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Pestizid-Paprika in drei Bundesländern

Lidl, Tengelmann und Netto haben Gemüsepaprika verkauft, die mit hohen Rückständen des Wachstumsregulators Ethephon belastet sind. Bei drei von 30 Proben wurden die von Greenpeace beauftragten Labore fündig: Sie überschreiten den gesetzlichen Höchstgehalt für Ethephon, eine Probe sogar die akute Referenzdosis (ARfD).

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Ethephon kann eingesetzt werden, um die Fruchtreife zu beschleunigen. Die untersuchten Paprika sind im spanischen Winter nicht schnell genug gelb und rot geworden, erklärt Manfred Santen, Pestizidexperte von Greenpeace. Um den Paprika-Mix in allen drei Farben verkaufen zu können, haben die Produzenten mit Chemie nachgeholfen. Die Gefahr: Bei überhöhten Rückständen kann Ethephon Reizungen auf Haut und Schleimhäuten hervorrufen. Wird das Pestizid in großen Mengen verzehrt, wirkt es als Nervengift.

Am 8. Januar 2011 hatten Greenpeace-Aktivisten Paprikaproben in Hamburg, Köln/Bonn, Leipzig, Berlin, München und Frankfurt gekauft. Die Paprika-Mischungen - auch "Mix-Paprika Tricolor" genannt - stammen von Rewe, Edeka (Netto), Metro, Aldi, Lidl, Kaufland und Tengelmann. Die Proben überprüfte ein akkreditiertes Speziallabor für die Untersuchung von Pestizidrückständen in Lebensmitteln. Die Messergebnisse wurden zudem in einer zweiten Untersuchung abgesichert.

Höchstmenge überschritten

Die gesetzlich erlaubte Höchstmenge für Ethephon in Gemüsepaprika liegt aktuell bei 0,05 mg / kg. In München, Bonn und Köln fanden die Forscher eine deutliche Übertretung dieses Grenzwertes:

  • Paprika Mix, Lidl, Bergisch Gladbacher Straße 190, Köln: 0,63 mg/kg Rückstand
  • Paprika Tricolor Ejidomar, Tengelmann, Schlierseestraße 23, München: 0, 76 mg/kg Rückstand
  • Paprika Tricolor Ejidomar, Netto (Edeka), Ellesdorferstraße 39, Bonn: 4 mg/kg Rückstand

Letztere Probe überschreitet mit 4 mg/kg sogar die akute Referenzdosis - auch ARfD abgekürzt. Bei dieser Dosis kann bereits eine einmalige Aufnahme die Gesundheit schädigen. Besonders Kinder sind gefährdet. Verbraucher können beim Kauf auf grüne Schattierungen bei der Paprika achten - ein Zeichen für eine erhöhte Ethephon-Dosis.

Rückrufaktion bei Lidl

Lidl hatte am 15. Januar die Sorte "Spanischer Paprika Mix" zurückgerufen. Diese wurden in Filialen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen verkauft.

Die Pestizid-Eigenkontrolle der Supermarktketten schützt die Verbraucher nur dann, wenn die Testergebnisse umgehend und lückenlos veröffentlicht und die notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, sagt Santen. Greenpeace fordert alle Supermarktketten auf, Paprika umgehend zu kontrollieren und belastete Ware zurückzurufen.

Publikationen

Pestizide in Paprika

Rund ein Drittel der in acht großen deutschen Supermarktketten angebotenen Paprikaschoten sind bedenklich mit Pestizidrückständen belastet. Von den insgesamt 13 untersuchten Proben stammten 11 aus konventionellem und zwei aus biologischem Anbau. Wichtigste Importländer für Paprika sind Spanien, die Türkei und die Niederlande.

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