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Blinde Behörden finden keine Pestizide ...

Keinen Grund zur Freude sieht der Greenpeace-Chemieexperte Manfred Krautter bei der Pestizidbelastung unserer Nahrungsmittel. Er teilt den Optimismus des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) nicht, das am Dienstag die jüngste Nationale Berichterstattung Planzenschutzmittelrückstände veröffentlicht hat. Dort wird für 2004 im Vergleich zu 2003 ein angeblicher Rückgang der Belastung konstatiert. Für Krautter bloße Kosmetik.

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Das BVL stellt zwar einen Rückgang der Grenzwert-Überschreitungen fest, dieser geht aber nicht auf geringere Pestizidbelastungen zurück, warnt Krautter. Der Grund liegt in den massiv angehobenen Pestizidgrenzwerten. Allein im Jahr 2003 hob das Bundesverbraucherminsterium 391 Mal die Grenzwerte an, ließ also höhere Belastungen in Lebensmitteln zu. So bekommen die Verbraucher ganz legal mehr Gift auf den Teller und Behördenberichte sollen uns Verbesserungen einreden. Das ist nicht nur Verbrauchertäuschung, sondern staatlich verordnete Giftbelastung.

Geradezu mit Blindheit geschlagen sind die Ämter, wenn es darum geht, die Gefährdung durch die Pestizidbelastung zu ermitteln. Greenpeace fand im Jahr 2005 in 24 Fällen von 658 Obst- und Gemüseproben aus Supermärkten extreme Pestizidbelastungen, die die so genannte Akute Referenzdosis (ARfD) überschreiten. Vor allem für Kinder besteht eine akute Gesundheitsgefahr. Das BVL meldet dagegen für fast 16.000 Proben aus ganz Deutschland in 2004 nur 16 solcher Fälle. Übersehen die Behörden die schädlichen Lebensmittel? Das BVL und die Länderbehörden müssen erklären, wie umfassend und gründlich sie prüfen, fordert Krautter.

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