Demonstration in Berlin für eine ökologischere Landwirtschaft

Wir haben es satt!

Geschundene Tiere, belastetes Trinkwasser, Klimawandel und Artensterben: Die Landwirtschaft ist Opfer und Täter. 18.000 Menschen gingen daher für eine Agrarwende auf die Straße.

  • /

130 Traktoren, gefolgt von 18.000 Menschen zogen am vergangenen Wochenende auf der „Wir haben es satt!"-Demo durch Berlins Straßen. Sie sprachen sich für eine Abkehr von der industriellen Landwirtschaft aus. Dafür müsse die Politik endlich die Weichen stellen. Die Forderungen der Teilnehmer sind so vielfältig, dass sie nicht auf ein einzelnes Plakat passen. Doch alle laufen auf eines hinaus: eine Agrarwende in Deutschland.

Auch viele Bauern demonstrierten mit; sie sind für ein Umdenken: 10.000 Höfe konnten in den vergangenen zehn Jahren dem wachsenden Konkurrenzdruck nicht standhalten, darunter viele Betriebe von kleineren Erzeugern. Denn weder Milch zu Ramschpreisen noch Billigfleisch können unter vertretbaren Bedingungen für Mensch und Tier hergestellt werden.

Mit Köpfchen dabei: Die Forderungen umfassten auch den nachhaltigen Umgang mit einer kostbaren Ressource - unserem Boden.

Auch die Macht großer Konzerne war Thema, etwa die von Monsanto. Das Agrarunternehmen, das sich der deutsche Chemie-Riese Bayer einverleiben will, macht nicht nur mit seinem Pestizid Glyphosat ein Riesengeschäft. Mit Patenten auf Gen-Pflanzen will Monsanto sich weitreichende Rechte sichern: vom Anbau über die Verarbeitung bis zur Vermarktung von Lebensmitteln.

"Lass die Sau raus", stand auf dem Plakat der Jugendlichen. Sie protestierten gegen tierquälerische Haltung, aber auch gegen den massiven Einsatz von Medikamenten in Ställen. Beides gehört zusammen: Tieren, denen es schlecht geht, werden schneller krank; die weitverbreitete Gabe von Antibiotika fördert die Bildung resistenter Keime - womit auch zunehmend die Humanmedizin konfrontiert ist.

Die Massentierhaltung schafft noch ein weiteres Problem. "Ich habe es satt, dass zu viel Gülle aus riesigen Tierfabriken unserer Grundwasser verschmutzt", erklärt Christiane Huxdorff, Umweltwissenschaftlerin und Expertin für Landwirtschaft bei Greenpeace (vorn im Foto).

Auch die Hühnerkralle, ein Symbol gegen Massentierhaltung, war dabei.

Für genügend Lautstärke sorgte diese Truppe.

Es ist Zeit für eine neue Haltung!

© Fotos: Gordon Welters / Greenpeace
 

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Lidl eine kleben!

Eine Frage der Etikette: Greenpeace-Aktivisten in 56 deutschen Städten kennzeichnen Billigfleisch von Lidl mit grellgelben Warnaufklebern – „Mit Tierleid“ oder „Mit Antibiotika“.

Glückliches Schnitzel?

Wer am Fleischregal steht und wissen will, wie viel Tierleid im Steak steckt, kann sich jetzt informieren. Der Greenpeace-Siegel-Chatbot gibt Auskunft. Sogar im Supermarkt.

(Schwarz-)Licht ins Dunkel

Unmengen Antibiotika kommen in der Schweinemast zum Einsatz, in den Knochen der Tiere bleiben Rückstände. Das machen Greenpeace-Aktivisten bundesweit vor Lidl-Filialen sichtbar.