Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Prost Mahlzeit! Seehofer serviert Programm zur Reduktion von Pestiziden ab

Verbraucherschutz sieht anders aus! Dieses Fazit zieht Greenpeace zusammen mit drei weiteren führenden Umweltverbänden hinsichtlich des neu verabschiedeten Nationalen Aktionsplans zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln durch Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer.

  • /

Greenpeace, NABU (Naturschutzbund Deutschland e.V.), PAN (Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.) und der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) weisen in einer gemeinsamen Presseerklärung vom 22. September darauf hin, dass der vor kurzem vorgestellte Aktionsplan des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMELV) einen schweren Rückschritt für den Schutz von Verbrauchern und Umwelt darstellt.

Grund: Der Seehofer-Plan ersetzt das 2004 von der damaligen grünen Ministerin Renate Künast erlassene Reduktionsprogramm chemischer Pflanzenschutz. Dieses hatte sich vorgenommen, den Einsatz von Pestiziden innerhalb von zehn Jahren um 15 Prozent und Überschreitungen von Pestizidgrenzwerten in Lebensmitteln auf unter ein Prozent zu senken. Diese Zielsetzungen sind im neuen Aktionsplan gestrichen worden.

Die französische Regierung hat vergangenen Dienstag angekündigt, den Pestizideinsatz innerhalb von zehn Jahren um 50 Prozent zu senken. Dagegen ist der Aktionsplan von Minister Seehofer ein Rohrkrepierer, kritisiert Manfred Krautter, Chemieexperte von Greenpeace. Inzwischen wirken die Maßnahmen der Umweltverbände und des Lebensmittelhandels zur Verringerung der Pestizide in Obst und Gemüse. Seehofer setzt diesen Fortschritt nun fahrlässig aufs Spiel.

Nach Ansicht von Carina Weber, Geschäftsführerin von PAN Germany, gibt es nur eine konsequente Antwort auf die neue Verbraucherschutz(ent)täuschung: Sollten die Landwirtschaftsminister ihren Aktionsplan nicht deutlich nachbessern, wird die weitere Mitarbeit unserer Verbände an dem Plan in Frage gestellt.

Alle vier Umweltverbände fordern die Agrarminister von Bund und Ländern jetzt im Vorfeld der Agrarministerkonferenz am 24. September in Meißen verschärft zur Korrektur des Plans auf. Darin muss klar festgelegt sein, wie stark der Einsatz chemischer Pestizide gesenkt werden soll, wie stark nichtchemische Alternativen ansteigen und gefördert werden sollen und wie stark Pestizidrückstände in Lebensmitteln sinken sollen.

Erst im August dieses Jahres hatte Greenpeace den Report Illegale Pestizide in Obst und Gemüse aus Deutschland veröffentlicht. Greenpeace hatte darin Daten des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ausgewertet und insgesamt 59 in Deutschland verbotene Agrargifte in Lebensmitteln aufgespürt. Das BVL selbst hatte bis dahin seine eigenen Daten nicht darauf hin ausgewertet.

Mehr als 2000 Mitmacherinnen und Mitmacher haben bislang bei einer Greenpeace-Aktion im Internet gegen diese Praxis protestiert. Besorgte Verbraucherinnen und Verbraucher forderten die verantwortlichen Minister von Bund und Ländern auf, wirksame Maßnahmen gegen das illegale Geschäft mit gefährlichen Lebensmitteln zu beschließen.

Inzwischen gibt es erste Reaktionen: In einem Brief an die Umweltorganisation kündigte letzte Woche der BVL-Präsident Dr. Helmut Tschiersky-Schöneburg Verbesserungen an. So will die Behörde in Zukunft die von Greenpeace geforderten Auswertungen selbst vornehmen und verstärkt gegen den Einsatz illegaler Pestizide vorgehen.

(Autorin: Simone Wiepking)

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Schadensbegrenzung

Glyphosat ist in der EU weiterhin zugelassen – Minister Schmidt hat es verbockt. Nun muss es wenigstens ein nationales Verbot geben, fordern Aktivisten vor dem Reichstag.

Schlecht beraten

Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt das Pestizid Glyphosat „unbedenklich“ – und vertraut dabei der Einschätzung des Herstellers. Das berichten internationale Medien.

Mehr als Honig

Beim FC St. Pauli wird neuer „Ewaldbienenhonig“ produziert. Ein lustiges Wortspiel. Aber hinter dem Projekt steckt eine ernste Absicht.