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Was ist dran am Bio-Check?

Stiftung Warentest hat unter dem Titel Der Bio-Check eine Bilanz seiner seit 2002 durchgeführten Lebensmitteltests gezogen. Ergebnis der Warentester: Bio sei nicht besser als konventionelle Lebensmittel. Aber was ist dran an diesem Ergebnis?

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Tatsächlich haben die Testergebnisse der Stiftung Warentest nur eine sehr begrenzte Aussagekraft. Die Bewertungskriterien sind Sensorik (Geruch, Geschmack, Aussehen), Schadstoffrückstände und Hygiene (Keimbelastung). Im Test nicht berücksichtigt wird die Umweltbelastung, die mit der Erzeugung der Lebensmittel verbunden ist. Dies wird aber weder in der Berichterstattung noch in dem Artikel von Warentest ausreichend deutlich.

Warentest behauptet zwar, man habe auch Nachhaltigkeitskriterien in Augenschein genommen, doch in die Bewertung fließt dies nicht ein. Viele Bereiche wie Artenvielfalt oder Schutz von Umweltgütern bleiben völlig unberücksichtigt.

Die riesigen Vorzüge von Öko im Anbau - keine Verschmutzung von Grundwasser, Oberflächengewässer, geringere Ammoniak und Lachgasemissionen, viel höhere Artenvielfalt auf den Ackerflächen, größere Kulturpflanzendiversität etc. kommen überhaupt nicht zur Sprache, beurteilt Martin Hofstetter, Landwirtschafts-Experte bei Greenpeace kritisch.

Auch aufs Produkt bezogen, fällt das Ergebnis für Greenpeace völlig anders aus. Die anhaltende Diskussion um sichere und gesunde Lebensmittel ist längst entschieden: Bio ist besser als konventionell! Greenpeace hat bereits 2007 unter dem Titel Der kleine Unterschied eine vergleichende Auswertung von Pestizidrückständen in Obst und Gemüse aus ökologischem und konventionellem Anbau durchgeführt.

Eindeutiger konnte das Ergebnis eines Vergleiches kaum ausfallen: Betrachtet man die Belastung der von Greenpeace untersuchten Obstprodukte, so schneiden Bio-Produkte je nach Untersuchungsjahr um den Faktor 70 bis 100 besser ab als die Produkte aus konventionellem Anbau.

Auch die staatliche Lebensmittelüberwachung führt ein spezielles Überwachungsprogramm für ökologisch erzeugte Lebensmittel durch. Die aktuell erhältlichen Zahlen von 2008 zeigen, dass die Belastung mit Pestiziden von Obst aus Bioanbau um den Faktor 100 unter der Belastung von Obst aus konventionellem Anbau liegt.

In den vergangenen zwei Jahren werden in Obst und Gemüse zwar geringere Rückstände gefunden, aber die Erzeuger greifen häufig zu mehreren verschiedenen Pestizidwirkstoffen, sagt Manfred Santen, Chemie-Experte bei Greenpeace. Sie nehmen so Mehrfachbelastungen in Kauf, um Höchstmengen für einzelne Wirkstoffe zu unterschreiten.

Und auf diesem Gebiet fällt der Unterschied besonders eindeutig aus. Die mittlere Anzahl an Pestiziden pro Probe liegt in konventionell erzeugten Produkten im Mittel bei 4,4 Pestiziden (Greenpeace-Tests 2010), bei Bio-Produkten ist es im Mittel immer weniger als ein Pestizid, d.h. in aller Regel treten keinerlei Pestizidrückstände auf.

Die aktuellen Greenpeace Tests von Erdbeeren, Kirschen Tomaten, Salaten, Weintrauben und Gewürzen lassen nur den Schluss zu: Der Verbraucher ist nur bei dem Kauf von Obst und Gemüse aus dem Bioanbau sicher. Deshalb fordert Greenpeace:

  • Konsequente Förderung des Bioanbaus und der Umstellung von Betrieben. Der Anteil des Bioanbaus sollte jährlich um 20 Prozent gesteigert werden.
  • Der Anteil von Bioprodukten am Lebensmittelmarkt sollte jährlich um 20 Prozent gesteigert werden. Bio-Werbung und Ausweitung des Bio-Sortiments durch den Einzelhandel.

 

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