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EU-Informationspolitik zu Pestiziden lahmt

Die EU-Kommission wird in den kommenden Wochen einen Bericht zur Pestizidbelastung von Obst und Gemüse in den Mitgliedsländern veröffentlichen. Eine Vorabversion des Monitoring of Pesticide Residues in Products of Plant Origin, 2006 liegt Greenpeace vor. Manfred Krautter, Greenpeace-Chemieexperte bei Greenpeace, kommentiert die Stellungnahme.

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Die lahme Informationspolitik der EU ist ein Unding. Wer 22 Monate nach dem Verzehr einer Traube von deren gesundheitsschädlicher Giftfracht erfährt, hat keine Chance, sich zu schützen. Noch nie steckten so viele gefährliche Pestizide in den Lebensmitteln der EU, wie im Jahr 2006.

Das in Deutschland verkaufte Obst und Gemüse sei sogar noch deutlich stärker belastet gewesen als im EU-Durchschnitt, kritisiert der Cheimieexperte. Bisher habe es die EU und ihre Mitgliedstaaten versäumt, gegen diese Jahr für Jahr steigenden Belastungen vorzugehen. Immer größer werden so die Risiken für die Gesundheit der EU-Bürger.

Die EU muss handeln, fordert Krautter. Das jetzt in Brüssel debattierte neue Zulassungsrecht für Pestizide muss die Vermarktung besonders gefährlicher Pestizide und solcher, die Lebensmittel häufig belasten, unterbinden. Und die Bundesregierung muss ihr industriehörige Blockadehaltung gegen solche Verbesserungen aufgeben. Zudem müssen die Mitgliedsländer endlich wirksam gegen Produzenten und Vermarkter zu stark belasteter Lebensmittel vorgehen und deren Namen und Verstöße öffentlich bekannt machen.

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