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Pestizide raus aus Obst und Gemüse

Update: Die Geschäftsführung des KaDeWe (Kaufhaus des Westen) in Berlin hat das Gespräch mit Greenpeace gesucht. Dabei ging sie auf die Greenpeace-Forderungen ein. Die beanstandeten Frischwaren mit Pestizidrückständen wurden aus dem Regal geräumt.

Es sollen zukünftig umfangreichere Kontrollen ausgeführt werden und von den Lieferanten werden Unbedenklichkeitserklärungen verlangt. Das KaDeWe will die Firmen Kattus und Herta auffordern, mitzuteilen, ob sie bei der Herstellung gentechnisch veränderte Zutaten verwenden oder die Schlachttiere mit genmanipulierten Futter ernährt wurden. Greenpeace begrüßt diese Zusagen als ein Schritt in die richtige Richtung. Die Aktion ist bereits beendet und das Banner wieder abgenommen. (14:00 Uhr)

Hamburg/Berlin (mir) - Ein ganz neues Aussehen zeigt der größte Konsumtempel Deutschlands am Freitagmorgen in Berlin. Rund 60 Greenpeace-Aktivisten befestigten an der Fassade des KaDeWe (Kaufhaus des Westens) ein sechs mal elf Meter großes Banner mit der Aufschrift: Gift und Gentechnik - Alles muss raus!

Vor dem Kaufhauseingang präsentieren die Aktivisten Obst und Gemüse sowie Produkte von Gentechnik-verdächtigen Lebensmittelherstellern aus dem KaDeWE in einem zwei Meter hohen Reagenzglas. Hintergrund: Jede fünfte Obst- und Gemüseprobe aus dem Berliner KaDeWe überschreitet die gesetzlichen Pestizid-Grenzwerte.

Das ergab eine Untersuchung des EinkaufsNetzes, der Greenpeace-Verbraucherorganisation. In Trauben, Kopfsalat, Erdbeeren und Zucchini wurden sogar Giftcocktails mit bis zu acht Pestiziden gefunden. Zudem warnt Greenpeace vor Wurstwaren und Produkten von Firmen wie Herta und Kattus, die möglicherweise gentechnisch manipulierte Zutaten einsetzen.

Das KaDeWe ist nur die Spitze des Eisberges. Der gesamte Lebensmittelhandel hat ein massives Qualitätsproblem, sagt Corinna Hölzel vom EinkaufsNetz. Das verseuchte Obst und Gemüse zeigt, dass die Landwirtschaft in eine völlig falsche Richtung läuft. Händler und Supermarktketten müssen dafür sorgen, dass die Kunden einwandfreie Ware erhalten.

Lebensmittelhändlern und Supermarktketten ruft Greenpeace deshalb dazu auf, die gesetzlichen Grenzwerte einzuhalten. Mittelfristig sollen sie nur Lebensmittel ohne Pestizide und Gentechnik anbieten. Zudem müssen die Behörden stärker kontrollieren.

Bei einer Umfrage unter deutschen Lebensmittelproduzenten stellte das EinkaufsNetz im Juli fest, dass die meisten auf jegliche Zutaten aus genmanipulierten Organismen verzichten. Doch einige Firmen wollten keine Garantie abgeben, darunter Kattus mit seinen Marken Fuego, Bamboo Garden und Lacroix. Auch der Wurst- und Fleischhersteller Herta weigert sich zu versichern, dass die Tiere, deren Fleisch er verarbeitet, Futter ohne genmanipulierte Bestandteile erhalten.

Wer Essen ohne Pestizide und Gentechnik kaufen will, kann nur bei Bio-Produkten sicher sein, sagt Manfred Krautter, Chemieexperte bei Greenpeace. Wegen der überschrittenen Grenzwerte im KaDeWe hat Greenpeace die Berliner Lebensmittelüberwachungsbehörde und die Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz alarmiert.

Außerordentlich ärgerliche Tatsache: Schon seit Jahren überschreiten rund vier Prozent der in der EU verkauften Lebensmittel die gesetzlichen Pestizid-Grenzwerte; bei einigen Obst- und Gemüsearten sind es sogar über 20 Prozent. Viele der Pestizide sind Krebs erzeugend, können das Hormonsystem schädigen und gefährden vor allem die Gesundheit der Kinder.

Kompakte Informationen zum Skandal im KaDeWe (PDF, 27 kb).

Weitere und ausführliche Informationen finden Sie auf den Seiten des Greenpeace-EinkaufsNetzes und der Verbraucherkampagne 2003.

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