Umfrage: Menschen erwarten von der Politik mehr Tierschutz in der Landwirtschaft

Tierhaltung verbessern!

Neue Umfrage zeigt: Die Mehrheit wünscht sich, dass die Politik gegen Missstände in Fleischbranche aktiv wird. Greenpeace-Aktive protestieren dafür heute in Berlin.

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Die Verantwortung für Missstände in der Fleischindustrie sehen die Menschen in Deutschland vor allem bei Politik, Gesetzgeber und Aufsichtsbehören (78 Prozent) und am wenigsten bei den landwirtschaftlichen Betrieben (49 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt eine neue repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar im Auftrag von Greenpeace. Dabei spielen nach Meinung der Befragten auch weitere Akteure eine maßgebliche Rolle: die fleischverarbeitenden Betriebe (70 Prozent), Verbraucherinnen und Verbraucher (68 Prozent) sowie die Supermarktketten (64 Prozent). Ungeachtet ihrer Parteisympathie sind sich die über 1.000 Befragten aber einig: Es ist etwas faul an der Agrarpolitik der Regierung! So findet die Mehrheit (78 Prozent), dass die Regierung bisher zu wenig unternimmt, um Missstände in der landwirtschaftlichen Tierhaltung zu beseitigen. Interessanterweise teilen diese Meinung auch drei Viertel (75 Prozent) der Anhängerinnen und Anhänger von CDU und CSU – der Parteien, die seit 15 Jahren das zuständige Bundeslandwirtschaftsministerium leiten. Die Umfrage im Detail finden Sie hier online.

Greenpeace-Agrarexperte: Reform der Tierhaltung ist überfällig

“Das ist ein klares Signal an die Regierung. Sie kann sich nicht länger aus der Verantwortung für die katastrophalen Zustände in der Fleischbranche stehlen”, sagt Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter. “Eine konsequente Agrarreform ist längst überfällig. Die Landwirtschaft braucht Planungssicherheit und finanzielle Anreize, um auf eine  artgerechte Tierhaltung umzustellen. Um Klima und Umwelt zu schützen, muss die Zahl der in Deutschland gehaltenen Nutztiere und der Fleischkonsum in den kommenden Jahren drastisch sinken. Fleisch muss teurer, pflanzliche Lebensmittel müssen günstiger werden."

Greenpeace-Protest gegen Billigfleisch bei Sondersitzung der Agrarministerkonferenz

Die Chance für den nächsten Schritt in Richtung mehr Tierwohl bietet sich heute, wenn die sogenannte "Agrarministerkonferenz" zu einer Sondersitzung in Berlin zusammenkommt. Ab 11 Uhr beraten die Agrarministerinnen und -minister der Länder in Berlin zusammen mit Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) über die Vorschläge der Borchert-Kommission zum Umbau der Tierhaltung, dabei geht es auch um die Finanzierung neuer tiergerechter Ställe und die finanzielle Unterstützung der tierhaltenden Betriebe. Greenpeace hatte dazu bereits Anfang des Jahres ein Konzept für eine zweckgebundene Tierwohl-Abgabe auf Fleisch vorgelegt, die von der Kommission übernommen wurde. Heute demonstrieren Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten beim Agrartreffen vor der Landesvertretung des Saarlandes mit einem Banner gegen das kranke System Billigfleisch. Ein Tierleid-Zähler, der die Zahl kupierter Ferkel sekundengenau mitzählt, weist auf gängige, aber rechtswidrige Praktiken in der deutschen Tierhaltung hin. 

Update / Nachtrag von 17:00 Uhr:

Das Ergebnis der Sonder-Agrarministerkonferenz: Die Agrarministerinnen und -minister von Bund und Ländern haben einstimmig für den artgerechten Umbau der landwirtschaftlichen Tierhaltung gestimmt. Eine Machbarkeitsstudie soll – besser spät als nie – ausgeschrieben werden, die die verschiedenen Finanzierungsoptionen prüfen soll. Für Martin Hofstetter von Greenpeace ist das dennoch ein erfreulich klares Signal aus Berlin: "Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner darf jetzt nicht weiter bremsen. Sie muss jetzt Planungssicherheit für die Betriebe schaffen, indem sie eine einheitliche verpflichtende Haltungskennzeichnung für Fleisch und Milchprodukte einführt, die Haltungsvorgaben verschärft und an EU-Recht und das deutsche Tierschutzgesetz anpasst. Und sie muss eine Tierwohlabgabe einführen, um die Bäuerinnen und Bauern beim Umbau zu unterstützen." An ein heißes Eisen haben sich die Agrarministerinnen und -minister allerdings nicht herangetraut: den Abbau der Tierbestände in Intensivregionen nach niederländischem Vorbild. Eine Aufgabe, die sich die neue Zukunftskommission Landwirtschaft auf den Zettel nehmen kann.

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