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Giftiges Kochsalz - ungiftige Pestizide?

Nach den Maßstäben von Greenpeace müsste [..] auch Kochsalz verboten werden. Denn in hoher Dosierung kann es tödlich wirken, so der Industrieverband Agrar (IVA). Mit dieser Falschdarstellung reagiert die Pestizidindustrie auf den im Juni veröffentlichten Greenpeace-Bericht Schmutzige Portfolios. Er legt dar: Im Spritzmittelangebot von Bayer, Monsanto und Co. sind keine harmlosen Wässerchen. Greenpeace hat Kochsalz bewerten lassen und heute gegen den IVA eine Unterlassungsklage eingereicht.

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Wir haben die Äußerung des IVA zum Anlass genommen und Kochsalz nach den gleichen Kriterien untersuchen lassen, wie die Pestizide, die wir aufgrund ihrer Gefährlichkeit auf eine Schwarze Liste gesetzt hatten. Diese diente als Grundlage für die Berwertung der Verkaufsprogramme der führenden Pestizidhersteller.

Kochsalz erfüllt die Kriterien für die Aufnahme in der Schwarze Liste bei weitem nicht [...]. So kann Kochsalz gemäß dem angewendeten Bewertungssystem nicht als besonders gefährlicher Stoff bezeichnet werden und würde in der Schwarzen Liste nicht auftauchen. [...] Die Behauptung, 'nach den Maßstäben von Greenpeace müsste allerdings auch Kochsalz verboten werden', ist somit falsch. Das ist das Fazit von Wolfgang Reuter - Autor der Studie.

Bei den Spritzmitteln der Hersteller Bayer, Syngenta, Monsanto, BASF und Dow Chemical sieht das in der Studie veröffentliche Ergebnis hingegen so aus: 243 der 512 Spritzmittel gefährden Mensch und Natur besonders stark.

Greenpeace hatte den IVA aufgefordert, die Behauptung zurückzunehmen, da sie suggeriert, Greenpeace würde willkürliche Bewertungen vornehmen. Der IVA hat jedoch am Montag in einem offenen Brief erklärt, weiterhin bei der Behauptung zu bleiben. Dagegen hat Greenpeace nun eine einstweilige Verfügung gegen den Industrieverband beim Landgericht Hamburg beantragt.

Dass Pestizide nicht ohne sind, hat auch die EU-Politik erkannt. Anfang Juli haben die EU-Agrarminister entschieden, künftig keine Wirkstoffe mehr zulassen zu wollen, die Krebs erregen, das Erbgut verändern oder die Fortpflanzung schädigen können. Und das EU-Parlament, das nun abstimmen muss, hatte bereits im Vorfeld weiterreichende Forderungen gestellt.

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