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Erdbeeren aktuell kaum belastet

Statt köstlicher Kirschen gefährliche Pestizide

Die warme Jahreszeit hat begonnen und was gibt es Schöneres, als sich in einen Park zu setzen und ein Joghurt-Eis mit frischen Erdbeeren zu genießen? Oder - je nach Vorliebe - ein gepflegtes Kirschkern-Weitspucken zu veranstalten? Leider sind nicht alle Früchte unbedenklich. Kirschen aus Spanien oder Frankreich enthalten oftmals gefährliche Pestizide. Greenpeace hat in einem Speziallabor Erdbeeren und Kirschen auf 400 verschiedene Pestizide testen lassen.

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Beim Gedanken an Erdbeeren und Kirschen läuft vielen Menschen sogleich das Wasser im Munde zusammen. Gerne essen sie die roten Früchte auch außerhalb der Saison und meinen, sich etwas Gutes zu tun. Doch der Schein trügt. Zwar sind Erdbeeren aus Deutschland und Spanien mittlerweile immer weniger mit gefährlichen Giften belastet, doch bei Kirschen sieht es leider anders aus.

Jeder Deutsche verzehrt im Durchschnitt pro Jahr 3,1 Kilo Erdbeeren und 2,9 Kilo Kirschen in Form von Frischobst, Marmelade, Konserven oder Saft. Die derzeitig angebotenen Erdbeeren enthalten erfreulich geringe Mengen an Pestiziden. Daher rät Manfred Krautter, Chemieexperte von Greenpeace: Essen Sie Erdbeeren. Bei Kirschen dagegen ist Vorsicht geboten. In 73 Prozent der von Greenpeace getesteten Proben steckten Pestizidrückstände. Diese Pestizide haben besonders gefährliche Eigenschaften und können Krebs auslösen oder die Fortpflanzung beeinträchtigen.

Für den aktuellen Greenpeace-Test kauften Greenpeace-Mitarbeiter Ende Mai bundesweit 28 Proben Erdbeeren und 12 Proben Kirschen bei den Supermarktketten Aldi (Aldi-Nord und Aldi-Süd), Edeka (auch Netto), Kaiser´s Tengelmann, Lidl und Kaufland (beide gehören zur Schwarz-Gruppe), Metro (Kaufhof und Real) und Rewe (auch Penny). Zusätzlich wurde in einem kleinen Hamburger Obstladen eine Probe gekauft.

In 4 der 28 Erdbeerproben (14 Prozent) wurden überhaupt keine und bei 24 (86 Prozent) nur geringe Spritzmittelrückstände gefunden. Insgesamt setzt sich der Trend zu geringeren Rückständen bei Obst und Gemüse aus Supermärkten auch bei unseren aktuellen Tests fort. Das ist ein Erfolg der Greenpeace-Pestizidkampagne, sagt Krautter.

Als Reaktion auf umfassende Greenpeace-Tests hatten alle großen deutschen Supermarktketten zwischen 2006 und 2007 verschärfte Standards und Kontrollen eingeführt. So stellte Greenpeace bereits im August 2007 deutlich sinkende Pestizidrückstände bei Tafeltrauben fest. Im ersten Quartal 2008 zeigten behördliche Tests von Paprika deutliche Verbesserungen bei dem bis dahin problematischen Gemüse. Und auch die geringe Menge der jetzt in Erdbeeren gefundenen Pestizide lässt hoffen.

Dennoch bleibt die Gefahr von Pestiziden in Lebensmitteln weiterhin bestehen. Wir haben auch bei diesem Test immer wieder Rückstände besonders gesundheitsschädlicher Pestizide gefunden, die auf den Schwarzen Listen von Greenpeace und Edeka stehen, so Krautter. Nach den Kriterien dieser Schwarzen Listen gelten 46 Prozent der getesteten Kirschen als stark belastet und daher nicht empfehlenswert. Auch wenn hierbei nicht der gesetzlich vorgegebene Höchstschwellenwert überschritten wurde, bleibt die Frage, was der Endverbraucher tun kann, damit er wieder unbeschwert genießen kann.

Wenn Sie Früchte kaufen möchten, die als unbedenklich gelten, achten Sie darauf, in welchem Supermarkt Sie Ihr Obst und Gemüse erwerben. Denn je nach Anbieter gibt es große Unterschiede bei Pestizidrückständen. Ebenso wichtig ist die Herkunft der Produkte. Rund 70 Prozent des in Deutschland verkauften Obstes und Gemüses werden importiert. Produkte, die aus Südeuropa oder Übersee stammen, sind stärker belastet als heimische Ware. Spülen Sie Obst und Gemüse ab, denn hierdurch lässt sich ein kleiner Teil der Pestizide entfernen, immerhin.

Am einfachsten ist es, wenn Sie auf Bioprodukte zurückgreifen, da diese grundsätzlich ohne Pestizide angebaut werden. Gerade für Kleinkindnahrung sollten nur Biowaren verwendet werden.

Greenpeace fordert, dass die Bundesregierung den Landwirten und Handelsketten bei der Umstellung auf nichtchemische Pflanzenschutz-Alternativen unter die Arme greift. Bei der Startveranstaltung zum nationalen Pestizid-Aktionsplan der Bundesministerien für Landwirtschaft und Umwelt Ende Juni in Potsdam müssen dazu wirksame Programme verabschiedet werden.

(Autor: Malte Strathmeier)

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