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Ringen um Patente

Der US-amerikanische Agrarkonzern Monsanto hat in Liverpool erneut eine Schiffsladung argentinischer Gen-Soja nach Europa gestoppt. Der Hintergrund: Es handelte sich um die von Monsanto patentierte Roundup-Ready-Soja. In Argentinien ist es dem Multi bislang nicht gelungen, Patentgebühren dafür einzustreichen. Nun versucht er sein Glück auf europäischem Boden, weil hier die Patentgesetze strikter eingehalten werden.

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Monsanto hat bereits in Spanien, Dänemark und den Niederlanden argentinische Exporteure von Gen-Soja verklagt, weil diese Monsantos gentechnisch modifizierte Sojabohnen vertreiben. Weil sie schwere Einbußen für ihre Wirtschaft befürchtet, hat sich die argentinische Regierung bislang erfolgreich gegen die Einführung von Patentgebühren gewehrt. Argentinien ist der weltweit größte Sojamehl-Lieferant.

Jahrelang hat Monsanto toleriert, dass argentinische Bauern die eigene Gen-Saat immer wieder selber nachbauen, ohne Lizenzgebühren zu zahlen, sagt Alexander Hissting, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace. Jetzt, da fast alle Soja in Argentinien aus den Laboren von Monsanto stammt, bittet der Gentechnik-Gigant die Bauern zur Kasse.

Die Strategie ist klar. Ohne Lizenzgebühren war die Gen-Saat konkurrenzlos billig. Die Verbreitung ging rasant vonstatten. Nachdem nun die restliche Saatgutindustrie vom Markt verdrängt ist, versucht Monsanto die Lizenzgebühren zu erzwingen.

Hissting warnt: Monsanto arbeitet beharrlich an seinem Unternehmensziel bis 2025 100 Prozent des weltweiten Saatgumarktes zu beherrschen. Diese Vision bedroht auch die Landwirtschaft in Deutschland.

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