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Aktion gegen Nordsee-Kabeljaufang

Zum zweiten Mal innerhalb von drei Tagen haben Greenpeace-Aktivisten in der Nordsee nördlich der britischen Inseln mit einer Aktion gegen den Kabeljaufang protestiert. Am Montagmorgen hat das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise die schottischen Trawler Carisanne II und Demares entdeckt, die gerade gemeinsam ein Netz durchs Wasser zogen. Um gegen die zerstörerische Fischerei zu protestieren, ist ein Greenpeace-Schwimmer mit einer Boje ins Wasser gesprungen.

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An der Boje war ein Transparent befestigt, auf dem zu lesen war: Stoppt die Vernichtung des Kabeljaus! Die Trawler brachen daraufhin ihren Fang ab und holten das Netz ein. Als die Trawler ihre Fangtätigkeit wieder aufnehmen wollten und das Netz erneut zu Wasser ließen, befestigten Greenpeacer eine große Boje daran. So war an Fischfang nicht zu denken. Die Fischer beendeten ihre Arbeit. Mit Hilfe eines Schlauchboots wurde der Greenpeace-Schwimmer wieder aus der Nordsee gefischt. Eine ähnliche Aktion fand auch schon am Samstag mit einem anderen schottischen Trawler statt.

Die Notlage, in der sich die Nordsee befindet, ist erstaunlich einfach und leicht zu begreifen: Wird weiterhin Kabeljau gefangen, stirbt er völlig aus, erklärt Willie Mackenzie, Meeresexperte von Greenpeace Großbritannien, auf der Arctic Sunrise. Aus bislang nicht nachvollziehbaren Gründen haben Politiker und die Fischereiindustrie diesen simplen Zusammenhang noch nicht verstanden oder ignorieren ihn. Deshalb sehen wir uns gezwungen aktiv zu werden, um den Kabeljau in der Nordsee zu retten.

Wie schlecht es um den Kabeljau in der Nordsee steht, machen auch die Warnungen des Internationalen Rates für die Erforschung der See (ICES) in Kopenhagen deutlich. Seit 2001 fordert das Fachgremium, das auch die EU in Meeresfragen berät, ein totales Fangverbot für Kabeljau. Nach ICES-Auffassung befindet sich der Nordsee-Kabeljau außerhalb sicherer biologischer Grenzen. Doch hat die Vergangenheit gezeigt, dass sich Politiker und die Industrie darum nicht scheren.

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