Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Autor: Christiane Huxdorff

Chronik und Wirkung der Greenpeace-Pestiziduntersuchungen

Hier haben wir für Sie kurz zusammengestellt, was wir in den vergangenen Jahren an Pestiziduntersuchungen durchgeführt haben und wie wir diese veröffentlicht haben. Auch die Reaktionen des Handels darauf sind in dieser Chronik enthalten.
  • /

April 2005
Erster Greenpeace Einkaufsratgeber zu Pestizidrückständen erscheint

Mit dem Einkaufsratgeber Essen ohne Pestizide(1) zeigt Greenpeace wie Verbraucher im Supermarkt Obst und Gemüse auswählen können, das möglichst frei ist von giftigen Pestizid-Rückständen. Die Broschüre im Taschenformat führt für die 48 wichtigsten Obst- und Gemüsearten auf, aus welchen Herkunftsländern besonders stark gespritzte Ware kommt und bei welchen nur mit geringen Pestizidbelastungen zu rechnen ist. Dafür wurden behördliche Daten aus den Jahren 2002-2004 ausgewertet.

November 2005
Greenpeace gibt den ersten Einkaufsratgeber mit Supermarktvergleich raus.(2)

Die Handelskette Lidl und der Metro-Konzern mit seiner Kette Real verkaufen in Deutschland das am stärksten mit giftigen Pestiziden belastete Obst und Gemüse. In einem bisher einzigartigen Großtest schnitt die Frischware des österreichischen Marktführers Billa (in Deutschland REWE), gefolgt vom deutschen Discounter Aldi, am besten ab. Dabei wurden insgesamt 658 Proben der führenden deutschen Supermarktketten in Deutschland auf Pestizide getestet. Es handelte sich dabei um 8 identische saisontypische Lebensmittel: drei Obst- und fünf Gemüsearten.

Dezember 2005
Ohne Pestizide Kampagne in Spanien(3)

(...) Almerias Bauern bereiten sich auf die sin-Kampagnen vor. sin heißt ohne Rückstände. Der Lernprozess hat begonnen und in ein paar Jahren werden Greenpeace, Ökotest, Warentest und die Medien weniger Druckerschwärze brauchen, denn neue, bereits in Nutzung befindliche Pflanzenschutz-Technologien greifen. Wie sagte noch der Chef der Delegation, ... Aliaga, auf dem Obst und Gemüseseminar in Valencia: wir können bereits weitgehend oder total rückstandsfreie Produkte liefern, auch Paprika, aber der europäische Lebensmitteleinzelhandel muss sie fordern und entsprechend bezahlen.(...)

Januar 2006
Pestizidreduktionsprogramm bei Lidl

Lidl informiert die Öffentlichkeit darüber, ein Pestizidreduktionsprogramm einzuführen. Pestizidrückstände in Obst- und Gemüseprodukten werden nur bis zu maximal einem Drittel der Höchstmenge akzeptiert und der ARfD-Wert darf nicht überschritten werden. Alle Lieferanten müssen nach EurepGap bzw. QS zertifiziert werden.

20. April 2006
Bio bei Lidl

Lidl führt seine Bio-Eigenmarke Bioness offiziell ein.

2006 im Laufe des Jahres
Verschärfung der Standards bei tegut...

Das Handelsunternehmen tegut... führt verschärfte Standards für Pestizidrückstände in Obst und Gemüse ein und erweitert kontinuierlich das Angebot an Bio-Ware.

2006 im Laufe des Jahres
Verschärfung der Standards bei Aldi

Aldi führt verschärfte Standards für Rückstände von Pestiziden bei Obst und Gemüse ein. Die Pestizidrückstände dürfen maximal 80 Prozent des Grenzwertes für eine akute Gesundheitsgefährdung (ARfD), maximal drei bis fünf Wirkstoffe pro Produktgruppe und maximal 80 Prozent der gesetzlichen Höchstmenge erreichen.

24. August 2006
Edeka beteiligt sich an Kontrollsystem

Laut Lebensmittelzeitung will die Edeka Gruppe ab September alle nationalen und regionalen Obst- und Gemüselieferanten in das Kontrollsystem des Untersuchungsrings beim Deutschen Fruchthandelsverband (DFHV) einbinden.

10. Oktober 2006
Der Handel setzt auf Qualitätssicherungssysteme

(...) Die Breite der Beteiligung, eine internationale Ausrichtung und insgesamt rund 90.000 QS-Partner, die sich für die geprüfte Qualitätssicherung engagieren, zeigen den Erfolg der freiwilligen Selbstkontrolle. Neben der weiteren Expansion des QS-Systems liegt zukünftig ein Fokus auf dem Ausbau der Monitoringprogramme. (...) Bei frischem Obst und Gemüse zählt das QS-System derzeit ca. 10.700 Systempartner. Davon gehören rund 5.800 der Stufe Produktion, 200 der Stufe Frucht- bzw. Kartoffelgroßhandel und über 4.600 der Stufe Lebensmitteleinzelhandel an. Der Anteil an QS-zertifiziertem Gemüse an den deutschen Erzeugermärkten umfasst ca. 72 Prozent. Im Bereich Speisekartoffeln umfasst er etwa 70 Prozent und beim Obst rund 60 Prozent. (...)(4)

27. Oktober 2006
Rasche Pestizidreduktion ist möglich

Eine Studie der Universität Bonn zu Minimierungsansätzen des Handels von Pestizidrückständen in Obst und Gemüse (6) bestätigt, dass rasche Pestizidreduktion im Einzelhandel möglich ist:

- Der Studie zufolge haben Interessengruppen wie Greenpeace medienwirksam Grenzwertüberschreitungen von Rückständen bei Obst und Gemüse kommuniziert. Damit wurden ... im Lebensmitteleinzelhandel immer wieder krisenhafte Ereignisse mit weitreichenden finanziellen Folgen ausgelöst.

- Die Studie schildert ausführlich die Reaktionen und neuen Strategien des Handels zur Lösung des Problems, z.B. die Einführung neuer Standards, Zertifizierungssysteme, Kooperationen mit der Lebensmittelüberwachung.

- Rasche Pestizidreduktion ist offenbar möglich: Lidl hat für die Studie tausende eigene Untersuchungen zur Verfügung gestellt. Diese wurden von den Autoren ausgewertet: Die ... Ergebnisse zeigen auf, dass es den Produzenten insgesamt möglich war, die neuen Anforderungen umzusetzen und ... eine rasche Reduzierung der Wirkstoffkonzentrationen zu erreichen. ... Die ...Ergebnisse zeigen, dass es den meisten Obst- und Gemüseproduzenten möglich ist, Rückstände rasch zu reduzieren, wenn Abnehmer dies fordern....

19. Januar 2007
Qualitätsverbesserung bei Lidl(6)

(...) Imagepflege steht bei Deutschlands expansivstem Discounter, Lidl, derzeit ganz oben auf der Agenda. Die Neckarsulmer wollen besonders hinsichtlich der Produktqualität nicht nur besser sein als die Mitbewerber, sie wollen dies nun auch öffentlich kundtun. Um ihre Leistungsfähigkeit als Lebensmittelvermarkter zu demonstrieren, nutzen die Neckarsulmer erstmals die Grüne Woche als Plattform.

Lidl Discount will sein Negativimage ein für alle Mal los werden und Kritikern keine Angriffsflächen mehr bieten. Daran arbeiten die Neckarsulmer seit gut einem Jahr mit Hochdruck. Dabei besetzt das Unternehmen inzwischen in Sachen Qualität eine Vorreiterrolle für die gesamte Branche. (...)

26. Januar 2007
Spanien: Labors drohen in Arbeit zu versinken(7)

(...) Die zur Lebensmittelkontrolle eingesetzten Labors in der Provinz Almería drohen in Arbeit zu versinken, seit die andalusische Regierung Ende Dezember anordnete, dass keine ungeprüfte Paprika mehr ausgeführt werden dürfe. Im Labor UIS Ibérica hat sich die Zahl der pro Woche durchgeführten Analysen von ungefähr 3.000 auf 14.000 erhöht und die Wartezeit für die Ergebnisse entsprechend von zwei auf fünf Tage, teilte die Leiterin Mar Ridao mit. (...)

02. Februar 2007
Verschärfung der Standards bei REWE

Die REWE Group verschärft Anforderungen an Lieferanten von Obst und Gemüse - Maximal noch 70 Prozent des gesetzlichen Höchstwertes zulässig - ARfD-Grenzwerte bindend - Sanktionen bis hin zur dauerhaften Auslistung. (...)(8), ist in einer REWE-Presseerklärung vom 2. Februar 2007 zu lesen.

14. Februar 2007
Greenpeace gibt den zweiten Einkaufsratgeber mit Supermarktvergleich raus(9)

Die Supermarktketten Kaisers/Tengelmann, Edeka und Rewe verkaufen das am stärksten mit giftigen Pestiziden belastete Obst und Gemüse in Deutschland. Das ist das Ergebnis eines Tests von Greenpeace. In der bisher größten unabhängigen Untersuchung von Obst und Gemüse schneiden die Billigketten Lidl und Aldi dagegen am besten ab. Die Ware der drei Schlusslichter weist drei bis fünf Mal mehr Überschreitungen der Grenzwerte auf. Kaufhof, Real und Billa (Rewe Österreich) liegen im Mittelfeld. Dabei wurden 576 Proben auf Pestizidrückstände untersucht. Es handelte sich um 4 Obst- und 4 Gemüseprodukte.

14. Februar 2007
Der Absatz von Bio-Ware boomt(10)

(...) Der Markt um Bio-Produkte boomt. Angesichts immer neuer Meldungen über Mängel in Lebensmitteln erhoffen sich viele einen Vorteil für die Gesundheit. Wie groß das Interesse an Bio- Produkten ist, zeigt auch die hohe Zahl von Ausstellern auf der BioFach. Die Messe beginnt am Donnerstag in Nürnberg. (...)

14. Februar 2007
Nachfrage nach Bioprodukten übersteigt Angebot(11)

(...) Die deutschen Landwirte können die stark wachsende Nachfrage nach Bioprodukten nicht mehr decken. Wir brauchen dringend mehr Bio-Landwirte, sagte Geschäftsführer Alexander Gerber vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) am Mittwoch in Nürnberg. Während der deutsche Bio-Markt seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 16 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro gesteigert habe, sei die Zahl der Öko-Landwirte lediglich um 0,4 Prozent auf 9645 gestiegen.

(...) Starken Anteil am Bio-Boom haben Dosch zufolge der Lebensmitteleinzelhandel und die Discounter. Aber auch Bio- Supermärkte verzeichneten Umsatzzuwachse von bis zu 25 Prozent. Der deutsche Bio-Markt sei mit einem Anteil von 27 Prozent der größte innerhalb der Europäischen Union.(...)

02. März 2007

Handel fordert von Lieferanten Reduzierung der Pestizidbelastung(12)

(...) Unisono richten vor allem die Vollsortimenter Forderungen an die Adresse ihrer Lieferanten. Ziel ist eine eindeutige Reduzierung der Pestizidbelastung bei den von ihnen gehandelten Früchten. (...)

14. März 2007
Initiative des Deutschen Raiffeisen Verbandes zur Reduzierung von Pestizidrückständen(13)

DRV initiiert Friedrichshafener Handlungsrunde - Mit Produktsicherheit zurück zum Verbrauchervertrauen

Die Rückstandssituation von Obst und Gemüse in Deutschland wird zunehmend durch medienwirksame Aktionen, z. B. Greenpeace, Stiftung Warentest, Ökotest, in das öffentliche Interesse gerückt. In einer Vielzahl der Veröffentlichungen wird aber lediglich der Status quo der Rückstandssituation dargestellt. Oft wird diese Nachricht auf die Schlagzeile: Obst und Gemüse sind mit Pestiziden vergiftet reduziert.

Zur Lösung dieser Problematik hat der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) im Rahmen seiner Fachtagung, die Anfang dieser Woche von DRV-Präsident Manfred Nüssel eröffnet wurde, als Ergebnis eine breit angelegte Diskussionsrunde mit Vertretern aller Teile der Wertschöpfungskette einen Aktionsplan verabschiedet, die den Arbeitstitel Friedrichshafener Handlungsrunde trägt. (...)

2. April 2007
Verschärfung der Standards bei Metro

Als vierte Handelskette will nun auch Metro (Real, Kaufhof) für eine bessere Qualität im Obst- und Gemüse-Regal sorgen. Die Lebensmittel dürfen künftig nur noch maximal 70 Prozent der gesetzlich zulässigen Pestizidbelastung enthalten. Lieferanten, die gegen die Standards verstoßen, droht Metro mit Auslistung.

8. Mai 2007
Verschärfung der Standards bei Kaiser´s / Tengelmann

Die Tengelmann-Gruppe will als fünfte deutsche Supermarktkette die Pestizidbelastung ihres Obst- und Gemüseangebotes begrenzen. Dafür hat der Konzern ein Pestizidreduktionsprogramm eingeführt, nach dem zukünftig nur noch maximal 70 Prozent der gesetzlich zulässigen Pestizidbelastung in den verkauften Lebensmitteln geduldet werden. Gleichzeitig soll auch der Grenzwert für die akute Gesundheitsgefährdung sogenannte (ARfD) nicht überschritten werden. Bei Überschreitung dieser Dosis ist eine unmittelbare Gesundheitsgefährdung vor allem bei Kindern möglich.

30. Mai 2007
Verschärfung der Standards bei Edeka(14)

Edeka startet als sechste und größte deutsche Handelskette ein Programm gegen Pestizide in Obst und Gemüse. Wie Edeka am Mittwoch verlauten ließ, soll künftig nur noch Ware verkauft werden, die mit höchstens 70 Prozent der gesetzlich zugelassenen Höchstmenge belastet ist. Damit haben alle von Greenpeace im Jahr 2005 getesteten deutschen Supermarktketten ein Pestizidreduktionsprogramm verabschiedet.

9. Juni 2007
Verschärfte Standards des Handels setzen Anbau unter Druck(16)

(...) Das bisher nicht befriedigend gelöste Problem der Rückstände ist ein weitere Faktor. Allein bei Paprika verlor Almería diverse deutsche Großkunden. (...)

22. Juni 2007
Lieferanten unter Druck(17)

(...) Alleingänge bei der Festlegung von Grenzwerten für Pestizide bei Obst und Gemüse sollen bald der Vergangenheit angehören. Die großen deutschen Lebensmittelhändler haben sich bei der jüngsten Sitzung der Handelsvereinigung für Marktwirtschaft (HfM) darauf verständigt, so schnell wie möglich zu einem Konsens zu finden. Ein aktueller Vorstoß von Edeka sorgte aber bei Lieferanten für Unmut. (...)

27. Juni 2007
Stern TV bestätigt Greenpeace Untersuchungen

Auch im Stern TV Test schneidet Lidl am besten ab. Die Lebensmittelversuchsanstalt (LVA) Wien hat die Ergebnisse nach den Greenpeace Kriterien ausgewertet und kam zu folgendem Ergebnis: Bei Lidl sind 58 Prozent aller Produkte ohne Rückstände, bei Aldi 39 Prozent und bei Kaisers/ Tengelmann sind 38 Prozent ohne Rückstände.

(...)Insgesamt fand das LVA viel weniger belastetes Obst und Gemüse als Greenpeace vor fünf Monaten. (...) Laut Dr. Michael Gartner, Experte beim LVA, nicht ungewöhnlich: Im Sommer sei Obst und Gemüse weniger mit Pestiziden belastet als zum Zeitpunkt des Greenpeace- Tests. (...)(18)

Lidl präsentiert das Ergebnis des Gläsernen Pestizidtests

Insgesamt wurden 623 Proben von 10 Unternehmen beprobt. Untersucht wurden 27 unterschiedliche Produktarten, von Äpfeln über Paprika bis hin zu Zucchini. Es gab insgesamt nur fünf Überschreitungen der gültigen Rückstandshöchstmenge, das entspricht 0,8 Prozent. Da nur Medien und Verbände im Rahmen der Pressefreiheit Namen nennen dürfen, werden auf der Homepage keine Unternehmen genannt.

(...) Von Lidl wurden mehr als 70 Produkte untersucht und gemäß der aktuell gültigen Rückstands-HöchstmengenVO (RHmV) keine Beanstandungen festgestellt. (...)(19)

28. August 2007

Transparent und zeitnah: Als erstes Bundesland veröffentlicht jetzt Nordrhein-Westfalen (NRW) die Untersuchungsergebnisse der Lebensmittelüberwachung ohne Anonymisierung in einem Pestizidreport. Im Internet können Verbraucherinnen und Verbraucher nachlesen, wie stark Erdbeeren, Salat oder Paprika in NRW mit Pestiziden belastet sind. (20)

31. August 2007

Die Greenpeace-Kampagne Stoppt Gift im Essen trägt Früchte: Die Belastung von Tafeltrauben mit giftigen Spritzmitteln ist deutlich zurückgegangen! Nur noch acht Prozent der untersuchten Trauben beurteilt Greenpeace als nicht empfehlenswert, weil gesetzliche Grenzwerte überschritten wurden. Noch 2005 und 2006 musste Greenpeace die Hälfte der Traubenproben als zu hoch belastet einstufen. Bei der aktuellen Untersuchung von 71 Proben aus neun großen Supermarktketten in neun deutschen Großstadten hat sich einzig der Discounter Norma als schwarzes Schaf erwiesen.

31. Januar 2008

Greenpeace veröffentlicht die Studie Grenzen der Pestizidanalytik und zeigt, dass selbst die besten staatlichen Lebensmittellabors nicht einmal die Hälfte der möglicherweise in Obst, Gemüse und Getreide enthaltenen Pestizide erkennen. Ihnen fehlen schlicht die Analysemöglichkeiten. Weltweit werden in der Landwirtschaft derzeit etwa 1350 Pestizidwirkstoffe eingesetzt. Davon können bestenfalls 600 nachgewiesen werden. Die Labors der meisten deutschen Bundesländer erkennen sogar weniger als 400 Wirkstoffe. Aus dem Missstand folgt, dass mögliche Belastungen von Lebensmitteln, Grundwasser und somit auch der Gesundheit des Verbrauchers durch Pestizide unerkannt bleiben. Greenpeace empfiehlt Landwirten und Lebensmittelhandel, Pestizide nicht mehr einzusetzen, die bei der Überwachung nicht erkannt werden können. Die EU soll derartige Stoffe vom Markt nehmen.

7. Februar 2008

Greenpeace hat eine Liste von Spritzmitteln veröffentlicht, die besonders gesundheits- und umweltgefährdend sind. Zwei unabhängige Experten haben darin insgesamt 1134 weltweit eingesetzte Pestizide überprüft. 327 von ihnen wurden in die sogenannte Schwarze Liste für gefährliche Pestizide aufgenommen. Von der Landwirtschaft und dem Lebensmittelhandel verlangt Greenpeace, solche Stoffe durch unschädliche Mittel zu ersetzen. Die EU soll ihr neues Zulassungsrecht so gestalten, dass derartige Stoffe keine Marktzulassung mehr erhalten.

8. Februar 2008

Greenpeace wird in Berlin mit dem Preis von Almería ausgezeichnet. Übergeben wird die Auszeichnung von einem Vertreter der Handelskammer der südspanischen Provinz. Der Grund: Greenpeace hat mit der Kampagne Essen ohne Pestizide maßgeblich dazu beigetragen, dass die Region nun vermehrt auf umweltverträglichere Anbaumethoden wie zum Beispiel den Einsatz von Nützlingen gegen Schadinsekten in der Landwirtschaft setzt.

26. März 2008

Im Auftrag von Greenpeace und anderen Nichtregierungsorganisationen (NGO) aus Frankreich, Österreich und England sind Weine auf Pestizidrückstände getestet worden. Die untersuchten Weine kommen aus verschiedenen europäischen Anbauregionen. Untersucht wurden 34 Proben aus konventionellem und sechs aus ökologischem Anbau. Die konventionellen Weine waren alle mit Pestiziden belastet, bei den Öko-Weinen war es einer.

22. April 2008

Nach einem aktuellen Greenpeace-Test ist die Belastung von Früh-Erdbeeren mit Pestiziden deutlich gesunken. Von den Proben aus sechs führenden deutschen Supermarktketten wurden in diesem Jahr lediglich sieben Prozent als nicht empfehlenswert beurteilt. 2004 traf das noch auf 14 Prozent, 2005 auf elf Prozent der untersuchten Waren zu. Im aktuellen Test gab es zwei Ausreißer: Eine konventionelle Probe von Lidl lag über der sogenannten Akuten Referenzdosis. Eine der Proben aus biologischem Anbau überschritt den Bio-Höchstwert. Der Test ist ein weiteres Indiz dafür, dass die von Greenpeace bewirkten Pestizid-Reduktionsprogramme der Supermärkte zu wirken beginnen.

19.Mai 2008

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat Maissaatgut, das mit dem Insektizid Clothianidin behandelt wurde, die Zulassung entzogen. Untersuchungen haben eindeutig einen Zusammenhang zwischen dem Bayer-Gift und dem massiven Bienensterben in Baden-Württemberg ergeben. Greenpeace verlangt vom BVL den sofortigen Entzug der Zulassung.

16.Juni 2008

Greenpeace veröffentlicht den Report Die schmutzigen Portfolios der Pestizidindustrie, der das Pestizidangebot der fünf großen Agrochemiekonzerne nach Umwelt- und Gesundheitskriterien bewertet. Bayer gefährdet Menschen und Umwelt am meisten und führt damit die Riege an. Monsanto hat den kleinsten Marktanteil, aber die schwärzeste Produktpalette. Aber auch Syngenta, BASF und Dow Chemical gefährden ganz erheblich Gesundheit und Umwelt. Von der EU-Kommission, dem EU-Parlament und den EU-Mitgliedsländern verlangt Greenpeace ein schärferes Zulassungsrecht, damit besonders gefährliche Spritzmittel nicht mehr vermarktet werden.

21. Juli 2008

Das Landgericht Hamburg verbietet dem Industrieverband Agrar (IVA) die Behauptung Nach den Maßstäben von Greenpeace müsste allerdings auch Kochsalz verboten werden. Der Verband der Pestizidproduzenten hatte versucht, mit dieser Aussage die Pestizidbewertung von Greenpeace zu diskreditieren. Insbesondere die von Greenpeace im Februar veröffentlichte Schwarze Liste der Pestizide scheint dem Verband ein Dorn im Auge zu sein.

21. August 2008

Jedes zehnte in heimischem Obst, Gemüse und Getreide nachgewiesene Pestizid ist in Deutschland verboten. Das zeigt die von Greenpeace veröffentlichte Studie Die unsicheren Pestizidhöchstmengen der EU, die die Ergebnisse der staatlichen Lebensmitteluntersuchungen auswertet. Die zugrunde liegenden Daten stammen vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Doch das wertet seine eigenen Daten nicht aus und verdunkelt damit die skandalöse Anwendung illegaler Pestizide. Greenpeace fordert die Agrarminister auf, endlich wirksam gegen Bauern vorzugehen, die illegale Spritzmittel einsetzen.

1. September 2008 Im Zuge der Vereinheitlichung von Pestizidhöchstmengen in Europa gelten auch für Deutschland ab dem 1. September neue Grenzwerte für Lebensmittel. Eine Analyse von Greenpeace Die unsicheren Pestizidhöchstmengen der EU zeigt: Etwa 700 dieser Werte sind selbst nach EU-Maßstäben zu hoch festgesetzt worden und unsicher. Vor allem Äpfel, Birnen, Trauben und Tomaten dürfen künftig so stark belastet sein, dass insbesondere Kinder geschädigt werden können. Greenpeace fordert schärfere Höchstmengen.

12. September 2008

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat in einem Brief Stellung zum Greenpeace-Bericht über illegale Pestizide in Lebensmittel vom August bezogen. Demnach sieht auch das BVL Handlungsbedarf und hat unter anderem angekündigt, zukünftig seine Daten selbst auf illegale Pestizide hin zu überprüfen und diese Informationen zu veröffentlichen.

22. September 2008

Angesichts eines Treffens der Verbraucherschutzminister der Länder kritisieren Greenpeace und drei weitere Umweltverbände zusammen den neu verabschiedeten Nationalen Aktionsplan von Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Mit Verbraucherschutz hat das nichts zu tun. Im Aktionsplan wurden bisherige Zielsetzungen zur Pestizidreduktion komplett gestrichen.

1. Oktober 2008

Greenpeace veröffentlicht einen Pestizidtest von Gewürzen und Kräutern. Nur 6 von 33 Produkten werden als empfehlenswert bewertet. Bis zu 22 Pestizide stecken in einer Probe Paprika. In zwei Produkten werden die EU-Grenzwerte überschritten (nach den bis zum 30.8.2008 gültigen deutschen Grenzwerten wäre das bei acht Produkten der Fall gewesen). 18 der 53 nachgewiesenen Spritzmittel sind in der EU nicht zugelassen. EDEKA kündigt einen Verkaufsstopp für ein besonders stark belastetes Paprikagewürz an. Relativ gut schneiden Pfeffer und Ingwer ab.

_________

Fußnoten:

(1) Greenpeace: Essen ohne Pestizide, Hamburg April 2005

(2) Greenpeace: Pestizide aus dem Supermarkt, Hamburg, November 2005

(3) FruchthandelsMagazin: Für die Produzenten ist die Schmerzgrenze erreicht, Nr. 49/2005, S. 34F, Dez. 2005

(4) Auszug Pressemitteilung Qualität und Sicherheit, 10.10.2006

(5) Einführung von dynamischen Minimierungsansätzen für Rückstände in Frischeprodukten (G. Schulze Althoff: Einführung von dynamischen Minimierungsansätzen für Rückstände in Frischeprodukten. BVL-Journals für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit 2 (2007), 20-33)

(6) Lebensmittel Zeitung: Lidl wird zum Musterknaben, 19.01.2007

(7) Auszug aus Fruchtportal,

 

 

 

www.fruchtportal.de

(8) Auszug Pressemitteilung von REWE,

 

 

 

www.REWE.de

(9) Greenpeace: Essen ohne Pestizide, Hamburg 14.02.2007

(10) GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit, Auszug Pressemitteilung , 14.02.07: Bio-Boom: umweltschonend und gesund?

(11) Auszug DPA Meldung 14.02.2007

(12) Lebensmittel Zeitung: Vollsortimenter bangen um ihr Image, Auszug Pressemitteilung, 2. März 2007

(13) Pressemitteilung des Deutschen Raiffeisenverbandes, Auszug Pressemitteilung,

 

 

 

www.raiffeisen.de

(14) Pressemitteilung Edeka 30.05.07,

 

 

 

www.Edeka.de

(15) Pressemitteilung des Bundesamtes für Verbraucherschutz (Auszug), 01.06.2007,

 

 

 

www.bvl.bund.de

(16) Fruchthandels-Magazins, Nr. 23, Auszug

(17) Lebensmittelzeitung, 22.06.2007: Gemeinsam gegen Pestizide, Auszug

(18) Stern TV, 28.06.2007, Auszug,

 

 

 

www.stern.de/tv/sterntv/591986.html?nv=cp_L2_

(19) Lidl-Homepage, 28.06.2007, Auszug,

 

 

 

http://www.lidl.de/de/home.nsf/pages/c.o.te.og.index

(20) Pestiziduntersuchungen aus NRW online nachlesbar unter:

 

 

 

www.umwelt.nrw.de

Mehr zum Thema

Unsere Zukunft steckt im Boden

Wir brauchen eine moderne, gesunde Landwirtschaft, die sich an natürlichen ökologischen Kreisläufen ausrichtet und auf den Einsatz von Gentechnik und Pestiziden verzichtet.

Greenpeace-Erfolg im Gemüsegarten Europas

Wer mit dem Flugzeug über die spanische Provinz Almeria fliegt, stößt auf einen schmutzig-weißen Fleck in der Landschaft: Mar del Plastico, das Plastikmeer, einer der wichtigsten "...