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Greenpeace-Report zeigt: ökologische Landwirtschaft ist zukunftsfähig

So werden alle gesund satt

Nur eine an ökologische Prinzipien ausgerichtete moderne Landwirtschaft kann die Zukunft der Welternährung sichern – Greenpeace benennt sieben Grundsätze für den Weg dorthin.

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Mais, Bohnen und Kürbis: eine gute Mischung - nicht nur im Kochtopf, sondern auch auf dem Feld! In Mittelamerika werden die drei Kulturpflanzen gleichzeitig angebaut: ein traditionelles System, aber alles andere als veraltet.

An diesem einfachen Beispiel werden einige Grundsätze einer zukunftsfähigen, ökologischen und nachhaltigen Landwirtschaft deutlich. Der Anbau der drei Feldfrüchte erfolgt in einer Symbiose; sie dienen einander bei ihrer Entwicklung: Die Bohnen nutzen den Mais als Rankhilfe und liefern Stickstoff an den Boden. Sie machen mineralische Düngung damit überflüssig. Die Kürbisblätter beschatten und schützen den Boden, der auf Maisfeldern sonst weitgehend ungeschützt und durch Erosion gefährdet ist. Die Artenvielfalt stabilisiert das Anbausystem gegenüber Schädlingsattacken; chemischer Pflanzenschutz ist nicht nötig. Und zuletzt können gleich mehrere hochwertige Früchte geerntet werden – selbst wenn in schlechten Jahren einmal eine Kulturart ausfällt, bleiben immer noch zwei andere übrig.

Ein einfaches, aber dennoch belastbares und gut funktionierendes System, das auf den Einsatz gefährlicher Pestizide verzichtet.

Sieben Grundsätze für eine ökologische Landwirtschaft

Alternative Anbaumethoden wie diese sind dringend nötig. Denn die Erzeugung von ausreichend gesunden Lebensmitteln und deren gerechte Verteilung ist eine zentrale Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Sieben Grundsätze für eine derart zukunftsfähige Landwirtschaft benennt der neue Greenpeace-Report „Die Grundsätze ökologischer Lebensmittelerzeugung“. Im Mittelpunkt stehen dabei der Mensch und eine Landwirtschaft mit der Natur:

1. Erzeuger und Verbraucher sollten über die Lebensmittelproduktion entscheiden und den Konzernen die Kontrolle entziehen.

2. Arbeitende in der Landwirtschaft weltweit müssen von ihrer Tätigkeit leben können, um gute und gesunde Lebensmittel zu produzieren.

3. Ausreichend hochwertige Lebensmittel müssen nicht nur erzeugt, sondern auch gerecht verteilt werden; Produzenten und Konsumenten müssen die nicht-nachhaltige Nutzung verringern (Lebensmittelabfälle reduzieren, Fleischkonsum einschränken, Flächen für die Bioenergiegewinnung minimieren).

4. Vielfalt vom Saatgut bis zum Teller ist Grundlage für stabile Erträge und für umweltschonende Anbaumethoden.

5. Böden und Wasser müssen geschützt werden.

6. Landwirte dürfen keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel einsetzen.

7. Ökolandbau verleiht landwirtschaftlichen Betrieben und unserem Ernährungssystem die Fähigkeit, sich schnell und effektiv an neue klimatische und wirtschaftliche Bedingungen anzupassen.

Die Politik muss handeln

Nur eine an ökologischen Prinzipien ausgerichtete innovative und moderne Landwirtschaft kann in Zukunft die Welternährung sichern - doch die konventionelle Landwirtschaft, kontrolliert von multinationalen Konzernen, setzt auf den Einsatz von Chemie. Deshalb muss die Politik endlich umdenken und sich für eine ökologische Landwirtschaft einsetzen; sie muss die Forschung zu alternativen sowie nichtchemischen Methoden in der Landwirtschaft unterstützen.

„Die Agrarpolitik fördert immer noch massiv eine kranke industrialisierte Landwirtschaft“, sagt Dirk Zimmermann, Agrarbiologe und Greenpeace-Experte für Landwirtschaft. „Umwelt- und Ressourcenschutz sind Ziele auf dem Papier, die Bundesregierung verfehlt sie jedoch. Nitrat aus der Massentierhaltung belastet das Grundwasser, der Einsatz von immer mehr Pestiziden bedroht die Artenvielfalt.“

Die EU-Kommission leitete jüngst sogar ein Verfahren gegen Deutschland ein, weil die Nitratbelastung in unseren Gewässern so hoch ist. Auch der Einsatz von Pestiziden nimmt weiter zu: 2014 stieg der mit Pflanzenschutzmitteln erzielte Umsatz im Vorjahresvergleich um 100 Millionen Euro – insgesamt 1,6 Milliarden Euro erwirtschafteten die Hersteller in Deutschland.

 „Wir brauchen eine radikale Wende“, sagt Zimmermann. „Die Zukunft der europäischen und deutschen Landwirtschaft liegt in den Händen von Bio-Bauern. Nur eine gesunde Landwirtschaft kann gesunde Lebensmittel produzieren.“

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