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Bundesbürger wollen keine Pestizide im Essen - Berlin kümmert's nicht

Die Bundesregierung arbeitet gerade daran, den Schutz vor Pestiziden im Essen aufzuweichen und verabschiedet sich von ihren - ohnehin halbherzigen - Reduktionszielen für Rückstände in Nahrungsmitteln. Im Gegensatz dazu stehen die Wünsche der Bürger, wie Greenpeace mit einer Umfrage verdeutlicht. Über 1.000 Menschen wurden im Februar und April befragt. Der Wunsch der Bürger nach pestizidfreiem Essen und die Wirklichkeit klaffen in Deutschland weit auseinander, kommentiert Greenpeace-Chemieexperte Manfred Krautter die Ergebnisse.

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Die Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) hat ermittelt, dass 71 Prozent der Befragten Obst und Gemüse wollen, das ganz frei von Pestizidrückständen ist. 89 Prozent der Interviewten wollen darüber hinaus, dass Obst- und Gemüsearten, die besonders häufig zu hohe Pestizidbelastungen aufweisen, überhaupt nicht mehr verkauft werden.

Dem stehen die Fakten gegenüber: Tatsächlich sind 84 Prozent der von Greenpeace Ende 2006 untersuchten Supermarktware aus konventionellem Anbau mit giftigen Pestiziden belastet. In zwölf Prozent der 576 getesteten Obst- und Gemüseproben wurden sogar die gesetzlichen Pestizid-Grenzwerte erreicht oder überschritten.

Minister Seehofer tanzt nach dem Willen der Pestizid-Industrie

Nur wenn weniger gespritzt wird, gibt es auch weniger Gift im Essen. Statt dafür zu sorgen, plant Agarminister Horst Seehofer (CSU) das glatte Gegenteil, kritisiert Krautter. Nach Plänen des Landwirtschaftsministeriums soll das erst Ende 2004 verabschiedete bundesweite Reduktionsprogramm Chemischer Pflanzenschutz geändert werden. War bisher eine bescheidene Reduktion des Pestizideinsatzes um 15 Prozent in zehn Jahren geplant, soll es zukünftig gar kein konkretes Reduktionsziel mehr geben.

Ein solches Programm wäre nichts wert. Minister Seehofer tanzt nach dem Willen der Pestizid-Industrie, sagt Krautter. In ganz Europa gibt es wirksame Programme zur Pestizidreduktion, jedoch nicht in Deutschland.

Greenpeace fordert von Bund und Ländern, durch bessere Kontrollen die Grenzwertüberschreitungen bei allen Obst- und Gemüsearten kurzfristig zu unterbinden und den Pestizideinsatz in Deutschland in spätestens fünf Jahren um 50 Prozent zu reduzieren.

Kontrollen sollen von Pestizidherstellern und -anwendern bezahlt werden

Die Bundesbürger wurden auch gefragt, wer in Zukunft die Kosten der behördlichen Pestizid-Kontrollen von Lebensmitteln und Trinkwasser tragen soll. Eine klare Mehrheit der Befragten will, dass die Verursacher der Belastungen, also Pestizidproduzenten (55 Prozent) und Landwirte (49 Prozent), die Kosten tragen sollen. Nur 19 Prozent plädieren dafür, dass wie bisher der Staat die Kosten trägt.

Auch mehr Transparenz ist gefragt: 91 Prozent fordern, dass diejenigen, die zu stark belastete Ware verkaufen, von den Behörden öffentlich benannt werden müssen. Während das in Ländern wie Dänemark und England schon lange vorgeschrieben wird, ist in Deutschland eine Veröffentlichung durch die Behörden die Ausnahme.

Wie Verbraucher selbst beim Einkauf auf pestizidarme Ware achten können, zeigt der kostenlose Greenpeace-Ratgeber Essen ohne Pestizide Er kann unter der Rufnummer: 040-30618-120 oder online (Bestellbutton rechts oben auf dieser Seite) bestellt werden.

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