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Greenpeace-Test: Gifteinsatz von der Blüte bis zum Apfel

Saurer Apfel für die Natur

Greenpeace untersuchte den Pestizideinsatz auf deutschen Apfelplantagen. Das Ergebnis: Kurz vor der Ernte spritzen Bauern weniger, dennoch ist die Umweltbelastung durch die Gifte hoch.  

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Äpfel sind das beliebteste Obst in Deutschland. Und gleichzeitig auch das meist gespritzte. Die Früchte im Supermarktregal überschreiten zwar nur selten den gesetzlich festgelegten Grenzwert für Pestizidrückstände. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Verwendung von Pestiziden in der Landwirtschaft zurückgegangen ist. Die Landwirte hören nur früher mit dem Spritzen auf, damit die Äpfel zur Erntezeit möglichst wenig belastet sind. Das zeigen die 24 Proben von Blättern, Blüten und heranwachsenden Äpfeln, die Greenpeace zwischen Mai und September dieses Jahres an zwei Standorten im Alten Land bei Hamburg genommen hat, einem der größten Apfel-Anbaugebiete Deutschlands.

Sieben wahrscheinlich krebserregende Stoffe zeigte die Analyse, darunter das Antipilzmittel Captan, das dem Schutz vor Apfelschorf dient. Zudem ergaben die Greenpeace-Tests, dass an den beiden Standorten insgesamt 17 verschiedene Pestizide verwendet wurden. Obstbauern spritzen Äpfel im Durchschnitt 21 Mal pro Jahr, oft mit mehreren Mitteln gleichzeitig.

Umweltschäden durch Pestizide

„Auch wenn die Äpfel im Supermarkt die gesetzlichen Grenzwerte einhalten: Der Gifteinsatz während des Wachstums ist noch zu hoch“, sagt Christiane Huxdorff, Umweltwissenschaftlerin und Greenpeace-Expertin für Landwirtschaft. „Das ist den Verbrauchern nicht klar. Die Umwelt nimmt großen Schaden.“

Für die Tests analysierte Greenpeace jeweils sechs Blätter-, Blüten- und Apfelproben an den beiden Standorten. Bei den Blättern ließen sich in der Mitte ihres Wachstums bis zu elf verschiedene Wirkstoffe nachweisen. Auch bienengefährdende Substanzen wurden gefunden.

Gifte gefährden Artenvielfalt

„Pestizide wirken sich nachteilig auch auf Bienen und andere Insekten aus“, so Huxdorff. „Denn auch Nützlinge nehmen die Gifte über die Nahrung auf.“ Zudem sind wilde Tier- und Pflanzenarten durch den Einsatz von Pestiziden gefährdet, die Mittel tragen deshalb zum Verlust der Biodiversität bei.

Greenpeace hatte bereits im Frühjahr dieses Jahres 36 Wasser- und 49 Bodenproben aus zwölf europäischen Ländern auf Pestizidrückstände untersucht. Dabei fanden sich Reste von Pestizid-Cocktails aus bis zu 13 Mitteln. Bodenproben aus dem Alten Land und vom Bodensee aus dem Juli zeigten zwischen zwei und elf verschiedene Wirkstoffe. Auch das umstrittene und wahrscheinlich krebserregende Glyphosat wurde in einigen Bodenproben nachgewiesen.

„Viele Pestizide sind sehr langlebig und überdauern Jahre im Boden“, sagt Huxdorff. „Sie werden aber auch ausgewaschen und gelangen so in Flüsse und Seen.“

Ökologische Landwirtschaft als Lösung

Deshalb ist die industrielle Landwirtschaft auf Dauer keine Lösung. „Wir brauchen dringend eine andere Form der Landwirtschaft – den ökologischen Anbau“, weiß die Umweltwissenschaftlerin. Um ohne Pestizide auszukommen, müsse ein Umdenken stattfinden; resistentere Sorten und Nützlinge müssten als Teil der Lösung zum Einsatz kommen. „Wir wissen, dass das nicht von heute auf morgen geschehen kann“, so Huxdorff. „Aber auf dem Weg dorthin müssen wir den Pestizideinsatz reduzieren. Zum Beispiel durch eine Pestizidsteuer.“ 

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