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Zusammenfassung und Ergebnisse

53. Jahrestagung der IWC in London/England (2001)

Insgesamt blieb es beim Status Quo im Walschutz. Das von Australien und Neuseeland im Jahre 2000 erstmals beantragte Schutzgebiet im Südpazifik wurde erneut zur Abstimmung gestellt.
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Von den 42 Mitgliedsstaaten der IWC nahmen 37 stimmberechtigt an der Tagung in London teil. Russland bekam kein Stimmrecht, weil es seine Beiträge nicht bezahlt hatte. Weitere Staaten und Organisationen nahmen als Beobachter teil. Insgesamt blieb es beim Status Quo im Walschutz.

Das von Australien und Neuseeland im Jahre 2000 erstmals beantragte Schutzgebiet im Südpazifik wurde erneut zur Abstimmung gestellt. Es bedurfte zu seiner Annahme einer Dreiviertelmehrheit. Wie im letzten Jahr fand sich jedoch nur eine einfache Mehrheit: 20 Länder stimmten dafür: Argentinien, Australien, Brasilien, Chile, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Italien, Mexiko, Monaco, Neuseeland, die Niederlande, Österreich, Schweden, die Schweiz, Spanien, Südafrika und die USA. Die 13 Gegenstimmen kamen aus: China, Dänemark, Guinea, Japan, Norwegen, Panama, Südkorea und karibischen Inselstaaten, deren Stimmen von Japan gekauft waren. Die IWC reagierte auf Japans systematischen Stimmenkauf, der auch in Afrika stattfindet, mit einer Resolution, die solche Praktiken ablehnt. Es gab vier Enthaltungen aus Irland, Marokko, Oman und die Salomon-Inseln.

Brasiliens Antrag auf ein südatlantisches Walschutzgebiet bekam ebenfalls nur eine einfache Mehrheit. 19 Fürstimmen reichten bei 13 Gegenstimmen und fünf Enthaltungen nicht zur Annahme des Antrags aus.

Ein "überarbeitetes Bewirtschaftungssystem" (Revised Management Scheme, RMS) für Wale ist nicht verabschiedet worden. Es wäre die Vorstufe zur Wiedereinführung des kommerziellen Walfangs gewesen. Zu diesem Thema lag ein Kompromisspapier vor, das von zwölf Staaten gestützt wurde. Da es aber keine Grundlage für eine Einigung abgeben konnte, wurde es durch den IWC-Vorsitzenden Bo Fernholm (Schweden) von der Tagesordnung genommen. Eine Expertengruppe soll bis Mai 2002 die Streitpunkte weiter bearbeiten. Dabei geht es um die Frage wirksamer Kontrollierung des Walfangs.

Tauziehen um Island

In hartem Ringen wehrte die IWC den Versuch des Walfangaspiranten Island ab, nach langer Pause in die IWC zurückzukehren, ohne ihre Regeln einhalten zu wollen.

Hintergrund: Die Walfangnation Island hatte 1982 das von der IWC erlassene weltweite Verbot des kommerziellen Walfangs (Moratorium) akzeptiert, das bis heute gültig ist. 1992 verließ Island die IWC, weil dem Land das Moratorium zu lange dauerte. Dennoch wagte Island es nicht, den Walfang auf eigene Faust zu beginnen. Nun wollte die Nation wieder in die IWC eintreten, aber dabei einen Vorbehalt gegen das Moratorium einlegen. Diese Möglichkeit, sich selbst von IWC-Beschlüssen auszunehmen, haben Staaten 90 Tage lang nach Bekanntgabe des Beschlusses, nicht aber nach 19 Jahren.

Die IWC stritt darüber, ob sie zu einer Entscheidung über Islands Vorbehalt berechtigt sei oder nicht. Dazu gab es eine Geschäftsordnungsabstimmung: 19 Länder hielten die IWC für berechtigt, 18 nicht. Österreich nahm an der Abstimmung nicht teil. Anschließend kam der Sachantrag zur Abstimmung, Islands Vorbehalt zurückzuweisen. Hier nahmen die meisten der 18 Abstimmungsgegner nicht teil und hätten es damit fast geschafft, die IWC beschlussunfähig zu machen und somit die Durchführung der Abstimmung zu verhindern. Dann wäre Islands Walfangkurs erfolgreich gewesen.

Doch die Schweiz und Frankreich fanden sich bereit, an der Abstimmung teilzunehmen und sich zusammen mit Österreich der Stimme zu enthalten. Ergebnis: Mit 19 zu null Stimmen bei drei Enthaltungen lehnte die IWC Islands Vorbehalt ab. Damit war Islands Formel für den Wiedereintritt gescheitert.

Nach Beratung mit den Delegationsleitern entschied der IWC-Vorsitzende, dass Island den Status eines Beobachters ohne Stimmrecht haben solle. Diese Entscheidung wurde wiederum angefochten, aber in einer weiteren Abstimmung bestätigt, und zwar mit 18 zu 16 Stimmen bei drei Enthaltungen. Ein Karibikstaat nahm nicht teil.

Beschlüsse gegen Norwegen und Japan

Ähnlich wie in früheren Jahren, gab es eine Resolution gegen den kommerziellen Walfang Norwegens, das sich auf einen Vorbehalt gegen das Moratorium beruft. Da Norwegen dieses Jahr als Neuerung den Export von Walprodukten angekündigt hat, wendet sich die Resolution auch gegen solche Exporte, die nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen verboten sind. Ferner richtet sich die Resolution dagegen, dass Norwegen sich in der Berechnung seiner Fangquoten nicht an die Methodik der IWC hält, sondern sich mit einem veränderten Verfahren höhere Quoten verschafft. Neu ist auch, dass die Resolution dieses Jahr von Deutschland eingebracht wurde (neuer deutscher Delegationsleiter: Peter Bradhering). Sie wurde von Großbritannien, Italien, Neuseeland, Österreich und den USA unterstützt und mit 21 zu 15 Stimmen bei einer Enthaltung verabschiedet.

Wie jedes Jahr, erließ die IWC eine Resolution gegen Japans wissenschaftlichen Walfang im Walschutzgebiet der Antarktis, bei dem pro Saison 440 Minkewale erbeutet werden. IWC-Forscher haben neuerdings Hinweise darauf, dass der Bestand der Tiere inzwischen rapide abgenommen hat. Wie letztes Jahr, erging auch wieder eine Resolution gegen den japanischen Forschungswalfang im Nordpazifik, dem dieses Jahr 100 Minkewale, 50 Brydewale, acht Pottwale und ein Seiwal zum Opfer fielen. Die Resolution fordert den Einsatz nichttödlicher Methoden zur Erforschung der Walbestände. In einer eigenen Resolution über Tötungsmethoden zeigt sich die IWC enttäuscht über den Mangel an Informationen aus Japan über den Fang der seit dem Jahr 2000 gejagten Brydewale und Pottwale. Wie jedes Jahr, lehnte die IWC Japans Forderung nach 50 Minkewalen für einen Küstenwalfang ab.

Gefährdete Walpopulationen

Das Wissenschaftliche Komitee der IWC hatte die Aufgabe, Untersuchungen über den Bestand der Dall-Tümmler vorzulegen, die Japan im Rahmen des Kleinwalfangs jagt, der von der IWC nicht reguliert wird. Das Komitee wurde dadurch behindert, dass Japan die entsprechenden Daten zurückhielt. In den letzten zehn Jahren wurden nach vorliegenden Angaben über 130.000 Dall-Tümmler erlegt. Die IWC fordert in einer Resolution Japan auf, die Jagd auf diese Tiere zu stoppen.

Das Wissenschaftliche Komitee legte einen alarmierenden Bericht über die Population der westpazifischen Grauwale vor. Demnach gibt es keine 100 dieser Wale mehr, von denen manche stark abgemagert sind. Auf zwei Männchen kommt nur noch ein Weibchen, und die wenigen Jungtiere sind in der letzten Zeit alle männlich. In den Nahrungsgründen der Wale bei der russischen Insel Sachalin führt die Öl- und Gasindustrie seismische Tests mit Sprengungen durch. Die IWC fordert in einer Resolution dazu auf, die Störungen im Lebensraum der Wale abzubauen und dafür zu sorgen, dass keines dieser Tiere durch menschliche Einflüsse zu Tode kommt. Dabei wird ausdrücklich auch die Jagd abgelehnt. Japan stimmte als einziges Land gegen die Resolution.

Eine Resolution über Kleinwale fordert zur Untersuchung von chemischer und möglicher radioaktiver Verseuchung von Weißwalen und Narwalen in nordischen Regionen auf. In einer weiteren Resolution empfiehlt die IWC ihren Mitgliedern den Beitritt zu der neuen Stockholmer Konvention über Dauergifte. Gegen diese Resolution meldeten einige Staaten Vorbehalte an.

Fischerei

Die IWC fordert in einer von Deutschland mit vorgetragenen Resolution, Wale als Beifang in der Fischerei nur dann kommerziell zu verwerten, wenn sie auf die Fangquote der IWC angerechnet werden. Zu Kontrollzwecken wird eine DNA-Probe eingefordert. Der Tod von Walen durch Beifang soll jedoch nach Möglichkeit vermieden werden und ein entsprechendes Programm Mexikos für Schweinswale wurde gelobt.

Zu etwaigen Wechselwirkungen zwischen Wal- und Fischbeständen soll ein spezieller Workshop tagen.

Nächstes Treffen

Die nächste IWC-Jahrestagung findet am 20. bis 24. Mai 2002 im japanischen Shimonoseki statt, der Heimat von Japans Walfangflotte. 2003 wird die IWC-Tagung erstmals in Deutschland sein.

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