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Almeria will grüner werden

Greenpeace ist am Donnerstag in Berlin mit dem Preis von Almeria ausgezeichnet worden. Übergeben wurde die Auszeichnung von einem Vertreter der Handelskammer der südspanischen Provinz. Im vergangenen Jahr hatte Greenpeace mit seiner Kampagne Essen ohne Pestizide maßgeblich dazu beigetragen, dass die Region nun vermehrt auf umweltverträgliche Anbaumethoden in der Landwirtschaft setzt.

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Der Sinneswandel erfolgte allerdings nicht ganz freiwillig: Die Provinz Almeria hatte diverse deutsche Großkunden verloren, weil Greenpeace-Tests wiederholt zu hohe Pestizidbelastungen in Obst und Gemüse aus der Region nachgewiesen hatten.

Die Preisverleihung fand im Berliner Hotel Melia statt. Vom gänzlich unspanischen Berliner Wetter bekam man im Hotel an der Spree zum Glück nichts mit. Im Gegenteil: Das anwesende Publikum gab sich erfolgreich Mühe, durch elegantes Auftreten spanisches Flair zu verbreiten. Die fast 200 Stühle für die geladenen Gäste waren schnell gefüllt, viele mussten stehen.

Und dann ging alles ganz schnell: Die Moderatorin bat Manfred Krautter, den Leiter der prämierten Greenpeace-Pestzidkampagne, als Ersten auf die Bühne. Krautter nahm die Auszeichnung in Form einer weißen Marmorskulptur entgegen, und bedankte sich im Namen von Greenpeace für den Preis.

Krautter sagte, es freue ihn, dass die Arbeit von Greenpeace für eine nachhaltige Landwirtschaft und Essen ohne Pestizide durch eine der wichtigsten Agro-Regionen Europas anerkannt werde. Er wies aber auch darauf hin, dass noch viel zu tun bleibe: In Almeria und vergleichbaren Regionen mit industrialisiertem Anbau von Obst und Gemüse gibt es bis heute große Umweltprobleme. Hinzu kommen Defizite beim Arbeitsschutz und bei den Sozialstandards für die Landarbeiter. Für den Schutz der Verbraucher müssen Pestizidrückstände noch deutlich gesenkt werden.

Almeria ist eine der Hauptanbauregionen für Obst und Gemüse in Europa. Sie ist auch unter dem Namen Plastikmeer bekannt, denn fast die ganze Region ist ein einziges Gewächshaus. Auf Luftbildern wird Almeria durch weisse Platikplanen dominiert - grüne oder braune Landstriche sind kaum auszumachen. Hier wird im großen Stil für die internationalen Märkte produziert. Und das geschah bisher meist unter hohem Pestizideinsatz.

In der Region arbeiten hauptsächlich Einwanderer aus Nordafrika - sie sind an ihrem Arbeitsplatz hohen Gesundheitsrisiken ausgesetzt. Im Jahr 2004 wurden in der ganzen Region nur 200 Hektar Land ohne den Einsatz von Pestiziden bewirtschaftet. 2006 waren es schon 1000 Hektar. Im vergangenen Jahr hat die Provinz nun einen gewaltigen Schritt nach vorn gemacht: In der diesjährigen Anbausaison 2007/2008 wurden fast 8000 Hektar umweltverträglich bewirtschaftet.

Dass in Almeria ein Umdenken eingesetzt hat, ist auch ein Verdienst der Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie haben beim Einkauf vermehrt auf die Herkunft von Obst und Gemüse geachtet und den Produzenten der pestizidbelasteten Massenware die Rote Karte gezeigt. Die Produzenten stehen umweltverträglicheren Anbaumethoden nun endlich offener gegenüber.

Autoren: Sabrina Wagner, Patrik Löhr

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