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Update vom 15.02.2007

Ertappter Handel ärgert sich über Supermarktvergleich

Das rege Interesse an unserem Supermarktvergleich zeigt uns, dass die Menschen wissen wollen, was ihnen zum Essen vorgesetzt wird. Denn wer möchte schon gern giftige Pestizide schlucken? Das scheint beim deutschen Lebensmittelhandel noch nicht angekommen zu sein. Der Deutsche Fruchthandelsverband e.V. beschwert sich beispielsweise, dass wir nicht Geschmack, Reife und Frische der Früchte untersucht haben.

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Auch die in unserem Vergleich auf den letzten Plätzen gelandeten Handelsketten Edeka und Rewe reagieren bitterböse. Ihnen fällt nichts besseres ein, als auf ihre eigenen Bestimmungen hinzuweisen. Doch gerade die scheinen ja nur auf dem Papier zu stehen - sonst wären wir sicher nicht fündig geworden.

Der Gedanke, dass jetzt konkrete Maßnahmen zur Pestizidreduktion gefragt sind, scheint den Managern der Handelsgruppen noch nicht gekommen zu sein. Doch der Ansturm, der derzeit auf unseren Einkaufsratgeber Essen ohne Pestizide losgegangen ist, wird sicher bald auch die Händler erreichen. Viele Anrufer teilten uns mit: "Da gehe ich jetzt nicht mehr einkaufen."

Unser Artikel vom 14. Februar 2006:

Grünkohl, Orangen und Zwiebeln stehen noch auf dem Einkaufszettel. Nehmen Sie den kürzeren Weg zu Aldi links die Straße rauf? Oder doch schnell zu Edeka - da ist die Schlange an der Kasse vielleicht nicht so lang. Wir raten: Werfen Sie lieber einen kurzen Blick in unseren neuen Ratgeber Essen ohne Pestizide, bevor Sie sich entscheiden. Denn unser aktueller Supermarkttest zeigt, in welchen Supermärkten Obst und Gemüse besonders stark belastet ist und in welchen weniger. Demnach laden Sie sich bei Kaisers/Tengelmann, Edeka und Rewe jede Menge Pestizide in den Einkaufswagen.

Lidl, noch 2005 das Schlusslicht des Greenpeace-Tests, schneidet zusammen mit Aldi diesmal am besten ab. Lidl musste damals empfindliche Umsatzeinbußen hinnehmen und zog Konsequenzen, wie schärfere Kontrollen, um die Kunden zurückzugewinnen.

Die Handelsketten können offenbar sehr schnell auf bessere Ware umstellen, wenn sie nur wollen, kommentiert Manfred Krautter, Chemie-Experte von Greenpeace, den Qualtitätssprung des Discounters. Uneingeschränkt empfehlenswert ist allerdings nur Bio-Ware.

Keine Entwarnung - nach wie vor zu viele Pestizide

Der Zeitpunkt für eine allgemeine Entwarnung ist noch lange nicht gekommen: Im Obst und Gemüse der Supermärkte stecken nach wie vor zu viele Pestizide. Kein Angebot der getesteten Supermärkte war befriedigend, sagt Krautter. So stuft Greenpeace immerhin noch 16 Prozent des bei Lidl untersuchten Obst und Gemüses als nicht empfehlenswert ein. Bei Tengelmann sind es sogar 34 Prozent der Produkte.

Ein weiteres sehr unbefriedigendes Ergebnis des neuen Tests: Bei zwölf Prozent der insgesamt 576 untersuchten Proben wurden sogar die gesetzlichen Höchstmengen erreicht oder überschritten. In zwei Prozent der Proben, vor allem in Trauben und Kopfsalat, stecken so hohe Belastungen, dass ihr Verzehr die Gesundheit von Kleinkindern gefährden kann.

Strafanzeige gegen Vorstände der Handelsketten

So ist für die Pestizidbelastung nicht nur entscheidend, wo eingekauft wird, sondern auch was eingekauft wird. Paprika, Trauben und Salat sind häufig stark belastet - Bananen, Kiwis oder Kartoffeln eher weniger. Auch das Herkunftsland auf dem Etikett gibt Auskunft. Tomaten aus Italien schneiden beispielsweise in unserem Ratgeber schlecht ab.

Da das von Greenpeace beauftragte Labor wiederholt Rückstände illegaler Pestizide gefunden hat, erstattete Greenpeace Strafanzeige gegen die Vorstände der Handelsketten und fordert für die Verantwortlichen die Aberkennung des Gewerberechts.

Ratgeber bestellen

Den kostenlosen Einkaufsratgeber Essen ohne Pestizide können Sie postalisch,

 

per E-Mail oder telefonisch bestellen - Rufnummer 040/306 18 120 - oder als PDF herunterladen (siehe Links unten). Er vergleicht nicht nur Supermärkte, sondern informiert auch darüber, welche Obst- und Gemüsesorten kaum belastet sind und welche Herkunftsländer empfehlenswert sind.

Machen Sie mit

Schicken Sie den Pestizid-Schlusslichtern Edeka, Kaiser's/Tengelmann und Rewe

 

eine Protestmail und fordern Sie giftfreies Essen.

 

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