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Pestizidbelastung in Erdbeeren sinkt

Nach einem aktuellen Greenpeace-Test ist die Belastung von Früh-Erdbeeren mit Pestiziden deutlich gesunken. Es gab zwei Ausreißer: Eine konventionelle Probe von Lidl lag über der sogenannten Akuten Referenzdosis. Eine der Proben aus biologischem Anbau überschritt den Bio-Höchstwert.

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Entwarnung kann aber trotz der Testergebnisse nicht gegeben werden. Immerhin wurden immer noch in 21 von 27 Proben aus konventionellem Anbau Pestizidrückstände gefunden. Die Überschreitung von Grenzwerten ist im Vergleich zu den vergangen Jahren jedoch zurückgegangen.

Von den Proben aus sechs führenden deutschen Supermarktketten wurden in diesem Jahr lediglich sieben Prozent als nicht empfehlenswert beurteilt. 2004 traf das noch auf 14 Prozent, 2005 auf elf Prozent der untersuchten Waren zu.

Die großen deutschen Supermarktketten haben zwar auf die Greenpeace-Pestizidkampagne der vergangenen Jahre reagiert. Zwischen 2006 und 2007 haben sie die Standards und Kontrollen für Pestizidrückstände verschärft. Trotzdem wurden beim aktuellen Test zwei bedenkliche Proben gefunden.

Zum einen wurde bei einer Warenprobe von Lidl in Hannover die Akute Referenzdosis (ARfD) überschritten. Für Kinder können diese Beeren akut gesundheitsgefährdend sein. Zum anderen wurde auch in einer Probe von Bio-Erdbeeren in Hamburg der gesetzlich zulässige Bio-Höchstwert übertreten. Die Beeren hätten somit nicht mit der Bezeichnung Bio verkauft werden dürfen.

Die Rückstände auf Bio-Erdbeeren könnten auch aus Verwehungen von gespritzten Nachbarfeldern stammen. Damit Bio drin ist, wo Bio draufsteht, müssen Produktion und mögliche Rückstände an den Beeren stärker kontrolliert werden. Greenpeace fordert die Bio-Branche auf, diese Kontrollen strikt durchzuführen.

Auch Erdbeeren der Marke Best Alliance sind mit Vorsicht zu genießen. Im Durchschnitt waren die Proben zwar geringer belastet. Aber sie wiesen Rückstände besonders gefährlicher Pestizide auf. Die Marke Best Alliance wird seit 2008 von Rewe verkauft. Sie wird in Zusammearbeit mit dem Chemiekonzern BASF, der Naturschutzorganisation WWF und spanischen Vertragsbauern produziert. In Reaktion auf die Testergebnisse wird Rewe die Liste der im Anbau zulässigen Pestizide überarbeiten.

Die deutschen Verbraucher bekommen endlich weniger Gift auf den Teller, freut sich Greenpeace-Chemieexperte Manfred Krautter. Trotzdem lässt der Test Fehler bei der Festlegung von Grenzwerten sichtbar werden. Gesundheitsgefährdende Ware kann immer noch legal verkauft werden. Auch wenn die ARfD überschritten wird, bedeutet das nicht zwangsläufig die Überschreitung der in Deutschland zulässigen Höchstmenge.

Die Grenzwerte werden in Deutschland vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit festgelegt. Greenpeace fordert den zuständigen Minister Seehofer auf, Verantwortung zu übernehmen und die Grenzwerte sofort überprüfen zu lassen. Auf der Schwarzen Liste hat Greenpeace 327 Pestizide aufgeführt, die nicht mehr eingesetzt werden sollten.

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