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Bundesamt bestätigt: Illegale Agrargifte auf deutschen Beeren

Beim konventionellen Anbau von Johannis- und Stachelbeeren in Deutschland werden illegale Spritzmittel eingesetzt. Dies bestätigte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am Montagabend nach einem vom Greenpeace-EinkaufsNetz veröffentlichten Befund.

Sechs der insgesamt 20 nachgewiesenen Pestizide sind nicht zugelassen. Die illegalen Spritzmittel hat Greenpeace bei sechs von insgesamt 28 getesteten Proben gefunden. Greenpeace wird bei den zuständigen Staatsanwaltschaften Anzeige wegen des Einsatzes nicht zugelassener Pestizide erstatten.

Damit ist behördlich bestätigt, dass im deutschen Obstanbau illegale Pestizide gespritzt werden, sagt Greenpeace-Chemieexperte Manfred Krautter. Wir haben es hier mit einem handfesten Lebensmittelskandal zu tun. Produzenten von Johannis- und Stachelbeeren in Süddeutschland gefährden mit hoch gefährlichen Pestiziden die Gesundheit der Verbraucher und die Umwelt. Die Giftpanscherei muss unverzüglich aufhören.

Bei den illegalen Pestiziden handelt es sich laut BVL um Parathion, Boscalid, Flusilazol, Iprovalicarb, Methoxyfenozid und Tebufenozid. Für die Ahndung der Verstöße sind jedoch die Bundesländer zuständig.

Vier der sechs Proben, die mit illegalen Pflanzengiften belastet sind, stammen aus Baden-Württemberg. Bei zwei Proben ist als Herkunftsland lediglich Deutschland genannt. Greenpeace fordert das baden-württembergische Ministerium auf, entsprechende Ermittlungsverfahren einzuleiten. Zudem soll es Früchte, die mit unzulässigen Spritzmitteln behandelt wurden, umgehend aus dem Verkehr ziehen.

Ein weiterer vom Greenpeace-EinkaufsNetz nachgewiesener Wirkstoff, Trifloxystrobin, darf zwar laut BVL seit 2004 nicht mehr erworben, aber noch bis 2006 eingesetzt werden. Dieser fand sich in insgesamt 13 der 28 getesteten Proben.

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