Atmen zu ermöglichen und danach genau so stromlinienförmig wieder unter der Wasseroberfläche verschwindet. Ich sehe keinerlei Spritzer, keinerlei Wellen um den Wal - er scheint eins mit dem Wasser des Meeres zu sein. Lediglich seinen Blas kann ich hören...

Dann verschwindet er wieder, unter der riesigen Oberfläche des Meeres. Das Wasser schliesst sich über ihm und alles sieht so aus, als wäre er niemals hier gewesen ...

Er ist einfach wieder verschwunden, weg. Genauso unvermittelt wie er aufgetaucht ist, verschwindet er wieder. Ich starre noch lange hinaus in die Weite des Meeres, aber ich kann den Wal nicht noch einmal ausmachen. Er ist hinab und entschwunden in sein Reich, sein Element...

Da ich den Wal nur sehr kurz gesehen habe, kann ich nicht sagen um was für eine Art es sich gehandelt hat. Und durch die Kürze seines einmaligen Auftauchens konnte ich kein Foto machen. Aber egal, das macht gar nichts, denn für mich ist das der erste Wal auf dieser Reise ...

Viele Grüße, Timo

02.04.2006 - Es ist schon sehr ruhig geworden auf der Esperanza, kurz vor Mitternacht. Die meisten Menschen liegen bereits in ihren Kojen. Nur noch vereinzelt trifft man Leute an Deck, die die etwas kühlere Nachtluft und den phantastischen Sternenhimmel geniessen.

Das ist die Zeit, wenn die Hundswache aufzieht. Dieses Wochenende habe ich Hundswache. So wird die Wache von Mitternacht bis vier Uhr morgens genannt. Oftmals ist es eine unbeliebte Wache, denn zu der Zeit möchte jeder lieber schlafen. Daher kommt wohl auch der Name: Hundswache. Zu dieser Zeit wacht nur der Hund oder um diese Zeit jagt man nicht mal den Hund vor die Tür ...

Ich bin gerne auf dieser Wache. Das Schiff verändert sich nachts - wo tagsüber rege Betriebsamkeit war, herrscht nachts Ruhe. Wo tagsüber die vielfältigen Geräusche arbeitender Menschen dominieren, sind nachts ganz andere Dinge zu hören, zum Beispiel das leise Klatschen der Wellen an der Bordwand. Und wo man tagsüber ständig anderen Menschen begegnet ist man alleine. Dieses Gefühl hat man nicht oft an Bord und ich genieße es.

Wenn ich nachts die Sicherheitsrunden über die verschiedenen Decks drehe und durch das ganze Schiff gehe, dann treffe ich in der Regel niemanden. Das ist schon irre - tagsüber trifft man da bestimmt 15 bis 20 unterschiedliche Leute. Um eines klar zu stellen: Es ist nicht so, dass ich niemanden hier mehr sehen will - im Gegenteil, wir verstehen uns an Bord wirklich gut! Aber hin und wieder genieße ich es, für eine Viertelstunde keine Menschen um mich zu sehen. Das kommt tagsüber ganz selten vor.

Und wenn ich auf dem Rundgang über das Deck laufe, bleibe ich manchmal stehen und sehe mir für ein paar Minuten den Sternenhimmel an. Ich glaube, nirgends kann man so viel Himmel sehen wie auf See. Tiefer kann der Horizont kaum liegen, und der Himmel erscheint so riesig ...

Und dann ist hier draußen keine Hintergrundhelligkeit vorhanden, wie sie Städte ausstrahlen, so dass man hier unglaublich viele Sterne sehen kann. Alleine die Milchstrasse ist ein atemberaubender Anblick. Und natürlich das Kreuz des Südens, ein Sternbild, was man nur in südlichen Gefilden bestaunen kann. Genau das macht wohl auch den Reiz des Kreuz des Südens für mich aus, es verdeutlicht mir, dass ich unterwegs und weit weg von zu Hause bin.

Ach, und letzte Nacht blickte ich auf das Kreuz des Südens - und sah eine große, wunderschöne Sternschnuppe ...

Viele Grüße, Timo

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