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Bayer-Pestizide vergiften indische Nahrung

Seit 1995 warten die Menschen in Indien darauf, dass der deutsche Chemie-Gigant Bayer sein Versprechen einlöst und besonders gefährliche Pestizide vom Markt nimmt. Doch der Konzern fährt ungerührt fort, seine hochgiftigen Chemikalien indischen Bauern aufzudrängen - Chemikalien, die in Deutschland längst verboten sind.

In seinem Jahresbericht 1995 verpflichtete sich der Bayer-Konzern gegenüber seinen Aktionären dazu, in den nächsten fünf Jahren die Menge des eingesetzen Produkts pro Anwendung zu reduzieren und Produkte, die von der Weltgesundheitsorganisation in die Klasse 1 für hochgiftige Substanzen eingestuft werden, durch weniger giftige zu ersetzen. Doch der Konzern will nicht auf den Profit verzichten und macht in Indien noch heute prächtige Geschäfte mit diesen Chemikalien.

Inzwischen hat der deutsche Chemieriese bereits einen Marktanteil von rund 22 Prozent auf dem Subkontinent erreicht. Mit über 50 verschiedenen Produkten füllt er die Pestizid-Regale. Viele dieser Pestizide sind hierzulande schon lange aus dem Verkehr gezogen. Greenpeace Indien wirft Bayer deshalb vor, zweierlei Standards zu haben und die Bevölkerung Indiens als Menschen zweiter Klasse zu betrachten, was eine Form des Rassismus ist.

Wir sind gegen alle Pestizide, aber Bayer ist ein besonders großer Übeltäter, warnt Kavitha Kuruganti, Landwirtschaftsexpertin von Greenpeace. Der Konzern hat das Vertrauen seiner Shareholder enttäuscht und was noch viel schwerer wiegt, er hat beim Supreme Court of India gegen die Petition für Nahrungssicherheit interveniert. Das ist ein klarer Fall von Sabotage an den Bemühungen einer Zivilgesellschaft, sichere Lebensmittel für alle zu garantieren.

Bereits seit April prüft das höchste Gericht Indiens eine Petitionsschrift der in Neu Dehli ansässigen Umweltschutzorganisation Srishti. Nach eingehender Sichtung öffentlich zugänglicher Regierungsstudien konnte Srishti die Trends und statistischen Entwicklungen der vergangenen 20 Jahre aufzeigen: Die Belastung der täglichen Nahrung, wie Gemüse, Milch, Getreide und Wasser stieg kontinuierlich an. Dabei spielen vor allem Pestizide und Insektizide eine wichtige Rolle.

Gegenwärtig haben die Menschen in Indien jedoch keine juristischen Möglichkeiten, sich gegen die Vergiftung ihrer Nahrungsmittel zur Wehr zu setzen. Die Firmen können nicht in Regress genommen werden. Deshalb reichte Srishti die Petition ein, in der gefordert wird, alle die Pestizide und Insektizide zu verbieten, für die in anderen Ländern schon ein Verbot besteht.

Auch Greenpeace unterstützt diese Petition in Indien und fordert von den Verantwortlichen bei Bayer, sofort die Herstellung und den Verkauf der giftigen Chemikalien einzustellen. Bayer soll endlich sein Versprechen einlösen. Darüberhinaus müssen die Vertreter von Bayer sich vor dem Supreme Court of India dazu verpflichten das Herstellen von gefährlichen Pestiziden zu stoppen. (mir) -

Unterstützen auch Sie unsere Forderung gegenüber Bayer! Beteiligen Sie sich an unserer Cyberaktion und schreiben Sie eine E-Mail (http://act.greenpeace.org/ams/e?a=949&s=gen) an die Verantwortlichen von Bayer Indien. (auf Englisch)

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