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Die giftigen Pestizidpaletten der Agrochemiekonzerne

Fünf Agrochemiekonzerne, fünf Pestizid-Riesen auf dem Weltmarkt: Bayer gefährdet Mensch und Umwelt am meisten und führt damit die Riege an. Monsanto hat den kleinsten Marktanteil, aber die schwärzeste Produktpalette. Alle fünf gefährden ganz erheblich Gesundheit und Umwelt. Zu diesem Ergebnis kommt der Greenpeace-Report Die schmutzigen Portfolios der Pestizidindustrie.

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Die Konzerne Bayer (Deutschland), Syngenta (Schweiz), Monsanto (USA), BASF (Deutschland) und Dow Chemical (USA) decken 75 Prozent des Weltmarkts ab. Zusammen verkaufen sie weltweit 512 Pestizide. Im Report vergleicht Greenpeace erstmals die Pestizid-Verkaufsprogramme der fünf Unternehmen auf der Basis von Umwelt- und Gesundheitkriterien.

Bei der Untersuchung der Wirkstoffe wurden drei Kriterien zugrundegelegt: Welche Gefahreneigenschaften für Menschen und Umwelt sind bekannt? Sind die Toxizitätsdaten in wichtigen Datenbanken öffentlich zugänglich und somit bewertbar? Sind Rückstände der Pestizide in Lebensmitteln mit den vorhandenen Routineverfahren feststellbar?

Ein Ergebnis: Im Schnitt stecken 46 Prozent besonders kritische Stoffe in den Pestizid-Portfolios der Multis. 243 der 512 Spritzmittel gefährden Mensch und Natur besonders stark.

Unser Ranking zeigt, wie giftig die Geschäfte der führenden Agrochemie-Konzerne noch immer sind, sagt Greenpeace-Chemieexperte Manfred Krautter. Um unsere Gesundheit zu schützen und den Verlust von Tier- und Pflanzenarten einzudämmen, müssen die Politiker jetzt das EU-Pestizidrecht verschärfen.

Derzeit verhandelt die EU ein neues Zulassungsrecht für Pestizide - eine Chance, die es nur alle zehn bis 15 Jahre gibt. Einige Agrarminister, darunter der deutsche Landwirtschafts- und Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU), sträuben sich gegen wichtige Verbesserungen.

Spritzmittel, die Krebs erregen, das Erbgut verändern, die Fortpflanzung, das Hormon- oder Nervensystem schädigen können, dürfen nicht mehr zugelassen werden, fordert Krautter. Pestizide, die Bienen oder das Leben in Gewässern schädigen, müssen vom Markt verbannt werden. Bisher will die Chemieindustrie mit ihrer geballten Lobbymacht selbst für solche Gifte die Zulassung durchsetzen.

Für den Umwelt- und Gesundheitsschutz ebenfalls problematisch: Für 16 Prozent der verkauften Pestizidwirkstoffe gibt es nur unzureichende öffentliche Informationen über ihre Giftwirkungen. Und selbst die besten EU-Labors können mögliche Pestizidrückstände in Lebensmitteln bei 42 Prozent der Stoffe mit den heute eingesetzten Routineverfahren nicht nachweisen.

Pestizide finden sich in der Umwelt, in Lebensmitteln, die wir essen und in unseren eigenen Körpern. Das ist eine tickende Zeitbombe für unsere Gesundheit sowie für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten, erklärt Krautter.

Das Portfolio mit dem höchsten Anteil von für Mensch und Umwelt besonders schädlichen Spritzmitteln weist mit 60 Prozent der US-Agrarkonzern Monsanto auf. Da er den geringsten Marktanteil der fünf Konzerne hat, nimmt Monsanto in der Gesamtwertung jedoch einen mittleren Platz ein. In der Gesamtwertung des Rankings werden neben schädigenden Eigenschaften auch die verkauften Pestizidmengen berücksichtigt.

In das aktuelle Ranking gingen die Daten der im Januar und Februar 2008 veröffentlichten Greenpeace-Studien Schwarze Liste der Pestizide und Grenzen der Pestizidanalytik ein. Alle fünf Konzerne hatten Anfragen von Greenpeace nach den von ihnen weltweit verkauften Pestizidwirkstoffen abgewiesen.

Mitmachen: Nächste Woche stimmen sich die EU-Agrarminister über eine gemeinsame Position zum Pestizidrecht ab. Schicken Sie daher Minister Seehofer eine Mail: Er darf Verbesserungen nicht weiter blockieren, sondern muss sich für den Schutz unserer Gesundheit und der biologischen Vielfalt vor giftigen Pestiziden einsetzen. Hier gelangen Sie zu unserer Mitmachaktion auf www.einkaufsnetz.org.

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