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Lidl: Keine Trauben wegen schlechten Wetters?

Herbstzeit ist Traubenzeit: Überall locken wieder die leckeren süßen Früchtchen. Doch bei Lidl gibt es nur Bio-Trauben oder leere Regalfächer. Herkömmliche Trauben könnten nicht geliefert werden, so der Discounter auf einem Hinweisschild im Obstregal: Wegen Nebels und schlechten Wetters gebe es in Spanien, Italien, Griechenland und der Türkei Schwierigkeiten mit der von Lidl geforderten Qualität!

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Greenpeace-Chemie-Experte Manfred Krautter weiß, worum es wirklich geht: Seit Jahren ist bekannt, dass vor allem die Tafeltrauben aus dem Mittelmeerraum stark mit Pestiziden belastet sind. Das haben auch unsere Tests immer wieder gezeigt. Lidl hatte Greenpeace bereits am Montag dieser Woche über das bundesweite Auslisten konventionell angebauter Trauben wegen anhaltender Probleme mit zu hohen Pestizidbelastungen unterrichtet.

Bei der letzten großen Greenpeace-Untersuchung von Supermarkt-Obst und -Gemüse aus dem Jahr 2005 hatte es zwei große Verlierer gegeben: Lidl und die Tafeltrauben. Lidl bildete das Schlusslicht im Supermarktranking. In Trauben fanden sich am meisten Pestizide: 60 Prozent der untersuchten Ware war stark bis sehr stark belastet!

Dass Lidl jetzt keine Trauben aus konventionellem Anbau verkauft, zeigt ein wachsendes Problembewusstsein bei dem Billigsupermarkt. Lidl sollte sich jedoch nicht scheuen, das Pestizidproblem auch beim Namen zu nennen. Und auch andere Supermärkte und Discounter müssen endlich reagieren, fordert Manfred Krautter. Sonst laufen Verbraucher auch weiterhin Gefahr, mit jeder Traube eine Extraportion Gift zu sich zu nehmen.

Vor allem Kinder sind durch die hohen Pestizidbelastungen gefährdet. Im letzten Greenpeace-Test waren Trauben häufig so stark belastet, dass ein Kind schon nach dem Verzehr von wenigen Einzelbeeren eine akute Schädigung des Hormon- oder Nervensystems befürchten musste. Denn in vielen der untersuchten Proben wurde die so genannte Akute Referenzdosis(ARfD) bis zum Vierfachen überschritten - ein Zustand, den auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) für nicht akzeptabel hält.

Die Akute Referenzdosis wird vom BfR und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegt. Sie beschreibt die Menge einer Substanz, die mit einer Mahlzeit oder innerhalb eines Tages aufgenommen werden kann, ohne ein gesundheitliches Risiko für den Konsumenten darzustellen. Bereits bei einmaliger Überschreitung dieses Grenzwertes besteht die Gefahr von Gesundheitsschäden. Greenpeace rät daher besonders bei Problemprodukten wie Tafeltrauben zum Kauf von Bio-Ware.

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